MEGA-SANIERUNG

Pestalozzi-Schule in Demmin wird teurer

Ein Plan für den Umbau der Pestalozzi-Schule steht. Sie bekommt mehr als nur einen neuen Anstrich. Der Zeitplan ist sportlich; die Kosten liegen bereits weit über der Schätzung.
Die Pestalozzi-Schule in Demmin soll ein „attraktiver Schulstandort“ werden.
Die Pestalozzi-Schule in Demmin soll ein „attraktiver Schulstandort“ werden. Denny Kleindienst
Demmin.

Das Demminer Großprojekt neue alte Pestalozzi-Schule nimmt Gestalt an, wird aber auch teurer. Nachdem die inklusionsgerechte Sanierung der Schule bereits 2018 in den Fokus der Stadtvertretung gerückt war, stellten die zuständigen Unternehmen auf der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vergangene Woche erste konkrete Pläne vor. Und mit ihnen auch neue Kostenprognosen: Auf etwa 8,5 Millionen Euro war das Vorhaben anfangs vom Betrieb für Bau und Liegenschaften geschätzt worden, inzwischen kommt das zuständige Ingenieurbüro in seiner Kalkulation auf rund 13,5 Millionen Euro.

2023 sollen die Bauarbeiten beendet sein

Seit der ersten „groben Schätzung“, die noch ohne einen genauen Plan als Fundament auskommen musste, habe sich in der Baubranche einiges getan, erklärte Bauamtsleiter Dietmar Schmidt die Erhöhung der Kosten. Mit der nun veranschlagten Summe soll bis 2023 eine Schule nach modernen Standards entstehen.

Kathrin von Einsiedel von der zuständigen Architekten- und Ingenieurunion Stralsund zeichnete bei der Projektvorstellung das Bild eines Gebäudes, in dem einem gemeinsamen Lernen und Spielen nicht-beeinträchtigter und beeinträchtigter Schüler räumlich nichts mehr im Wege steht. In der für 500 Kinder ausgerichteten Schule sollen dabei künftig neben Rollstuhlfahrern auch seh- und hörbehinderte Mädchen und Jungen lernen können. „Fast alle Beeinträchtigungen“ sind nach Angaben der Diplomingenieurin in der Planung berücksichtigt.

Große Probleme beim Brandschutz

Mithilfe von Aufzügen und Rampen werden demnach sämtliche Räume, bis hin zur Lehrküche, barrierefrei erreichbar und nutzbar sein. „Wir wollen, dass Rollstuhlfahrer alle Fächer mit nichtbehinderten Kindern zusammen machen können“, erklärte die Architektin. Der Haupteingang rückt an die Seite, von der die meisten Schüler anreisen, auf jeder Etage ist eine Behindertentoilette geplant. Zusätzlich entstehen sogenannte Inklusionsräume mit Anschluss an die Klassenzimmer, in denen beeinträchtigte Schüler gemeinsam mit Sonderpädagogen lernen können.

Neben der Einbeziehung beeinträchtigter Kinder ist der Brandschutz laut Kathrin von Einsiedel ein wichtiger Aspekt des Projektes. Denn wie jede unsanierte Schule habe auch die Pestalozzi-Schule „große brandschutztechnische Probleme.“ Um sie zu beheben, entsteht ein neuer Flurverbinder; Durchgangsräume soll es nicht mehr geben. Die Flure werden mit Brandschutztüren aufgebessert und jede Klasse bekommt einen zweiten Schutzweg. Für alle Schüler entsteht zudem ein Versammlungsraum mit Bühne, der auch zum Lesen und Lümmeln in Regenpausen genutzt werden kann, sowie eine Cafeteria mit Zugang nach draußen.

Auch von dort wird die Schule bald kaum mehr wiederzuerkennen sein: Fassaden und Fenster müssen, ebenso wie die asbestbelasteten Fußböden, herausgenommen werden. In der Erneuerung der Böden liegt laut Schmidt ein weiterer Grund für die gestiegenen Kosten. Zugleich bietet die Maßnahme nach Angaben der Diplomingenieurin die Gelegenheit, die Schule auch in Sachen Wärmeschutz und Dämmung auf einen neueren Stand zu bringen.

Auch die Außenanlage soll moderner gestaltet werden. Steffen Teetz vom gleichnamigen Demminer Ingenieurbüro plant unter anderem, sie mit einer Fahrradgarage und einem „Grünen Klassenzimmer“ in Form eines Hörsaals zu versehen.

Ein kompletter Neubau würde 19 Millionen kosten

Doch was bleibt bei all diesen Plänen überhaupt noch von der alten Schule? Der Rohbau, heißt es vom Ausschuss. Das Grundgerüst und die meisten tragenden Wände könnten genutzt werden, versicherte Kathrin von Einsiedel. Das Unternehmen versuche, so wenig wie möglich in die Statik des alten Gebäudes einzugreifen. Dennoch: „Es wird wirken wie eine neue Schule“, so die Diplomingenieurin. Und auch der Standard werde fast dem einer neuen Schule entsprechen.

Ein kompletter Neubau hingegen würde sich finanziell nicht lohnen, wie der Ausschuss aus einer Vergleichsrechnung schloss – denn dafür wären über 19 Millionen Euro fällig. Mit großer Mehrheit wurde den beauftragten Firmen daher die Genehmigung erteilt, an dem Projekt weiterzuarbeiten. Ein entsprechender Änderungsantrag mit dem Ziel einer 75-prozentigen Förderung der Gesamtbaukosten soll, wie Schmidt ankündigte, noch in dieser Woche nach Schwerin geschickt werden.

Denn die Zeit drängt: Bis zum Ende des Förderzeitraums im Dezember 2023 müssen die Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten vollständig abgeschlossen sein. Der Baubeginn ist für Oktober 2021 geplant, nach den Sommerferien 2023 sollen die Schüler dann in ihre neue Schule einziehen können. Ein „sportliches Unterfangen“, sagte Bürgermeister Michael Koch. Das Unternehmen aber, das nach eigenen Angaben viel Erfahrung in der Schulsanierung hat, gab sich zuversichtlich: „Ich sehe kein Problem, im Förderzeitraum fertig zu werden“, so Kathrin von Einsiedel.

Wo die Kinder während der Umbauarbeiten lernen werden, ist noch nicht geklärt. Wie Schmidt auf Nordkurier-Anfrage erklärte, würden hierzu verschiedene Möglichkeiten geprüft. So war die Unterbringung in Containern oder der Kauf des alten VHS-Gebäudes in der Beethovenstraße im Gespräch.

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