CORONA-PANDEMIE

Schnelltestregel führt zu Kundenflaute in Demmin

Viele Geschäfte dürfen nur noch mit negativen Tests betreten werden. Einige Demminer Unternehmer würden angesichts ausbleibender Kunden da einen Lockdown vorziehen.
Zum Einkaufen sind jetzt vielerorts negative Schnelltests nötig.
Zum Einkaufen sind jetzt vielerorts negative Schnelltests nötig. Martina Schwenk
Bei solchen Schildern an der Ladentür warten viele Kunden offenbar lieber ab.
Bei solchen Schildern an der Ladentür warten viele Kunden offenbar lieber ab. Matthias Bein
Demmin ·

Die erweiterte Testpflicht im Land ist angelaufen. Wer jetzt shoppen will, kommt um einen Corona-Abstrich nicht mehr herum – zumindest theoretisch. Denn die Liste der Ausnahmen ist lang.

Lebensmittelverkauf, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörgeräteakustiker, Tankstellen, Zeitungsverkauf, Tierbedarfsmärkte, Futtermittelmärkte, Blumenläden, Großhandel, Gartenbaucenter sowie Buchhandlungen können laut Landesregierung auch ohne Stäbchen in der Nase ihrem Tagwerk nachgehen.

Für die übrigen Händler und körpernahen Dienstleister wie Friseure sind die verpflichtenden Corona-Tests jedoch ein Bärendienst. Zwar sollen sie Öffnung und Umsatz der ohnehin gebeutelten Unternehmer gewährleisten, die Realität sieht allerdings anders auch. Denn die Kunden bleiben vielerorts fern. Auch in Demmin hält sich der Andrang in den Geschäften arg in Grenzen.

75 Prozent der Termine abgesagt

„Im Herrensalon sind bestimmt 75 Prozent der Termine abgesagt“, berichtet Susanne Wegner, Inhaberin der Friseursalons Chic und Carmen. Nicht viel besser sieht es bei den Damen aus und auch im Bereich Kosmetik gebe es nur Absagen. Viele Kunden warten, nachdem sie schon so lange gewartet haben, bis vielleicht keine Tests mehr nötig sind. Susanne Wegner versteht das: Die Testtermine mit den Friseurterminen zu koordinieren, sei schwierig. Beim Schnelltestzentrum scheiterten gerade ältere Kunden an der Online-Anmeldung, andernorts werde nur nachmittags getestet.

Zwar können sich Kunden vor dem Friseursalon unter Aufsicht selbst auf das Coronavirus überprüfen. „Aber das macht keiner“, so Susanne Wegner. Die Selbsttests sind auch ein Kostenfaktor, weiß sie. Den Betrieb unter diesen Bedingungen aufrechtzuerhalten, lohne sich eher weniger. „Wir müssen aufhaben und von morgens bis abends besetzt sein, die Kollegen werden bezahlt“, sagt sie. Die Kunden aber bleiben fern. „Die Woche zu überbrücken ist hart, härter als der Lockdown“, so die Friseurin.

Den würde auch die Modeverkäuferin Hannelore Holtz vorziehen. „Es ist verrückt“, findet Hannelore Holtz. „In den großen Märkten kann man mit Maske laufen und hier braucht man einen Test. Wir kleinen Leute baden das aus und die Menschen sind frustriert“, weiß sie. Immerhin eine Kundin hat sich angemeldet, Ende der Woche nach einem Schnelltest vorbeizukommen. Ansonsten traut sich hier ebenfalls niemand mehr durch die Ladentür.

Undurchsichtige Regeln schrecken ab

Auch im Kosmetikstudio von Huong Nguyen haben die Kunden am Dienstag und Mittwoch alle Termine abgesagt, trotzdem hat die Kosmetikerin Hoffnung. „Es ist besser zu öffnen, zu arbeiten und Geld zu verdienen“, findet sie. „Zuhause zu sein ist auch schwierig.“ Um zu erfahren, wie das mit den Selbsttests vor Ort denn nun genau funktionieren soll, hat sie beim Ordnungsamt angefragt.

