DRK Demmin
Neuer Rettungswagen für Übergewichtige

Das ist der neue und vom Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bezahlte Rettungswagen für das DRK Demmin, der so einige Lasten aushalten kann.  
Das ist der neue und vom Landkreis Mecklenburgische Seenplatte bezahlte Rettungswagen für das DRK Demmin, der so einige Lasten aushalten kann.
Denny Kleindienst

Fünf Jahre gab es in Demmin einen Rettungswagen, der für Schwergewichte umgebaut werden musste. Jetzt gibt es ein Spezialfahrzeug fürs DRK.

„Schon jetzt gibt es zwei bis drei Schwerlasttransporte pro Woche“, sagt Ralf Stoeck. Er ist der Rettungsdienstleiter beim DRK Kreisverband Demmin. Aus dem Grund, erklärt er, haben Spezialfahrzeuge für Schwerlastpatienten auch ihre Daseinsberechtigung. Ein solches Fahrzeug wurde dem Deutschen Roten Kreuz in Demmin am Donnerstag übergeben. Auch der stellvertretende Landrat Thomas Müller betont: Der Einsatz „ist immer häufiger nötig.“

Laut Thomas Müller gibt es Rettungswagen für übergewichtige Menschen außerdem noch beim DRK-Rettungsdienst in Malchin und bei der Feuerwehr in Neubrandenburg. In Demmin steht ein solcher Rettungswagen bereits seit 2013 zur Verfügung. Dabei handelte es sich um einen regulären Krankenwagen, der in 10 bis 15 Minuten umgebaut werden kann, sodass nicht nur Patienten auf einer gewöhnlichen Krankenliege, sondern bei Bedarf sogar adipöse Patienten auf einer großen Schwerlastliege mitgenommen werden können.

Liege kann 600 Kilogramm tragen

Nach fünf Jahren im Einsatz wurde nun das Basisfahrzeug ausgetauscht und der Ärztekoffer generalüberholt. Die Kosten in Höhe von circa 113.000 Euro trägt der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Zur Medizintechnik, die der neue Wagen zu bieten hat, gehört ein Hub-Tisch, der höhenverstellbar ist. Er kann eine Last von 250 Kilogramm tragen und ist entnehmbar. Anstelle des Tisches kann der Rettungsdienst auch eine Schwerlast-Trage in den Wagen schieben, die bis zu 600 Kilogramm tragen kann. Nicht zuletzt passt auch ein ganzes Patientenbett oder ein sperriger elektrischer Rollstuhl in den Rettungswagen.

Seildienst soll Mitarbeitern helfen

Da aber die Rettungsdienst-Mitarbeiter bei solchen Lasten irgendwann an ihre Grenze kommen, ist im Innenraum eine Seilwinde angebracht. Mit dem Seil können Schwerlastliege und Co. die Rampe hochgezogen werden. Zu den weiteren technischen Raffinessen des neuen Wagens zählen neueste Sicherheitstechnologie für Patient und Einsatzpersonal, LED-Lampen für die positive Energiebilanz und LED-Umfeld-Beleuchtung zur Ausleuchtung von Einsatzstellen.

Bleibt die Frage, welcher Patient tatsächlich auf eine Liege angewiesen ist, die 600 Kilogramm tragen kann. Reicht ein Hub-Tisch mit 250-Kilogramm-Traglast nicht aus? Rettungsdienstleiter Ralf Stoeck erklärt, dass nicht allein vom Körpergewicht abhängt, ob der Patient ein Schwerlastpatient ist. „Ein kleiner Mann, der 150 Kilogramm wiegt, kann auch adipös sein.“ Heißt: Er passt dann nicht auf die Standardliege.

Kritik am Gesetzgeber kommt vom Vize-Landrat

Gerade weil solche Fälle zunehmen, ärgert es Vizelandrat Thomas Müller, dass derlei Spezialfahrzeuge im Rettungsdienstgesetz gar nicht auftauchen. Die Notwendigkeit, solche Autos vorzuhalten, ist nicht festgelegt. Aus Sicht von Müller heißt das: Der Gesetzgeber verschließt die Augen vor einem Bedarf, den es gibt.

Doch weil es ihn gibt, hat der Landkreis den Wagen finanziert. Und davon wiederum profitieren auch die Nachbarn, denn der Rettungswagen aus Demmin ist auch in den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Vorpommern-Rügen unterwegs.