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Schwarz-gelber Traum der Demminer zerplatzt

Bayern-Fan Aldo Hellmich war überglücklich über den Sieg seines Vereins.  FOTOs (2): Kirsten Gehrke

Von Kirsten GehrkeEin Herzschlagfinale erlebten Hunderte Demminer vor fünf Großbildschirmen. Doch der Jubel wollte sich nur bei wenigen ...

Von Kirsten Gehrke

Ein Herzschlagfinale erlebten Hunderte Demminer vor fünf Großbildschirmen. Doch der Jubel wollte sich nur bei wenigen einstellen.

Demmin.André (38) war die Ruhe selbst. „Das wird schon noch, na klar“, meinte der eingefleischte Bayern-Fan in der Halbzeitpause. Das 0:0 machte ihn nicht nervös. „Sie mussten sich erst reinfinden, ich bin ganz entspannt.“ Erst kurz vor Anpfiff hatte der Berliner, der bei einem Kumpel zum Peenefest in Demmin war, seine Jacke ausgezogen und stolz sein Bayern-Trikot präsentiert. Da war er fast der einzige. Nur ein paar der rot-weißen Anhänger brachten zum Finale der Champions League ihre Schals mit.
Ansonsten blieben die Demminer kleidungsmäßig neutral. Von Schwarz-Gelb sah man nichts, fast nichts. Virgenie hatte sich zumindest passend gekleidet, ganz in Schwarz mit gelben Tüchern an Haar und Hals. Die 16-Jährige bekannte, dass ihr Herz für Dortmund schlägt. Vor dem Spiel war sie sich noch sicher, dass ihre Borussen den Pott gewinnen. Doch es sollte anders kommen.
Marco (30) setzte sich dagegen ganz entspannt vor den Schirm. „Ich bin völlig neutral“, meinte der Krankenpfleger aus Demmin. Dass sich die Hansestädter nicht für das Fußball-Ereignis des Jahres ordentlich in Schale geworfen haben, findet er nicht so schlimm. „Das macht man doch nur, wenn man ins Stadion geht.“ Aldo Hellmich (24) jedoch war es wichtig, dass er seinen Bayern-Schal mitgebracht hat. Schließlich ist er schon seit seinem 6. Lebensjahr ein Fan der Münchner. Als Mitglied des Vereins hat der Erzieher sogar einen Schal mit seinem Namen.
Äußerlich zu sehen war es nicht, wer zu welchem Lager gehörte. Aber zu hören war es schnell. Die Dortmund-Anhänger waren deutlich in der Überzahl. Ein Raunen ging durch die Reihen, als Manuel Neuer die ersten gefährlichen Torgelegenheiten der Dortmunder vereitelte, das Publikum klatschte bei jedem gelungenen Spielzug der Borussen, verkniff sich kein hämisches „Ooooooooh“, wenn sich Ribéry auf dem Rasen wälzte. Ein Bayern-Fan-Paar flüchtete genervt aus dem Zelt, zu erdrückend war für sie offenbar die Dortmund-Macht.
André und seine Freunde störte das nicht. Sie jubelten in der 60. Min. ungeniert beim 1:0 der Bayern, ertrugen es acht Minuten später, als Gündojan mit einem Elfmeter für Dortmund ausglich. Die Spannung stieg. Das Publikum sang „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“, die Emotionen kochten. Alle hatten sich schon auf eine Verlängerung eingestellt. Doch dann der Schock, als Robben in der 89. Minute das entscheidende Tor für Bayern schoss. Nach dem Abpfiff leerte sich das Zelt. Nur ein Häuflein wollte noch sehen, wie der Pokal überreicht wurde. Während sich René Roß (30) über den Finalsieg seiner Münchner tierisch freute, waren Bruder Ricardo (32) und Heiko Wegner (33) mies gelaunt. Kumpel bleiben sie trotzdem.

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k.gehrke@nordkurier.de