ZIVILCOURAGE

Polizei ehrt engagierten Demminer Hausmeister

Es gibt sie ja: Menschen, die eingreifen, wenn Unrecht passiert. Die Polizei in Neubrandenburg hat sieben von ihnen nun eine Bühne geboten und sie für ihre Zivilcourage geehrt. Einer von ihnen ist ein Demminer Hausmeister.
Denny Kleindienst Denny Kleindienst
Marcus Schneider war für die Auszeichnung nach Neubrandenburg gekommen, wo ihm vom Leiter der Polizeiinspektion, Bernhard Roloff, eine Urkunde überreicht wurde.
Marcus Schneider war für die Auszeichnung nach Neubrandenburg gekommen, wo ihm vom Leiter der Polizeiinspektion, Bernhard Roloff, eine Urkunde überreicht wurde. Thomas Beigang
Demmin.

Das erste Dankeschön kam prompt. Als die Polizei vor einem Monat über den versuchten Diebstahl im Evangelischen Schulzentrum in Demmin informierte, dankte sie bereits dem Hausmeister für dessen „couragierten Einsatz“. Marcus Schneider hatte einen jungen Mann verfolgt, der in der Schule zwar auf frischer Tat ertappt wurde, als er Geld aus der Handtasche einer Lehrerin entwendete, der zunächst aber entkommen konnte. Der Hausmeister hatte den jungen Mann dann in der nahen Umgebung der Schule gesucht, ihn gefunden und war ihm ein ganzes Stück gefolgt. Währenddessen hatte er die Polizei gerufen, sodass der Dieb den Polizeibeamten schließlich direkt in die Arme gelaufen war.

Inzwischen sitzt der 22-jährige Demminer, der polizeibekannt, wegen diverser Diebstahlsdelikte vorbestraft und nur auf Bewährung frei war, in der Jugendvollzugsanstalt Neubrandenburg. Weil Marcus Schneider durch seinen Einsatz daran einen erheblichen Anteil hat, war auch er diese Woche nach Neubrandenburg gekommen. In der dortigen Polizeiinspektion folgte auf das erste Dankeschön nun das zweite. Der Demminer Hausmeister zählte zu den insgesamt sieben Frauen und Männern, die für bewiesene Zivilcourage geehrt wurden.

Zivilcourage auch den Kindern vermitteln

„Sie haben nicht weggesehen und nicht weggehört, als es brenzlig wurde“, lobte der amtierende Leiter der Polizeiinspektion, Bernhard Roloff. Jeder könne in die Rolle eines Opfers geraten, so der Polizeioberrat, und wäre dann froh, wenn es Mitmenschen gibt, die sich nicht raushalten. „Solche Eigenschaften bräuchten wir viel mehr“, wünschte sich Roloff.

Das wünscht sich auch Marcus Schneider. Mehr noch: „Das würden wir hier gern unseren Kindern vermitteln“, sagt der Hausmeister der Evangelischen Schule. Auch Kinder könnten sich schließlich gegenseitig helfen. Da gehört für ihn schon dazu, sich zu kümmern, wenn ein Mitschüler weint. Die Ehrung durch die Polizei sei natürlich eine „schöne Geste“ und auch etwas „Außergewöhnliches“. Für Schneider bleibt Zivilcourage aber eine Selbstverständlichkeit.

In Notsituationen angemessen reagieren

Im Evangelischen Schulzentrum ist man ebenfalls stolz auf den Hausmeister. „Wir freuen uns, dass er so reagiert hat“, sagte Schulleiter Jörg-Uwe Braun. Für ihn ist Zivilcourage auch keine Kleinigkeit. Er sagt: „Menschen, die Zivilcourage zeigen, sind Vorbilder.“ Insbesondere Vorbilder für Kinder. Daher, so der Schulleiter, versuchen die Erwachsenen in der Schule, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Zur Zivilcourage gehört aus Sicht von Jörg-Uwe Braun aber auch unbedingt ein „geschicktes Abwägen“ dazu. Es gehe darum, sich sinnvoll zu verhalten und zu schauen, wie man wirklich helfen kann. Wenn viele Menschen sich prügeln, sei es nicht unbedingt sinnvoll, dazwischen zu gehen. Zivilcourage heißt für den Schulleiter, nicht wegzugucken – und zumindest Hilfe zu holen.

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