Einwohnerstatistik

Schon wieder mehr Zuzüge als Wegzüge in Demmin

Erneut gab es in Demmin nach bisherigem Erkenntnisstand im vergangenen Jahr mehr Zu- als Wegzüge. Doch wer sind die Menschen, die die Hansestadt zu ihrer neuen Heimat wählen? Und zeichnet sich eine Kehrtwende auch bei Geburten- und Sterberate ab?
Eine Eintagsfliege war die neue Entwicklung bei den Zu- und Wegzügen offenbar nicht.
Eine Eintagsfliege war die neue Entwicklung bei den Zu- und Wegzügen offenbar nicht. Karsten Riemer
Demmin

Das hat der Demminer Hauptamtsleiter Kurt Kunze in seiner dreißigjährigen Amtszeit noch nicht erlebt: Das zweite Jahr in Folge hat die Zahl der Zuzüge nach Demmin 2020 die Zahl der Wegzüge nach jetzigem Stand übertroffen. Jahrelang war es umgekehrt gewesen. Nur einmal, zur Eingemeindung Wotenicks 2004, hatte sich das Einwohnerregister sprunghaft um mehrere Hundert Neubürger erweitert, erinnert sich Kunze. „Aber das hatte natürlich einen eindeutig zu identifizierenden Grund.“

Dagegen sieht der Hauptamtsleiter, wie auch Bürgermeister Michael Koch, in den Zahlen der vergangenen drei Jahre Anzeichen für eine stetige Verlangsamung des Bevölkerungsrückgangs in der Hansestadt. Von einer Umkehrung des Schwunds kann dabei gewiss keine Rede sein: Lebten im Januar 2020 noch 10 580 Menschen in Demmin, waren es Ende September 10 543. Aus Kunzes Sicht sind die kürzlich übermittelten Daten des Statistischen Amtes Mecklenburg-Vorpommern trotzdem ein gutes Zeichen. Denn der „kleine Lichtblick“ bei den sogenannten „Wanderungen“, der sich 2019 bereits andeutete, scheint sich fortzusetzen: Laut Statistik stehen für den Zeitraum Januar bis Ende September 2020 294 Fortzügen 354 Zuzüge gegenüber.

Hinter dieser Zahl verbergen sich nach Einschätzung des Hauptamtsleiters dabei nicht unbedingt überwiegend ältere Menschen. „Es ist schwer zu sagen, was überwiegt, weil wir darüber keine Statistik führen und die Zahlen insgesamt relativ klein sind“, gibt Kunze zu bedenken, „aber altersmäßig ist von allem etwas dabei.“ So zögen einerseits Menschen im Erwerbstätigenalter nach Demmin – „vermutlich, weil sie hier Arbeit gefunden haben“, meint Kunze, der eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse als möglichen Grund für die Trendwende sieht. Andererseits gebe es aber natürlich auch Ältere, die in Demmin ihren Alterswohnsitz fänden, räumt er ein. Die deutliche Mehrheit sei das aber keineswegs, eher sei das Verhältnis sogar ausgewogen.

Im Vorjahr – damals verzeichnete die Stadt 429 Fortzüge und 449 Zuzüge – klang das noch anders: Damals hieß es, dass es hauptsächlich ältere Menschen seien, die aus den umliegenden Dörfern nach Demmin zogen, um dort in Senioreneinrichtungen zu leben. Das möchte jedoch auch Rowena Delies, Mitarbeiterin im Einwohnermeldeamt, heute nicht mehr unterschreiben. „Es ist nicht, wie wir eine Zeit lang vermutet haben, der Trend, dass nur alte Menschen zuziehen“, stellt sie klar.

Heimatverbundenheit lässt viele zurückkehren

Natürlich zögen häufig Ältere aus den Dörfern in Heime und betreute Wohnanlagen. Das habe sich vor allem bei der Einrichtung in der Beethovenstraße und der neu eröffneten Anlage in der Saarstraße auch in den Zahlen niedergeschlagen. Dass bei den Zuzügen jedoch insgesamt eine Altersgruppe überwiegt, hat auch Rowena Delies nach eigenen Angaben nicht beobachtet. Neben den alten gebe es auch viele junge Menschen, die nach der Ausbildung anderswo in ihre Heimatstadt zurückkehrten. „Das hält sich die Waage“, sagt Rowena Delies. Hauptgrund für einen Rückzug nach Demmin sei Heimatverbundenheit. „Von den Jüngeren hört man oft so etwas wie: Hier habe ich meine Wurzeln und meine Freunde“, erzählt die Mitarbeiterin im Einwohnermeldeamt.

Ob und wie sich die Trendwende bei den Zu- und Wegzügen tatsächlich langfristig auf das Durchschnittsalter der Bevölkerung auswirkt, wird sich laut Kurt Kunze erst im Laufe der Jahre verlässlich zeigen. Doch der Hauptamtsleiter sieht Grund zur Hoffnung, dass die positive Entwicklung anhält und die Stadt langfristig verjüngt.

Einen erheblichen Einfluss auf das Durchschnittsalter haben neben der sogenannten „Wanderung“ selbstverständlich auch Sterbe- und Geburtenrate. Hier jedoch hat eine Kehrtwende bislang nicht eingesetzt: Zwischen Januar und September 2020 meldet das Statistische Landesamt für Demmin 56 Geborene und 137 Verstorbene und damit 81 mehr Todesfälle als Geburten. Den jüngsten Daten von Dezember 2019 zufolge bildeten Menschen ab 75 mit 1836 Angehörigen nach Angaben des Statistischen Landesamts die mit Abstand größte Altersgruppe in Demmin, wobei die anderen Gruppen allerdings in 5-Jahres-Stufen erfasst wurden.