Tatsächlich sind die Regeln der Landesregierung bezüglich der Tests zum Teil undurchsichtig und erfordern einen erheblich Mehraufwand bei Unternehmer und Kunde. So gilt laut Landesverordnung, dass ein tagesaktueller Test vorgewiesen werden muss. Heißt konkret, das Ergebnis darf nicht älter als 24 Stunden sein, um den Zugang zu Einrichtungen mit Testpflicht zu ermöglichen. Zudem ist der Test umfassend zu dokumentieren sowie das entsprechende Zertifikat vier Wochen aufzubewahren.

Jedoch ist hier Test nicht gleich Test. Denn nur Abstrichzentren wie Apotheken oder der eigene Arbeitgeber dürfen Bescheinigungen ausstellen, die eine eintägige Gültigkeitsdauer besitzen. Selbsttests, die hingegen unter Aufsicht direkt im Geschäft durchgeführt werden, verlieren nach Verlassen desselben ihre Gültigkeit.

Testcenter bekommt wachsenden Bedarf zu spüren

Auch vollständig geimpfte Personen sind nach Angaben des Landes von den Tests nicht befreit, wie Susanne Wegner weiß. „Manche fragen, ob eine Impfung ausreicht“, erzählt sie. „Tut sie aber nicht.“ Die Absagen sind für sie und ihre Kollegen sehr frustrierend. „Ein normaler Salonablauf ist nicht möglich“, so die Friseurin.

Während vielerorts die Kunden ausbleiben, schlägt sich die neue Regelung am Demminer Schnelltestzentrum bereits nieder. „Wir sind jetzt bei 150 bis 200 Tests pro Tag, Tendenz steigend“, berichtet Martin Wetzel von der Pommern-Apotheke.

Um den wachsenden Bedarf auch in Zukunft decken zu können, hat das Team eine Stellenaufschreibung veröffentlicht, auf die sich bereits mehrere Bewerber gemeldet hätten. Mit dem neuen Personalstand könnten dann problemlos 2000 bis 3000 Tests pro Woche durchgeführt werden, schätzt Wetzel. Dass sich die steigende Nachfrage nach Corona-Tests bald auch an den einzelnen Ladentüren zeigt, bleibt für Friseure und Einzelhändler zu hoffen.

 

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Demmin

zur Homepage

Kommentare (6)

Alle freiheitseinschränkenden Maßnahmen müssen sofort aufgehoben werden.

Müssen sie nicht

Für mutmaßliche Hartz-IV Empfänger wie Sie hat das weggesperrt werden natürlich entscheidende Vorteile.
Vom Geld her ändert sich ja bei Ihnen nichts. Bier gibt's auch (noch).
Man muss nicht mehr die nervenden MA vom Jobcenter besuchen usw.
Wenn Sie so drauf stehen weggesperrt zu sein, dann bleiben Sie doch einfach zuhause und spielen das staatlich propagierte Faultier. Pfui
[Frage d. Red.: Wo propagiert der Staat Faultiere?]

ist schon nicht mehr als Frechheit zu bezeichnen, sondern zeigt einmal mehr, dass Sie an der guten Kinderstube ziemlich schnell vorbei getragen wurden... aber ich denke mal da können Sie ja nichts dafür... das passiert halt, wenn [Anm. d. Red.: Lassen Sie sich bitte durch Unterstellungen nicht zu Beleidigungen hinreißen. Vielen Dank.]

Da gibts ne Lösung, online kaufen!
Machen wir schon seit März letzten Jahres. Uns wird man in keinem Geschäft mehr sehen! Vollkommen Wurst, ob die zumachen müssen. Auch egal ob die Gastronomie und Hotellerie pleite geht, nutzen wir ohnehin nicht. Maske nur beim Lebensmittelkauf , ansonsten geht und Corona am Allerwertesten vorbei. Von mir aus noch ewig Lockdown , wird auch so kommen. Bei uns ohne Test und Impfung!!!!!!

Kunden ohne negativen Test werden hier nicht bedient!