APFELSAFT

Schlechte Apfelernte sorgt für kurze Mostsaison

Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet dieses Jahr eine schlechte Apfelernte. Das bekommt auch der Verein Landkombinat Gatschow zu spüren.
Lea Biermann Lea Biermann
Stefan Raabe bei seiner letzten Apfelmost-Session diese Saison.
Stefan Raabe bei seiner letzten Apfelmost-Session diese Saison. Lea Biermann
Das bleibt übrig.
Das bleibt übrig. Lea Biermann
Gatschow.

An einem kalten Novembermorgen bringt Stefan Raabe vom Verein Landkombinat das letzte Mal die Apfelmost-Maschinerie in Gang. Dreizehn Kisten gefüllt mit frisch gewaschenen Äpfeln stehen neben dem Schredder, der das Obst gleich von seiner natürlichen Form zu pressbarem Matsch zerkleinert. Normalerweise würden sie bei so einer kleinen Lieferung Äpfel nicht mosten, sagt Stefan Raabe. Aber weitere Zulieferer seien kurzfristig abgesprungen. Große Mengen waren dieses Jahr wohl ohnehin nicht zu erwarten.

Kinder erleben Produktion von Most

Im Gegensatz zum Vorjahr wurden nur 10 bis 20 Prozent der Menge an Äpfeln in der Hofmosterei abgegeben. Für 80 Cent den Liter kann man hier seine Früchte waschen, schreddern, pressen und passieren lassen. Den frischen, eigenen Apfelsaft bekommen die Kunden abgepackt in durchsichtigen Beuteln. Auch Gruppen dürfen hier Obst mosten. Seit fünf Jahren besuchen Grundschulkassen der Pestalozzi-Schule Demmin deshalb das Landkombinat.

Die Schulsozialarbeiterin Kerstin Kavelmann erzählt von der Begeisterung der Kinder. „Die Schüler haben oft keine genaue Vorstellung, wie der Herstellungsprozess abläuft“. Vom gepflückten Apfel bis zum fertigen Saft können die Gäste hier jeden Schritt selbst mitmachen. Das schaffe man gut an einem Tag, sagt Stefan Raabe. Gibt es im Herbst viele Äpfel, steht er den ganzen Oktober an der Presse. In einer guten Saison.

Viel weniger Äpfel als im Vorjahr

Dass diese Saison nicht gut lief, kann viele Gründe haben. Vielleicht war es im Frühjahr zu lange kalt, mutmaßt der Landkombinatler. Vielleicht war das Zeitfenster, in dem die Bienen die Apfelblüten bestäuben, einfach zu kurz. Damit liegt er gar nicht falsch. Schon im August prognostizierte Agrarstaatssekretär Dr. Jürgen Buchwald eine schlechte Apfelernte für Mecklenburg-Vorpommern. Im Vorjahr verzeichnete die Apfelernte 47 362 Tonnen. Dieses Jahr erwarten die Bauern maximal 15 000 Tonnen Äpfel. Und das bei einer seit Jahren gleichbleibenden Anbaufläche von 1700 Hektar. Die Ursache: Ein zu milder Winter sorgte für eine verfrühte Blüte und ein Kälteeinbruch im April führte zu Frostschäden.

Ein Mangel an Äpfeln oder Saft ist dennoch nicht zu befürchten. Die Apfelernte in anderen Teilen Deutschlands blieb weitgehend normal. Dennoch appelliert der Agrarstaatssekretär, „den regionalen Apfelanbau zu unterstützen.“. Ein Drittel der Apfel-Anbaufläche wird laut Buchwald ökologisch bewirtschaftet und eine umweltschonende Herstellung vom Land gefördert.

Kostenlos Obst und Gemüse

Auch in der Bildungspolitik spielen Äpfel eine Rolle.In dem seit August laufenden Schuljahr nehmen 119 Grund- und Förderschulen an einem EU-Programm teil, das den Schülern einmal pro Woche eine Portion Trinkmilch und eine Portion Obst oder Gemüse kostenlos zur Verfügung stellt. 608 000 Euro stellt die EU und 130 000 Euro das Land dem Programm zu Verfügung. Die Pestalozzi-Schule Demmin wählt hier den direkten Weg. Laut der Schulsozialarbeiterin und Stefan Raabe ist es für die Kinder eine gute Erfahrung den ungesüßten Saft herzustellen. Das lässt vermuten, dass das Programm „Pestalozzi-Landkombinat“ bestehen bleibt. Auch eine reiche Apfelernte trägt zum Erhalt beider Programme bei.

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