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Kommentare (5)

ist eindeutig in einer Stadt, die 2021 so wenige Einwohner hat wie im Dreikaiserjahr.

Die traurige Wahrheit ist: nicht nur Demmin, sondern ganz Restpommern ist eine Verliererregion. Wir sollten erwachsen genug sein, ihr ins Auge zu blicken.

Es ist eine schwierige Zeit. Die Innenstadt ist nicht sehr attraktiv. Demmin und Umkreis sind zum Arbeiten leider viel zu tief im Lohnsektor. Einzig was zu beobachten ist, dass die Region zu Wohnen genutzt wird. Gependelt wird in die nächst größere Stadt. Das kann durchaus auch eine Chance sein. Der Wohnungsmarkt liegt am Boden. Billig bis Bruchbude. Wer kann möchte Eigentum.. wohl die Möglichkeit Einwohner mit Einkommen zubekommen. Vom Gegenteil bzw. Verrentung gibts leider genug. Demmin erstickt manchmal an seinen Durchgangsverkehr, wird als störend empfunden. Man darf nur nicht vergessen davon lebt die kleine Stadt auch. Es bedarf mehr Kurzparkplätze.. einladene Möglichkeiten die Innenstadt möglichst einfach zubetreten.. natürlich mit PKW nah und einfach. Die Illusion der Fussläufige ansässige Demminer könnte Umsatz generieren ist lächerlich. Das Geld fährt in Durchgangsverkehr. Es muss nur abgeschöpft werden. Demmin ist zur Zeit eine billige Wohngegen mit Wunderschnöner Natur. Es bestehen durchaus Chancen für Besserung. Jedoch nur mit politischen Willen. Starkes auftreten und Werbung fürs Eigentum. Einer guten Anbindung vor allem ein Top Straßennetz und frischen Wind.

Es ist eine schwierige Zeit. Die Innenstadt ist nicht sehr attraktiv. Demmin und Umkreis sind zum Arbeiten leider viel zu tief im Lohnsektor. Einzig was zu beobachten ist, dass die Region zu Wohnen genutzt wird. Gependelt wird in die nächst größere Stadt. Das kann durchaus auch eine Chance sein. Der Wohnungsmarkt liegt am Boden. Billig bis Bruchbude. Wer kann möchte Eigentum.. wohl die Möglichkeit Einwohner mit Einkommen zubekommen. Vom Gegenteil bzw. Verrentung gibts leider genug. Demmin erstickt manchmal an seinen Durchgangsverkehr, wird als störend empfunden. Man darf nur nicht vergessen davon lebt die kleine Stadt auch. Es bedarf mehr Kurzparkplätze.. einladene Möglichkeiten die Innenstadt möglichst einfach zubetreten.. natürlich mit PKW nah und einfach. Die Illusion der Fussläufige ansässige Demminer könnte Umsatz generieren ist lächerlich. Das Geld fährt in Durchgangsverkehr. Es muss nur abgeschöpft werden. Demmin ist zur Zeit eine billige Wohngegen mit Wunderschnöner Natur. Es bestehen durchaus Chancen für Besserung. Jedoch nur mit politischen Willen. Starkes auftreten und Werbung fürs Eigentum. Einer guten Anbindung vor allem ein Top Straßennetz und frischen Wind.

Ich wohne mit meinem Mann derzeit im südlichsten Süden Deutschlands und wir erleben in den letzten 20 Jahren, wie immer noch mehr Menschen hierher in die Voralpenregion ziehen. Nun wird es wirklich unerträglich. Warum sollen wir uns auf engstem Raum so zusammenquetschen, wenn das restliche Deutschland dafür immer leerer wird? Also wir haben uns nun in Demmin ein Grundstück gekauft, dieses werden wir in den nächsten Jahren schön machen und dann dorthin ziehen. Uns gefällt die Region schon seit langem, weil wir auch gern bei Mistwetter dick eingepackt am Wasser entlangspazieren. Uns gefallen die Schiffahrten mit Brunch. Uns gefallen die Kiefernwälder, die man hier den bayerischen Bergen nämlich gar nicht hat. Uns gefallen Naturschutzgebiete, worauf man sich doch noch ein bißchen mehr verlassen kann, daß es diese auch in vielen Jahren noch geben wird .? Demmin und Umgebung in der " 2.Reihe" an der Ostsee hat nur noch keiner entdeckt. Aber ich denke, das wird sich in den nächsten Jahren definitiv ändern. Ich bin überrascht, als ich heute die tatsächlich in diese Richtung deutenden Zuzugszahlen der letzten 2 Jahre sah. Die Hamburger und Berliner beginnen auch, sich immer weiter auf´s Land umzusiedeln.
Wir hoffen, dass alle Nahversorger wie Bäcker, Lebensmittel-/Geschäfte, Restaurants, Post und Tankstellen noch bißchen durchhalten. Denn wir kommen !!! Viele !!! Sicher, es wäre auch noch eine große, saubere Firma in der Nähe nicht schlecht, für mehr Arbeitsplätze (Platz ist ja da), oder ein Bürozentrum für Firmen, bei denen es sowieso egal ist, wo sich die Firmenzentrale befindet. In den bekannten Städten und Ballungszentren wird einfach alles zu teuer und jede Firma ist nun so nach und nach gezwungen, auf etwas günstigeres auszuweichen.