Altlasten
Pilzsammler können sich wieder in die Woldeforst trauen

Während in Mecklenburg-Vorpommern noch auf weiten Flächen Munitionsaltlasten vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden lauern, gilt die früher geradezu hoch brisante Woldeforst als entschärft. Vorsicht ist trotzdem geboten.
Während in Mecklenburg-Vorpommern noch auf weiten Flächen Munitionsaltlasten vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden lauern, gilt die früher geradezu hoch brisante Woldeforst als entschärft. Vorsicht ist trotzdem geboten.
Bernd Wüstneck

Während in Mecklenburg-Vorpommern noch auf weiten Flächen Munitionsaltlasten vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden lauern, gilt die früher geradezu hoch brisante Woldeforst als entschärft. Vorsicht ist trotzdem geboten.

 Die Pilzsaison steht vor der Tür, doch wie sicher ist der Weg zu den versteckten guten Plätzen? Lauert unter dem Waldboden womöglich tödliche Gefahr durch verrottende Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg? Auszuschließen ist das nicht überall. In Mecklenburg-Vorpommern, so schätzte jüngst das Innenministerium, sind noch rund 150 000 Hektar mit Kampfmitteln belastet (der Nordkurier berichtete).

Lange Zeit galt auch die Demminer Woldeforst als eines dieser hochexplosiven Gebiete. Denn mitten im Wald hatte dort die Wehrmacht eine Munitionsanstalt betrieben, wo dem Vernehmen nach unter anderem Beutemunition umgearbeitet wurde. Noch in den 1990er-Jahren kamen in deren Umfeld immer wieder scharfe Geschosse teils schwerster Kaliber zum Vorschein. Brisante Hinterlassenschaften des Militärs, die jederzeit hätten explodieren können.

"Munitionstourismus" konnte verhindert werden

Mittlerweile aber ist die Gefahr weitgehend ausgeräumt. Während in Mecklenburg-Vorpommern noch viele Flächen als belastet mit Kampfmitteln gelten, wurde die Woldeforst ab dem Jahr 2000 rund vier Jahre lang systematisch abgesucht und beräumt - weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Das war durchaus erwünscht. Denn die Stadt wollte einen "Munitionstourismus" verhindern. Sprich, Sammler der militärischen Altlasten sollten gar nicht erst auf den Standort aufmerksam werden.

Gelohnt hat sich der Einsatz offenkundig. Allein in zwei von fünf unterschiedlich stark belasteten Abschnitten wurden laut Stadtverwaltung 18 426 Stück noch funktionstüchtiger Munition geborgen. Sie wogen zusammen fast 240 Tonnen. Umgerechnet habe man damit pro Hektar rund zehn Tonnen Munition gefunden. Beräumt wurden seinerzeit 87,7 Hektar.

Einzelne Granaten im Erdreich kann niemand ausschließen

Schilder, die vor brisanten Altlasten im Boden warnen, findet man heute in der Woldeforst nicht mehr. "Die gesamte unbebaute Fläche", so Bürgermeister Michael Koch, "gilt als Kampfmittel beräumt." Doch das ist nur eine Wahrscheinlichkeitsaussage. Dass trotzdem noch einzelne Patronen oder Granaten im Erdreich liegen, kann niemand ausschließen. So wurden beispielsweise noch im Jahr 2010 bei Toitz vier scharfe Granaten aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden.

Spaziergänger sollten deshalb in der Woldeforst nach wie vor besonders vorsichtig sein, warnt der Bürgermeister. Stoßen sie zufällig auf Munition, gibt es nur eines: Finger weg. Und die Polizei benachrichtigen.