FINANZSPRITZE VOM LAND

Rollt der Bürgerbus bald elektrisch nach Demmin?

Auf dem Land leben und trotzdem mobil sein? Der Törpiner Bürgerbus macht’s möglich. Doch jetzt wird ein neues Fahrzeug gebraucht.
Der weiße Transporter des Törpiner Forums soll in den kommenden Monaten durch einen nagelneuen Elektro-Bürgerb
Der weiße Transporter des Törpiner Forums soll in den kommenden Monaten durch einen nagelneuen Elektro-Bürgerbus ersetzt werden. Die Fördermittel für die Anschaffung wurden bereits bewilligt. Denny Kleindienst
Prof. Dr. Dr. Helmut Pratzel vom Törpiner Forum.
Prof. Dr. Dr. Helmut Pratzel vom Törpiner Forum. Denny Kleindienst
Demmin.

Wer als älterer Mensch kein Auto besitzt oder selbst nicht mehr fahren kann, hat meist schlechte Karten auf dem Dorf, wenn er zum Arzt muss oder den Wocheneinkauf erledigen möchte. Selbst für so manche Schüler ist es äußerst umständlich, von ihrem Wohnort jeden Morgen mit dem regulären Schulbus nach Demmin zu fahren. Genau dafür gibt es den Bürgerbus des gemeinnützigen Vereins „Törpiner Forum“, der dort einsetzt, wo der öffentliche Personennahverkehr an seine Grenzen stößt.

Ehrenamtlich beschäftigte Kraftfahrer bringen seit 2011 Senioren und Kinder mehrmals pro Woche von A nach B. „Die Nachfrage ist auf jeden Fall da. Noch in diesem Frühjahr soll der bisherige weiße Transporter durch einen neuen elektrisch betriebenen Bus ersetzt werden“, freut sich der Vereinsvorsitzende, Prof. Dr. Dr. Helmut Pratzel.

Als Unterstützer konnte der Professor gemeinsam mit Projektleiter Hans Schommer, die Firma „Naturwind GmbH“ gewinnen, die die erforderlichen Fördermittel beim Land beantragte und schließlich eine Zusage erhielt. In der vergangenen Woche gab es nun die lang ersehnte Finanzspritze in Höhe von knapp 13 000 Euro vom Energieministerium in Schwerin. „Die Naturwind GmbH wird uns nicht nur den Bus, sondern auch eine Ladestation zur Verfügung stellen. Mit dieser Umrüstung können jährlich 8,5 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden“, sagt Helmut Pratzel, nicht ohne im Hinterkopf schon eine neue Idee zu haben.

Öffentliche „Zapfsäule“ im Gespräch

Ihm schwebt vor, in Törpin an der alten Schule noch eine weitere E-Säule zu installieren, die künftig von allen Einwohnern genutzt werden könnte. Deshalb wurde im vergangenen Jahr bereits damit begonnen, den dortigen Parkplatz zu pflastern. „Die Edis hat auch schon ein zweites Kabel verlegt, sodass eine zusätzliche öffentliche Station durchaus möglich wäre“, so der Professor. Finanziert wird das Vorhaben mit Geldern aus dem Vorpommern-Fonds und dem Strategiefonds der Landesregierung.

Doch bis es so weit ist und ein neuer Bürgerbus durchs Demminer Land rollen kann, müssen erst einige rechtliche Grundlagen mit dem Landkreis geklärt werden, wie Hans Schommer gegenüber dem Nordkurier betonte. „Das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr sowie das kreisliche Ordnungsamt haben uns darauf hingewiesen, dass wir die mit den Eltern vertraglich vereinbarte Schülerbeförderung so auf Dauer nicht weiterführen dürfen, sondern dafür laut Personenbeförderungsgesetz (PBefG) eine extra Genehmigung beantragen müssen“, erklärt der Projektleiter.

Denn die Höhe des bezahlten Fahrgeldes dürfe nach Paragraph I, Absatz 2, Satz 1 des PBefG die anfallenden Betriebskosten der Fahrt nicht übersteigen. „Das lässt sich jedoch finanziell durch den Verein überhaupt nicht stemmen,“ argumentiert Hans Schommer. Der Landkreis habe den Projektverantwortlichen daher dazu geraten, ein Gewerbe anzumelden, was wiederum mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand verbunden wäre.

„Woran der Kreis bis vor Kurzem nicht gedacht hat, ist die sogenannte Freistellungsverordnung im Personenbeförderungsgesetz, die wir uns zunutze machen wollen“, betont Hans Schommer. Darin heißt es, dass Kraftfahrzeuge von den Vorschriften freigestellt werden, wenn die Schülerbeförderung im Auftrag des Trägers erfolgt und von den Fahrgästen kein Entgelt zu entrichten ist. „Wir streben deshalb an, einen Vertrag mit dem Landkreis abzuschließen, der als Träger fungiert. Damit wäre die Kuh endgültig vom Eis“, ist der Projektleiter überzeugt.

Keine Konkurrenz zu Taxi und MVVG-Bussen

Auf der anderen Seite sollen Menschen mit Beeinträchtigungen und Senioren, die sonst keine Möglichkeit haben, ihr Dorf zu verlassen, fortan kostenlos in die Hansestadt und wieder zurück gefahren werden. „Die anfallenden Betriebs- und Unterhaltskosten können durch die Einnahmen aus der Schülerbeförderung sowie durch Spenden und die Beiträge der Vereinsmitglieder weitestgehend gedeckt werden“, betont Schommer und weist nochmals ausdrücklich daraufhin, dass der Bürgerbus lediglich eine Ergänzung zum bestehenden Nahverkehrsangebot darstellt. Man wolle weder mit kommerziellen Taxi-Anbietern noch mit der Mecklenburg-Vorpommerschen Verkehrsgesellschaft (MVVG) konkurrieren.

Der Verein hofft nun möglichst schnell grünes Licht vom Landkreis zu bekommen, damit die Verträge ausgehandelt und aufgesetzt werden können. Der mit Elektroantrieb ausgestattete Bürgerbus ist schon bestellt und wird voraussichtlich im April geliefert, wie Helmut Pratzel verriet.

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Kommentare (1)

Wie wäre es mit einer Postkutsche