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Schmerzhafte Nächte auf unbequemer Couch

Gerade wer unter ständigem Rückenschmerz leidet, braucht eigentlich ein vernünftiges Bett.
Gerade wer unter ständigem Rückenschmerz leidet, braucht eigentlich ein vernünftiges Bett.
Friso Gentsch

Der 50-jährige Peter S. leidet an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung, die auch seine Wirbelsäule geschädigt hat. In seiner Ein-Zimmer-Wohnung ist jedoch kein Platz für ein normales Bett.

Im Wohnzimmer von Peter S. ist es eng. Der Raum ist für ihn zugleich Küche und auch Schlafzimmer. Der 50-Jährige wohnt in einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung. „Für mich reicht das völlig aus“, sagt er. Und immerhin habe er einen schönen Balkon, auf dem er in der warmen Jahreszeit gern sitze.

Seit acht Jahren wohnt Peter S. dort. Bis zu seinem Umzug lebte er bei seiner Mutter. Sie hat für ihn gesorgt und alles geregelt. Und es fiel ihr nicht leicht, den Sohn gehen zu lassen. „Als ich 19 war, ist mein Vater gestorben, er hatte Magenkrebs“, erzählt Peter S. So wollte die Mutter mit ganzer Hingabe für den Sohn da sein. „Sie hat ihn überhütet“, meint der Betreuer von Peter S. Natürlich habe sie es gut gemeint, denn ihr Sohn ist krank. Er leidet an Morbus Bechterew, einer schmerzhaften, chronisch verlaufenden entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Seine Wirbelsäule ist bereits verformt.

Peter S. verbrachte lange Zeit im Krankenhaus

So blieb die Verbindung zwischen Mutter und Sohn auch nach dem Auszug von Peter S. weiter sehr eng. Als die Mutter krank wurde, versorgte und pflegte Peter S. sie. Vor zweieinhalb Jahren starb sie. Für den Sohn brach eine Welt zusammen. Er musste sein Leben neu ordnen. Für ihn bedeutete das eine enorme psychische Belastung. Er fiel in eine tiefe Depression, musste lange stationär behandelt werden. Nur wenig später diagnostizierten die Ärzte bei ihm Blasenkrebs. Wieder folgten Klinikaufenthalte.

Inzwischen hat der 50-Jährige einen Alltags-Rhythmus gefunden. Er lebt von Arbeitslosengeld II und besucht die Tagesstätte für Behinderte. Sein Antrag auf eine Erwerbsunfähigkeitsrente wurde abgelehnt. „Aber die Tagesstätte ist eigentlich keine Alternative für ihn“, sagt sein Betreuer. Denn dort würden vor allem geistig behinderte Menschen betreut. Den Nutzen der Tagesstätte für Peter S. sieht er vor allem darin, dass er dort unter Menschen kommt. Für Peter S. sei es schwierig, allein zu leben. Er braucht Leben um sich, ist aber sehr zurückhaltend und kann nur schwer Kontakte knüpfen.

Hilfe des Betreuers wichtig nach Tod der Mutter

Eine Vermittlung auf dem ersten Arbeitsmarkt sei schwer, so die Erfahrung seines Betreuers, denn die körperliche Leistungsfähigkeit von Peter S. ist stark eingeschränkt. Der 50-Jährige ist Maler von Beruf. Viele Jahre arbeitete er auch im Wachschutz. Als er dort entlassen wurde, absolvierte er eine Umschulung. Einen neuen Job fand er auch danach nicht.

Mit dem Tod der Mutter brach für Peter S. nicht nur ein wichtiger Halt, sondern auch eine Lebenshilfe weg. Von der Mutter habe er sich zwar manchen Trick fürs Kochen abgeschaut. Aber er hat es nie gelernt, richtig mit Geld umzugehen. So ist er jetzt froh, dass sein Betreuer ihm als Hilfe vertrauensvoll zur Seite steht.

Und auch wenn der ihm jetzt das Geld einteilt, bleibt vom Arbeitslosengeld II am Monatsende nichts, um etwas zu sparen. Längst hätte er sich sonst ein Bett gekauft. Zurzeit schläft Peter S. auf der Couch, die mitten im Wohnzimmer steht. Darauf kann man zwar bequem sitzen, aber zum Schlafen ist sie für Peter S. völlig ungeeignet. Jede Nacht liegt er mit Schmerzen wach. Für ein zweites Bett fehlt der Platz in der Wohnung. Ein Wandklappbett, das wäre das Richtige, sind sich Peter S. und sein Betreuer einig. Und Peter S. hat schon Ideen, wie er das Zimmer umräumen könnte, damit es dann trotzdem gemütlich ist. Die Anschaffung würde jedoch sein Budget deutlich überschreiten.

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