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Nur noch Radler für Radler?

Alkohol und Fahrrad fahren, das passt bisher in ziemlich weiten Grenzen zusammen. Doch das könnte sich bald ändern. Im Gespräch ist eine neue Promillegrenze für Pedalritter.
Alkohol und Fahrrad fahren, das passt bisher in ziemlich weiten Grenzen zusammen. Doch das könnte sich bald ändern. Im Gespräch ist eine neue Promillegrenze für Pedalritter.
Andrea Warnecke

Bei Autofahrern ist es keine Frage: Bei 0,5 Promille sollte Schluss sein, mehr als 1,1 sind auf gar keinen Fall drin. Jetzt wird eine solche Grenze auch für Radfahrer diskutiert. Zu Recht?

Es war eine böse Überraschung für den Radler. In der Demminer Adolf-Pompe-Straße fuhr er der Polizei direkt in die Arme und er fiel den Beamten wohl auf. Denn sie ließen ihn pusten. 1,74 Promille zeigte das Gerät an, eindeutig zu viel. Dabei hätte er wohl unbehelligt weiter fahren können, wenn er nur ein Bier weniger getrunken hätte. Denn bis 1,6 Promille dürfen Radfahrer auf dem Sattel sitzen, soweit sie keinen Unfall verursachen und nicht durch Unsicherheit auffallen. Erst darüber wird das Radeln unter Alkohol strafbar.

Eine Grenze, die manchen Verkehrsexperten viel zu hoch liegt. Nachdem in der Vergangenheit bereits über niedrigere Promillegrenzen für Radler diskutiert wurde, soll das in dieser Woche beim Verkehrsgerichtstag in Goslar erneut auf die Tagesordnung kommen. Im Gespräch sind dabei 1,1 Promille als Grenze für die Strafbarkeit.

Nicht auf die Zahl der Räder kommt es an

Manche werden das begrüßen, andere darüber nur den Kopf schütteln. Tatsächlich spielt Trunkenheit auf dem Fahrradsattel in der Region nur eine untergeordnete Rolle. Nach Auskunft der Polizeiinspektion Neubrandenburg gab es im Jahr 2013 in ihrem gesamten Bereich gerade einmal zehn Verkehrsunfälle, die von angetrunkenen Radfahrern verursacht wurden. Im Bereich des Polizeihauptreviers Demmin war es sogar nur einer.

Sollte das Umsteigen aufs Fahrrad demnach bestraft werden, wenn man abends am Stammtisch ein paar Bierchen trinken will? Für den Vizepräsidenten des Automobil-Clubs Verkehr, Jürgen Koglin, ist das keine Frage. „Wer kein vierrädriges Fahrzeug mehr unter Kontrolle hat, hat auch kein zweirädriges mehr im Griff“, meint er.

Doch Radfahrer sehen da durchaus Unterschiede. „Bei Autofahrern ist die Promille-Grenze sinnvoll, weil sie angetrunken eine Gefahr für Leib und Leben anderer darstellen. Wir Radler schaden uns vor allem selbst, wenn wir stürzen“, meint etwa René Martin von der Neubrandenburger Regionalgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), in deren Bereich auch Demmin fällt. Angesichts dieser Gefahren appelliert er an die Vernunft der Radler, während er einer Herabsetzung der Promillegrenze etwa auf 1,1 wenig abgewinnen kann. „Ich weiß nicht, ob das sinnvoll ist. Wenn ein Radler unter 1,6 Promille in Schlangenlinien fährt, wird er ja trotzdem verfolgt.“