Ein junger Mann raucht Marihuana.
Ein junger Mann raucht Marihuana. Marco Ugarte/AP/dpa
Dr. med. Arno de Pay klärt immer wieder die Menschen zu Gesundheitsfragen auf.
Dr. med. Arno de Pay klärt immer wieder die Menschen zu Gesundheitsfragen auf. Kai Horstmann
Demminer Gespräche

Pro und Contra – Sollte Cannabis-Rauchen legalisiert werden?

Auf der Podiumsdiskussion „Demminer Gespräche“ geht es am Donnerstag um die Legalisierung von Cannabis. Die Gesundheitsrisiken sind enorm, warnt ein Mediziner.
Demmin

Einen Joint rauchen und dazu Bob Marley hören, kiffen und Reggae, ein Bild, das sich über Jahrzehnte eingeprägt hat. Sinnbild einer ganzen Generation, die unter dem Begriff 68er-Bewegung in die Geschichte eingegangen ist. Woodstock war nicht nur eines der größten Rockkonzerte, sondern rückte Cannabis und andere Drogen noch mehr in die öffentliche Wahrnehmung.

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Wie die Wissenschaft herausfand, verändert ein Cannabiskonsum die Grundstimmung des Konsumenten. Im positiven Sinne hebe sich die Stimmung, es treten Entspannung, Ausgeglichenheit und Heiterkeit ein. Die Gesprächsbereitschaft steige, akustische und visuelle Sinneswahrnehmungen sowie sexuelles Erleben würden sich verstärken. Doch das Rauchen von Cannabis bringt auch viele gesundheitliche Risiken mit sich.

Panikattacken, Selbstmord und Schizophrenie

Dass nicht jedermann das Rauchen von Cannabis verträgt, fand Professor Richie Poulton von der Universität Otago in Neuseeland heraus. Laut seiner Theorie seien Träger einer bestimmten Gen-Variante dem Risiko ausgesetzt, später an Schizophrenie zu erkranken, wenn sie in ihrer Jugend Cannabis rauchen.

Zudem gebe es Untersuchungsergebnisse, dass Kiffen anstatt die Stimmung zu heben, diese auch senken kann. „Panikattacken und sogar ein erhöhtes Selbstmordrisiko können die Folge sein. Eine weitere Wirkung des Cannabis-Inhaltstoffes THC sind Appetit-, Teilnahmslosigkeit und Konzentrationsstörungen“, schildert Arno de Pay, der unter anderem als Notarzt arbeitet.

THC-haltige Medikamente

Ebenso gibt es hier wieder die Gegenseite. Mediziner belegen zugleich die lindernde Wirkung bei spastischen Krämpfen sowie bei der Behandlung von MS (Multipler Sklerose), was zur Zulassung von THC-haltigen Medikamenten führte. Cannabis gilt als hilfreich, um Übelkeit von Krebspatienten unter der Strahlen- und Chemotherapie zu lindern.

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Weiter soll THC Asthmaattacken dämpfen, beim Grünem Star helfen. Zudem scheint Cannabis Arterienverkalkung zu bremsen, Darmentzündungen zu lindern, weil THC entzündungshemmend ist.

Legalisierung von Cannabis umstritten

Ein weiteres Problem ist das Lungenkrebsrisiko. Von Zigaretten ist bekannt, dass über 4800 verschiedene Substanzen beim Rauchen inhaliert werden. Ein kanadisches Forschungsteam fand heraus, dass Cannabisrauch bis zu 20-mal mehr Ammoniak sowie fünfmal mehr Blausäure als der Rauch von Tabak enthält. Dagegen wurden im Rauch von Tabak höhere Mengen an krebserregenden Substanzen gefunden.

„Nun soll in Deutschland die regulierte Abgabe von Cannabis für den Genussmittelkonsum an Erwachsene ermöglicht werden. Doch wie werden Jugend-, Gesundheits- und Nichtraucherschutz gewährleistet und welche Regeln sollen künftig für Verkauf, privaten Anbau, den Straßenverkehr gelten?“, fragt Dr. Arno de Pay und bietet somit eine Diskussionsgrundlage für die Fragen der Teilnehmer an die Experten.

Podiumsdiskussion am Donnerstag in Demmin

„Über all die Dinge möchten wir am Donnerstag ab 19 Uhr im Sitzungssaal der Volksbank in Demmin diskutieren, vor allem über das, was uns nach der Freigabe von Cannabis erwartet“, erläutert Dr. Arno de Pay, der die Veranstaltungsreihe maßgeblich mitorganisiert.

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Auf dem Podium diskutieren Prof. Dr. Wolfgang Mühlig von der Universität Chemnitz mit Bärbel Lörcher, Landesdrogenbeauftragte Niedersachsen, und Rainer Siedelberg, Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen in MV (LAKOST). Die Moderation übernimmt wieder Dörthe Graner vom NDR.

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