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Schwerin gibt sich spendabel

VonThoralf PlathDer Bootstourismus am Kummerower See bekommt einen kräftigen Nachschlag aus dem Fördermitteltopf. Das Wirtschaftsministerium ist bereit, den ...

VonThoralf Plath

Der Bootstourismus am Kummerower See bekommt einen kräftigen Nachschlag aus dem Fördermitteltopf. Das Wirtschaftsministerium ist bereit, den Bau einer Mole für den sturmzerlegten Hafen in Gravelotte mit einem 90-prozentigen Zuschuss zu unterstützen.

Meesiger.Es gab Räucheraal und Wildschweinfilet, schön mit Salat auf feine Schnittchen drapiert, da wollte Hubert Niedhoff sich nicht lumpen lassen. Minister kommen in Meesiger nicht alle Tage zu Besuch, und für die richtige Botschaft hätte der Bürgermeister der Seegemeinde seinem Gast vermutlich noch den roten Läufer ausgerollt. Am Ende ging es auch ohne Teppich: Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) ist bereit, noch einmal richtig viel Geld in die Heilung des maroden Sportboothafens Gravelotte zu versenken. Das war die wichtigste Nachricht dieses Vormittags. Und mehr, als hier jemand erwartet hatte. „Ich bin zufrieden“, strahlte Niedhoff, als der Minister vom Hof war.
Man kann ihn verstehen. Es gibt den Höchstsatz. 90 Prozent auf die Baukosten, so viel kriegt im deutschen Nordosten nur noch selten jemand spendiert, noch nicht einmal im sonst gern privilegierten Tourismus. Die fetten Jahre sind vorbei, und Meesiger ist nicht der Nabel von Mecklenburg-Vorpommern. Gerade das hat Minister Glawe offenbar bewogen, das Hafenprojekt am Kummerower See derart robust zu fördern: „Die Region hier hat noch viel touristisches Potenzial. Immer mehr Urlaubern ist es in den Zentren wie der Müritz und der Ostsee zu voll, und der See liegt genau dazwischen. Das Geld ist also auch im Sinne der Vernetzung gut angelegt. Denn hier fehlt es an Infrastruktur, die Gemeinden sind nicht in der Lage, so etwas allein zu stemmen. Darum bekommt Meesiger jetzt ein angepasstes Finanzierungsmodell.“
Soll heißen, Schwerin ist bereit, auch die Planungskosten zu bezuschussen. Das wiederum entlastet den Eigenanteil, für den Meesiger zusätzlich auf ein Hilfspaket aus dem Fonds zur Unterstützung finanzschwacher Kommunen hoffen kann – Kofinanzierungshilfe nennt sich das. „Mehr geht dann wirklich nicht“, sagt Glawe. Zwar ist das alles noch nicht verbindlich. Aber die ministerielle Zusage nimmt der Bürgermeister als Brücke, der man trauen könne: „Die Finanzierung ist damit wohl gesichert.“ Der Ausbau des 1995 erbauten, durch viele Stürme arg gerupften Wasserwanderrastplatzes mit einer großen Mole zum Schutz vor Wellenschlag inklusive Erweiterung der Bootsliegeplätze von jetzt 52 auf 84 – ein Schnäppchen wird das nicht. Rund 1,2 Millionen Euro kalkuliert die Vorplanung.
Glawe knüpft seine Zusage an Bedingungen. „Die Genehmigungsplanung muss jetzt so schnell wie möglich über die Bühne, so dass wir die Mittel noch 2013 ausreichen können. Im nächsten Jahr wird das noch schwieriger.“ Ziel ist es, noch in diesem Jahr mit dem Molenbau anzufangen. Ginge es nach Hubert Niedhoffs Wünschen, fingen die Bauarbeiter schon morgen an: „Der Hafen ist in dem jetzigen Zustand kaum noch nutzbar. Und wir gehen daran finanziell kaputt.“
Dass Schwerin jetzt einen Nachschlag gewährt, hat Meesiger eigentlich Jürgen Seidel zu verdanken. Der CDU-Landtagsabgeordnete hatte schon in seiner Zeit als Wirtschaftsminister für Investitionen am Kummerower See getrommelt: „Der See ist eine echte Perle. Bootstourismus ist ein großes Thema hier, auch durch den Ostseeanschluss über die Peene. Und viele Urlauber kommen und staunen über diese Landschaft, aber wir müssen sie ihnen auch erschließen. Zelt und Rucksack, das war einmal. Es gibt schon einiges an Angeboten, aber die Häfen sind da ein typisches Beispiel: lauter punktuelle Einzelprojekte. Es fehlt das große Ding, und das kommt nun hoffentlich mit Gravelotte in Fahrt.“

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