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Polen offen – rollt jetzt der Zloty?

Demminer Kalksandsteinwerk: Welche Chancen hat das regionale Gewerbe auf dem polnischen Markt? Mit Bobolice ist eine engere wirtschaftliche Kooperation angedacht.
Demminer Kalksandsteinwerk: Welche Chancen hat das regionale Gewerbe auf dem polnischen Markt? Mit Bobolice ist eine engere wirtschaftliche Kooperation angedacht.
Thoralf Plath

Seit fast 20 Jahren verbindet Demmin und die polnische Kleinstadt Bobolice eine kommunale Partnerschaft. Jetzt soll auch der Euro rollen, oder der Zloty, je nachdem. Unternehmer beider Städte wollen enger kooperieren. Eine Sondierungstour ist geplant. Endlich?

Geografisch gesehen liegt uns keine Partnerstadt näher. Nur knapp über 300 Kilometer sind es bis Bobolice, halb so viel wie nach Lünen, selbst nach Porta Westfalica fährt man ein ganzes Stück weiter. Doch Bobolice liegt in Polen. Wojewodschaft Westpommern, das ist zwar nicht hinterm Mond, die alte Grenze freilich, längst durchlässig geworden und seit dem EU-Beitritt Polens in der Alltagspraxis kaum noch spürbar, wirkt in den vielen Köpfen nach. Nicht zuletzt der Sprachbarriere wegen. Darum gibt es zwischen Demmin und der polnischen 4500-Einwohner-Stadt südlich von Koszalin zwar gute offizielle und kulturelle Kontakte.

Nur in der Wirtschaft, da läuft bisher so recht nichts. Polen zählt zu den boomenden Volkswirtschaften in der neuen EU, von Wachstumsraten in Regionen wie Stettin und Danzig kann die nordostdeutsche Provinz nur träumen. Demmin hat seit 1995 eine polnische Partnerstadt.

Geschäftsfelder erweitern

Von einer „verstärkten wirtschaftlichen Kooperation“ mit Bobolice sprach gerade Bürgermeister Michael Koch (CDU) vor dem Stadtparlament. Auf Einladung seiner Bobolicer Amtskollegin Mieczyslawa Brzoza hatte Koch vor einigen Tagen die Partnerstadt besucht: „Immer wieder wurde dort in Gesprächen der Wunsch nach intensiverer Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet deutlich.“ Darum denkt die Hansestadt jetzt an eine „Sondierungsreise Demminer Unternehmer nach Bobolice“, wie der Rathauschef ankündigt.

An Interessenten für so eine Reise mangelt es in der hansestädtischen Unternehmerschaft offensichtlich nicht. „Eine gute Idee“, findet Christoph Riesebeck, Junior-Chef der gleichnamigen Baumaschinen-Verleihfirma. „Man ist ja grundsätzlich interessiert, das Geschäftsfeld zu erweitern."

Auch Gerd Schultz, Betriebsleiter bei DMT, ist von der Idee einer Wirtschaftsdelegation nach Bobolice angetan. Er wäre für sein Unternehmen unter anderem interessiert zu erkunden, wie es um Mögklichkeiten, Potenzial und Interesse polnischer Jugendlicher an einer Ausbildung in Demmin steht. Sprachkenntnis vorausgesetzt. „Fachkräfte, das wird immer mehr zum Thema. Natürlich haben wir auch Anlernberufe, aber gerade in der Ausbildung ist die Decke schon spürbar dünn in der Region.“ Klingt, als bekäme die Hansestadt ihren Unternehmerbus in Richtung Bobolice ziemlich schnell voll.