In der Region Demmin sind die Busverbindungen lückenhaft. Das Problem: Es muss auch Menschen geben, die sie nutzen.
In der Region Demmin sind die Busverbindungen lückenhaft. Das Problem: Es muss auch Menschen geben, die sie nutzen. Pablo Himmelspach
In der Region Demmin sind die Busverbindungen lückenhaft. Das Problem: Es muss auch Menschen geben die sie nutzen.
In der Region Demmin sind die Busverbindungen lückenhaft. Das Problem: Es muss auch Menschen geben die sie nutzen. Stefan Sauer
In der Region Demmin sind die Busverbindungen lückenhaft. Das Problem: Es muss auch Menschen geben, die sie nutzen.
In der Region Demmin sind die Busverbindungen lückenhaft. Das Problem: Es muss auch Menschen geben, die sie nutzen. Pablo Himmelspach
Busverbindungen

Öffentlicher Nahverkehr im Demminer Land profitiert kaum von Benzinpreis-Krise

Mit dem Bus oder der Bahn zur Arbeit – in der Region Demmin ist das eher eine Ausnahme. Wie kann der öffentliche Nahverkehr auch hier attraktiver gemacht werden?
Demmin

Die Spritpreise schießen in die Höhe, die ganze Welt warnt vor den Folgen des Klimawandels und trotzdem sind unsere Straßen voller Autos. Wie kann sich das ändern? Eine wichtige Rolle spielt auf kommunaler Ebene der öffentliche Nahverkehr.

Die Rechnung ist relativ simpel: Wenn viele Menschen mit Bus und Bahn fahren, sind insgesamt weniger Fahrzeuge unterwegs. Dies spart Geld und entlastet die Umwelt. Auch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur stellt fest: „Der Öffentliche Personennahverkehr leistet einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen und modernen Mobilität.“

Auto immer noch günstiger und schneller

Doch die Realität sieht hierzulande bislang ganz anders aus. Auf vielen Strecken im Demminer Land fahren die Busse eher spärlich. Die Kinder kommen natürlich zur Schule und später wieder nach Hause. So fahren zum Beispiel in Sarow morgens mehrere Busse. Eine weitere Linie verkehrt zur Mittagszeit und die letzte dann am frühen Nachmittag. Für Menschen, die regelmäßig nach Demmin zur Arbeit fahren wollen, ist eine solche Anbindung aber schlichtweg zu lückenhaft. Man könnte auch sagen: Es fahren zu wenige öffentliche Verkehrsmittel. Das Problem ist jedoch komplexer.

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„Die Region Mecklenburgische Seenplatte ist nicht mit einer Großstadt zu vergleichen. Wir haben hier einen Motorisierungsgrad von über 50 Prozent“, sagt Torsten Grahn, Geschäftsführer der Mecklenburg-Vorpommerschen Verkehrsgesellschaft (MVVG). Der Großteil der Menschen in der Region Demmin nimmt lieber das eigene Auto, als in den Bus einzusteigen. Der Grund dafür, dass so viele Menschen mit dem Auto fahren, sei schlichtweg, dass dies günstiger, schneller und praktischer sei. „Vor einigen Jahren gab es noch regelmäßige Verbindungen von Demmin nach Neubrandenburg oder Stavenhagen. Aber die wurden einfach nicht ausreichend genutzt“, sagt Grahn. Und auch auf Strecken wie zwischen Greifswald und Demmin sitzen Fahrgäste teilweise alleine in einem großen Linienbus.

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In Großstädten wie Berlin ist Autofahren hingegen allein deswegen unattraktiv, weil es meist wenige freie Parkplätze gibt. Viel wichtiger ist jedoch: Das Angebot der öffentlichen Verkehrsmittel ist dort immer vorhanden. So gut wie rund um die Uhr fahren Busse und Bahnen die Menschen von A nach B. Diese kurze Taktung setzt laut Grahn jedoch voraus, dass es genug Menschen gibt, die das Angebot nutzen. „Natürlich kann man versuchen, das Angebot zu verbessern, damit mehr Menschen mit dem Bus fahren. Aber bei uns ist die Zahl der Fahrgäste begrenzt“, sagt Grahn.

Größeres Angebot wird für Steuerzahler teuer

Dennoch soll es einen Paradigmenwechsel geben: Momentan ergibt sich der Fahrplan der Verkehrsgesellschaft aus dem vorhandenen Bedarf. Je nachdem, wie viele Menschen in einem Ort wohnen und wie oft diese von dort weg müssen, fahren auch die Busse. Dies soll sich ab Ende des nächsten Jahres jedoch ändern. Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hat für den Zeitraum 2021 bis 2026 die Entwicklung eines neuen Nahverkehrsplanes beschlossen. „Das Konzept sieht einen angebotsbezogenen Plan vor“, sagt Grahn.

Das heißt konkret: Die Busse sollen für alle Menschen im Landkreis regelmäßig fahren. Egal, ob Schüler zur Schule müssen, oder eine ältere Dame ihren Einkauf erledigen will – das Angebot soll vorhanden sein. Das Ziel des Landkreises ist es, damit die Zahl der Fahrgäste zu erhöhen. Torsten Grahn zufolge ist dieser Ansatz jedoch auch mit erhöhten Kosten verbunden. „Wenn das Angebot verbessert werden soll, wird das auch für den Steuerzahler teurer“, sagt Grahn. Es gäbe hohe Ausgleichszahlungen vom Landkreis.

Ein progressiver Weg, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen, wären kostenlose Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bereits 1998 wurde dies in der brandenburgischen Stadt Templin getestet. Nach fünf Jahren beendete man das Projekt aber aufgrund der hohen Kosten. Vorreiterstadt in Deutschland ist derweil Monheim am Rhein. Seit dem 1. April 2020 ist der Nahverkehr dort für die Fahrgäste kostenlos. Als erstes Land der Welt machte Luxemburg die Fahrt mit Bus und Bahn im vergangenen Jahr für seine Bürger gebührenfrei. Grahn sieht diese Möglichkeit differenziert. Zwar könne so den Vorteilen des Autofahrens entgegengewirkt werden. Die Kosten müssten jedoch wiederum die Steuerzahler tragen.

Rufbussystem weiter ausbauen

Zu sagen, dass es der Region Demmin an Ideen und Innovationen fehle, wäre falsch. So verfügt der Landkreis mit dem ILSE Bus seit dem 1. August dieses Jahres auch in der Region Demmin über ein flächendeckendes Rufbussystem. Dieses soll Grahn zufolge noch weiter ausgebaut werden.

Der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft bleibt in seiner Einschätzung jedoch realistisch. „Auch wenn wir das Angebot deutlich verbessern, werden wir damit nicht alle Autofahrer umstimmen können“, sagt Grahl. Daran könnten seiner Meinung nach auch keine steigenden Diesel- und Benzinpreise etwas ändern.

 

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