Angriff auf syrische Familie
Polizei steht vor Abschluss der Ermittlungen

Der Übergriff ereignete sich im Erdgeschoss dieses Hauses in der Demminer Rosestraße.  
Der Übergriff ereignete sich im Erdgeschoss dieses Hauses in der Demminer Rosestraße.
Denny Kleindienst

Die Ermittlungen zum Übergriff auf eine syrische Familie in Demmin stehen kurz vor dem Abschluss. Der Tatverdächtige ist ein vorbestrafter Mann aus Demmin. Ob Anklage gegen ihn erhoben wird, ist derzeit noch nicht klar.

„Allerletzte Feinheiten“ gilt es noch zu klären, sagt Nicole Buchfink. Die Sprecherin des Neubrandenburger Polizeipräsidiums erklärt aber, dass die Ermittlungen zu dem Übergriff auf eine syrische Familie in Demmin kurz vor dem Abschluss stehen.

Der Übergriff ereignete sich Anfang September. Die syrische Familie wohnte zu der Zeit in einer Erdgeschosswohnung in der Rosestraße. In der ersten Polizeimeldung zu dem Angriff hieß es, dass zwei Männer in der Nacht zunächst gegen Haustür und Fenster geschlagen, fremdenfeindliche Parolen gerufen, dann ein Fenster geöffnet und nach dem 14-jährigen Jungen, der darunterlag, gegriffen und schließlich noch gegen die Haustür uriniert haben. Es war die letzte Nacht der Familie in der Wohnung. Sie zog am Tag darauf aus.

Nachbarn berichten von merkwürdigen Vorgängen

Der Vorfall sorgte für großes Aufsehen. Da waren die Menschen, darunter der Demminer Pastor Martin Wiesenberg oder die Landtagsabgeordnete Jeannine Rösler (Die Linke), die sich bestürzt zeigten. Auf dem Luisenplatz in Demmin gab es wenige Tage danach eine Kundgebung, die von Mitgliedern des Aktionsbündnisses 8. Mai organisiert wurde. Sie war eine Reaktion auf den Übergriff und etwa 70 Leute aus Demmin, der nahen und der weiteren Umgebung nahmen daran teil. Sie wollten in Demmin ein Zeichen setzen gegen Fremdenhass.

Da waren aber auch die Nachbarn in der Rosestraße, die sich später an den Nordkurier wendeten. Sie fragten sich, wieso der Zoll im Haus der Familie war und berichteten von üblen Gerüchen, die aus dem Haus kamen. Es stellte sich heraus, dass der Vater der syrischen Familie dort Tabak für Wasserpfeifen hergestellt hat. Aber weder Polizei noch Zoll stuften das als illegales Gewerbe ein.

Verdächtiger hat sich bislang nicht geäußert

Mitte Oktober, gut einen Monat nach dem Vorfall, erklärte die Polizei dann, dass ein Tatverdächtiger ermittelt wurde. Der 38-jährige Mann aus der Region hat sich zunächst nicht zu den Tatvorwürfen geäußert. Und er hat es bis jetzt nicht getan, sagt Nicole Buchfink. Die Sprecherin will daher auch nicht bestätigen, dass es ein fremdenfeindliches Motiv für den Übergriff gab. Die fremdenfeindlichen Rufe hätten sich in den Ermittlungen nicht bestätigt, „der Rest schon“, so Buchfink. Wobei inzwischen auch nicht mehr von zwei Männern die Rede ist. Über den 38-jährigen Tatverdächtigen sagt die Polizeisprecherin noch, dass er ein Demminer ist. Er ist zudem mehrfach polizeilich aufgefallen und vorbestraft wegen Körperverletzungsdelikten.

Die Polizei wird ihre Ermittlungen demnächst an die Neubrandenburger Staatsanwaltschaft übergeben. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann, ob gegen den Tatverdächtigen Anklage erhoben wird.