ÄRGER FÜR TRAUERNDE

Rehe fressen Gräber auf dem Friedhof kahl

Eigentlich sind Rehe scheu. An einigen Stelle in Demmin sind sie es offenbar nicht. Insbesondere ein Friedhof ist für sei ein vermeintlich gedeckter Tisch.
Danilo Vitense Danilo Vitense
Wolfram Besch hat schon öfter abgefressene Blumen entdeckt.
Wolfram Besch hat schon öfter abgefressene Blumen entdeckt.
Abgefressene Pflanzen auf den Grabstellen, verursacht durch Rehe, sind nicht nur für Marianne Fritz und Wolfram Besch ein wiederkehrendes Ärgernis.
Abgefressene Pflanzen auf den Grabstellen, verursacht durch Rehe, sind nicht nur für Marianne Fritz und Wolfram Besch ein wiederkehrendes Ärgernis.
Demmin.

Der elf Hektar große Friedhof an der Jarmener Straße scheint ein Schlaraffenland für Rehe zu sein. Zumindest ist es der Eindruck vieler, die dort ein Grab pflegen. Nicht das erste Mal hält Wolfram Besch einen Blumenstrauß mit fehlenden Köpfen in der Hand. Erst kürzlich sei es wieder passiert. „Vor wenigen Tagen war ich am Grab meiner Frau und habe Schnittblumen hingestellt“, berichtet er. Keine 24 Stunden später waren alle Tulpen abgefressen. „An der Stelle nebenan war es genau dasselbe Bild“, erzählt Besch. Dort mussten Stiefmütterchen dran glauben.

Auch Marianne Fritz stoßen die nächtlichen Fress-Ausflüge der Rehe inzwischen bitter auf. Chrysanthemen, Petunien, Tulpen und Stiefmütterchen sind auf dem Gelände schon lange nicht mehr sicher. „Das ist Friedhofsgespräch Nummer eins“, sagt die Demminerin. Seit viereinhalb Jahren kümmert sie sich hier um ein Grab. Die ersten zwei Jahre gab es überhaupt keine Probleme. Aber seit 2017 sind mittlerweile regelmäßig Pflanzen abgefressen. Drei- bis viermal im Jahr muss sie nun nachpflanzen. „Was soll ich anderes machen, als immer wieder neu zu pflanzen und mich anschließend über die Zerstörung zu ärgern“, fragt sie.

Treibjagd und Zaun reichen nicht

Eine Möglichkeit gäbe es für Marianne Fritz. Auf einem Grab wurde zum Beispiel ein Netz über die Pflanzen gespannt – in der Hoffnung, dass die gefräßigen Rehe nicht an die sensiblen Pflänzchen kommen.

Und was tut die Friedhofsverwaltung dagegen? Für Wolfram Besch, Marianne Fritz und viele andere Betroffene, wie behauptet wird, augenscheinlich nicht genug. Alle Abwehrmaßnahmen sind bisher wirkungslos geblieben, so die Meinung. Dabei war die Friedhofsverwaltung in der Vergangenheit nicht gerade untätig. So wurde der Zaun an den Tannen entlang komplett repariert und die Eingangstüren mit Federn versehen, so dass die Tiere nicht mehr durch die offen gelassene Pforte kommen. Auch ein mit Fell gefülltes Zwiebelnetz an der größten Schwachstelle, an der Mauer am Wasserturm, sollte Abhilfe schaffen. Ebenfalls wurde schon oft versucht, die Tiere mit einer Treibjagd einzufangen.

Laut Verwaltung sollen auf dem Friedhof ein Reh und ihr Kitz leben. Ein Bock, der es im Bereich des Wasserturms scheinbar über den Zaun schafft, kommt ab und an zu Besuch.

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