BAUSTART

Schluss im Schloss Broock mit Durchblick nach oben

Nach Monaten der Ruhe übernehmen wieder Handwerker das Zepter in der Broocker Schlossruine. Denn im Mittelrisalit beginnt der Einzug neuer Zwischendecken.
Stefan Hoeft Stefan Hoeft
Von wegen freier Blick zum Himmel: Die Jahrzehnte ohne Geschossdecken für Schloss Broock stehen kurz vor ihrem Ende, zumi
Von wegen freier Blick zum Himmel: Die Jahrzehnte ohne Geschossdecken für Schloss Broock stehen kurz vor ihrem Ende, zumindest schon mal im Mittelrisalit. Stefan Hoeft
Damit oben die Betonbauer loslegen können, mussten unten im Keller die alten Gewölbe mit unzähligen Stützb
Damit oben die Betonbauer loslegen können, mussten unten im Keller die alten Gewölbe mit unzähligen Stützbalken stabilisiert werden. Stefan Hoeft
Zerfressen und vom Schwamm befallen müssen sämtliche alte Holzteile im Mauerwerk entfernt werden.
Zerfressen und vom Schwamm befallen müssen sämtliche alte Holzteile im Mauerwerk entfernt werden. Stefan Hoeft
Broock.

Dass dieser Tage das hintere Notdach über dem Mittelteil von Schloss Broock wieder verschwunden ist und das Gleiche auch auf der Vorderseite ansteht, stellt trotz des vor der Tür stehenden Winters alles andere als eine Hiobsbotschaft dar. Denn die Entfernung dieser erst im Januar installierten Leichtbaukonstruktionen aus Gitterträgern und Planen kündigt den nächsten Schritt bei der Notsicherung der Ruine an und lässt die Hoffnungen auf eine Rettung des einst herrschaftlichen Gemäuers weiterwachsen: Mit der Demontage wird Baufreiheit geschaffen, sodass der vorm Eingangsportal aufgestellte große Kran wieder Lasten ins Innere hieven kann. Und da soll er schon in den nächsten Wochen ordentlich zu tun bekommen.

Die Besitzer des historischen Guts-Ensembles, das Architektenpaar Stefan und Monika Klinkenberg aus Berlin, lassen ab sofort nämlich die erste Etappe der im Herbst 2018 begonnenen Notsicherung vollenden. Die beinhaltet den mit bauorganisatorischen Belangen begründeten bisher fehlenden Einzug von neuen Geschossdecken im Mittelrisalit, das angesichts jeglicher fehlender Stütz- und Querbalken als besonders einsturzgefährdet gilt. Etage für Etage soll dieser Bereich der Ruine nun neue Stabilität erhalten, verbunden mit einer geordneten Entwässerung.

Zuerst muss der Schwamm restlos besiegt werden

„Erst mal muss das Mauerwerk dort aber abgeflammt und gegen Schwamm behandelt werden“, erläutert Klinkenbergs Projektleiter Christian Schmidt die seit vergangener Woche laufenden Vorarbeiten. Zu denen gehört die Entfernung sämtlicher noch existierender Holzteile aus dem Mauerwerk – von Türzargen und dicken Balkenresten bis hin zu den alten Fensterstürzen und kleinsten Keilen. „Das muss alles restlos rausoperiert werden wegen des Schwammbefalls.“ Anschließend werden die daraus resultierenden Lücken ausgemauert und dabei gleichzeitig Auflagetaschen für die neuen Decken geschaffen.

Danach kommen auf die Kellerdecke die Stützkonstruktionen und Schalungen samt Bewehrungen, um mit dem Betonieren beginnen zu können. „Anfang/Mitte Dezember wird die erste Decke fertig sein“, kündigt Schmidt an. „Und wenn die Temperaturen es zulassen, werden wir versuchen, auch den Winter durchzuarbeiten.“ Sprich, die beschriebenen Arbeitsschritte wiederholen sich oberhalb der frisch gegossenen Plattform, diesmal indes mit anderen sowie unterschiedlichen Höhen und somit erheblich mehr Rüstaufwand.

Während die Wände im Parterre 3,80 Meter nach oben reichen, werden es im Stockwerk darüber in der sogenannten Vorhalle schon 4,70 Meter und im Saal dahinter sogar 7 Meter Deckenhöhe sein, weiß der Projektleiter. „Das waren ja früher die Präsentationsräume.“ Eine Etage höher folge knapp unterhalb der Mauerzinnen dann noch eine weitere Betondecke, sozusagen als Deckel für die Schlossmitte. Alle drei neuen Ebenen sollen bis Mitte April fertig sein.

Die beinhaltet zudem, dass bereits parallel dazu die gleichen Arbeiten in den Seitenflügeln starten. Deren lange Geschossdecken – im Parterre auf 3,80 Meter Höhe, darüber auf 3,40 Meter – stellen die zweite Etappe der Notsicherung dar. Wobei der Abschluss der zweiten Etage bereits dem neuen Konzept fürs Dachgeschoss Rechnung trägt, das anders als früher künftig voll genutzt werden soll. „Das wird noch mal knifflig, weil wir diese Decke über dem ersten Obergeschoss so gießen müssen, dass wir da die Dachkonstruktion raufstellen können“, berichtet Schmidt. Für all dies ist nochmals rund eine Million Euro veranschlagt – inklusive des Verschließens von zwei eingebrochenen Kellergewölben im Südflügel.

Förderanträge für nächste Bauphase schon abgeschickt

Über den Daumen gepeilt gehen Klinkenbergs dank der offiziellen Einstufung Broocks als „National wertvolles Kulturdenkmal“ wieder von einer Drittelfinanzierung ihrer Rettungsmaßnahmen aus. Und nachdem im Sommer entsprechend weitere 360 000 Euro aus dem Kulturdenkmal-Fonds der Bundesrepublik für Teil zwei zugesagt wurden, ging nun auch der Bewilligungsbescheid des Landes Mecklenburg-Vorpommern über die gleiche Summe ein. „Erst jetzt dürfen wir diese Maßnahmen ausschreiben – europaweit“, berichtet ihr Projektleiter. Er hofft, dass die Umsetzung im Februar beginnen und so alles bis zum Herbst fertigstellt werden kann.

Schließlich nehmen die Eigentümer momentan auf dem Papier bereits die dritte Stufe der Notsicherung in Angriff, um sie möglichst nahtlos folgen lassen zu können: Vergangene Woche seien die Förderanträge für die Decken über dem zweiten Obergeschoss der Seitenflügel und die Errichtung des neuen Dachstuhls in die Post gegangen. Wobei der auch Teile der noch brauchbaren vorhandenen Holzkonstruktion beinhalten soll, so die Vereinbarung mit dem Denkmalschutz. „Von der nötigen Baugenehmigung her ist das eigentlich kein Problem mehr, damit sind wir durch“, erklärt Projektleiter Schmidt. „Das hängt im Prinzip nur noch vom Geld ab.“

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