Im Zuge des mutmaßlich rechtsextremen Zeltlagers in Annenhof zeigt sich Widerstand in der Dorfgemeinschaft. „Gegen
Im Zuge des mutmaßlich rechtsextremen Zeltlagers in Annenhof zeigt sich Widerstand in der Dorfgemeinschaft. „Gegen völkische Ideologien! Annenhof ist kein Nazidorf!“, steht auf einem Plakat am Dorfeingang. Karsten Riemer
Neonazis?

Rätselhaftes Jugendcamp bei Demmin wirft Fragen auf

Ein Jugendcamp in Annenhof hat am Wochenende für Aufsehen gesorgt – mutmaßliche Rechtsextreme versammelten sich auf einem Privatgelände.
Annenhof

Uniformiert wirkende Jugendliche, dunkle Zelte, eine Flagge mit dem Wotansknoten auf schwarzem Grund – Bilder eines Feriencamps, welche dem beschaulichen Dorf Annenhof nordwestlich von Demmin am vergangenen Wochenende ungewollte, überregionale Aufmerksamkeit verschafft haben - diverse Medien berichteten über das Camp und seinen mutmaßlich rechtsextremen Hintergrund. Die entscheidenden Fragen bleiben jedoch offen – obwohl der Zusammenhang mit der rechten Szene deutlich war. Aber welche Organisation sich hier konkret versammelt hat, ist unklar.

Klarheit über den Veranstalter

Fest steht allerdings, wer hinter der Veranstaltung steht: Bernhard Schaub. Ein Schweizer, der seit etwa acht Jahren in Annenhof lebt. Verurteilt wegen Volksverhetzung und als bekennender Holocaustleugner gilt Schaub in der rechtsextremen Szene als international vernetzt. Eine von ihm mitgegründete Gruppierung, die Europäische Aktion, welche vornehmlich durch rassistische, antisemitische und nationalsozialistische Positionen aufgefallen ist und als paramilitärisch eingestuft wurde, hat zwar im September 2017 offiziell ihre Auflösung bekannt gegeben, trat jedoch auch danach immer wieder in Erscheinung. Die Internetseite ist zudem weiterhin abrufbar. Das Copyright datiert auf 2022.

Ob diese rechtsextremen Einstellungen und Ideen im Feriencamp eine primäre Bedeutung haben, lässt sich jedoch nicht verifizieren. Denn nach außen werden derlei Veranstaltungen – in Annenhof ist es nicht das erste Zeltlager dieser Art – zumeist von den Verantwortlichen abgeschirmt. Eine Gesprächsanfrage des Nordkurier am Dienstagmorgen vor Ort wies Schaub rüde zurück. Die Begründung: Medien seien für ihn keine Gesprächspartner.

Polizei sieht keine Hinweise auf Straftat

Auch die Polizei konnte sich lediglich von außen ein Bild der Veranstaltung machen. Bereits am Freitag nahmen die Einsatzkräfte das Lager unter die Lupe. „Es bestand der begründete Verdacht eines rechtsextremen beziehungsweise rechtsradikalen Hintergrunds“, so ein Polizeisprecher. Bestätigen ließ sich das jedoch nicht. Weder habe es Hinweise auf eine Straftat noch auf eine Gefährdung der Jugendlichen gegeben. Die rechtliche Grundlage, das Gelände gegen den Willen des Eigentümers zu betreten, fehlte demnach.

Anders hätte sich die Situation dargestellt, wenn eindeutige Kennzeichen verfassungswidriger Positionen im Rahmen des Camps nach außen hin sichtbar gewesen wären. Dazu zählen neben Symbolen beispielsweise auch Losungen und Grußformeln. Die Beflaggung mit dem Wotansknoten oder Valknut fällt allerdings nicht in diesen Bereich. Genutzt wird er in der rechten Szene aber durchaus. „Zwar haben die Symboliken einen deutlichen Bezug, sind aber nicht strafbar“, führte der Polizeisprecher aus.

Altnordischer Totenkult?

Tatsächlich stammt der Valknut – drei ineinander verschlungene in sich geschlossene Dreiecke – aus der nordischen Mythologie. Die Bedeutung des Symbols lässt sich jedoch kaum rekonstruieren. Vermutet wird im Allgemeinen ein Zusammenhang zu Kampf und Tod sowie dem altnordischen Totenkult. In der Gegenwart findet er hingegen breite Verwendung – vom individuellen Schutzsymbol bis zum Logo des Deutschen Fußballbundes (DFB).

Obwohl alle Indizien für einen rechten bis rechtsextremen Hintergrund des Zeltlagers sprechen, steht die Veranstaltung um Bernhard Schaub somit rechtlich auf sicheren Füßen. Eine Wiederholung in Annenhof ist demnach nicht ausgeschlossen. Unwidersprochen bleibt das in der Dorfgemeinschaft allerdings nicht. Schon am ersten Grundstück hinter dem Ortseingangsschild deutet zumindest ein kleines Plakat am Zaun darauf hin: „Gegen völkische Ideologien! Annenhof ist kein Nazidorf!“

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