Insgesamt über siebzig Schwimmanfänger haben in diesem Jahr den Sprung ins kalte Wasser gewagt.
Insgesamt über siebzig Schwimmanfänger haben in diesem Jahr den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Christine Gerhard
Die perfekten Schwimmzug will gelernt sein.
Die perfekten Schwimmzug will gelernt sein. Christine Gerhard
Wasserwacht

Schwimmlehrer verhelfen Kindern zu Seepferdchen, Bobby oder Frosch

Auch der zweite Ferienschwimmkurs in Demmin ist zustande gekommen. Von Baderegeln, Schwimmzügen, bürokratischen Hürden und der Schwierigkeit, Rettungsschwimmer zu finden.
Demmin

Mit konzentrierten Gesichtern schwimmen die Kinder dem Stab hinterher, den Schwimmmeister Rüdiger Felski für alle Fälle vor sie hält. Immer ein Stück weiter weg, manche schaffen schon die ganze kurze Bahn. Einige Eltern sehen vom Beckenrand aus stolz zu. Es ist der zweite und letzte Schwimmkurs der Wasserwacht im Demminer Naturerlebnisbad Biberburg für dieses Jahr. 33 Kinder sind nach Angaben von Felski angemeldet, im ersten Kurs waren es 41 gewesen. Nicht alle von ihnen kommen aus Demmin. Manche Eltern fahren ihre Söhne und Töchter aus den umliegenden Dörfern, aus Teterow oder Jarmen zum Schwimmenlernen in die Hansestadt. Das Angebot an Schwimmkursen in der Region könnte engmaschiger sein, findet Felski. Dass die Nachfrage nach Schwimmkursen sinkt, beobachtet er jedenfalls nicht. Die Anmeldezahl sei für Demmin „ganz gut“, ein Rückgang zeichne sich nicht ab. Trotzdem würde er gerne noch mehr Kindern das Schwimmen beibringen. Entsprechende Kapazitäten gebe es. „Wir hätten auch bei 50 Anmeldungen keinen abgewiesen“, sagt Felski. Insgesamt fünf Schwimmlehrer, zwei Schwimmmeister und drei Rettungsschwimmer, unterrichten die Mädchen und Jungen parallel. Damit sie intensiver üben können, aber auch damit in dem unbeheizten Bad keine langen Wartezeiten für die Kinder entstehen. „Sie frieren so schnell und müssen sich bewegen“, sagt Felski.

Kinder hören besser auf fremde Schwimmlehrer

Bevor es aber ins Becken geht, werden Trockenübungen gemacht und die Baderegeln wiederholt. Das ist dem Schwimmmeister wichtig. Regeln wie „nicht ins unbekannte Gewässer springen“ würden am Ende bei der Prüfung abgefragt. Und auch auf die korrekten Schwimmzüge, auf die Stellung der Füße achtet Felski. Dass Eltern ihren Kindern das Schwimmen selbst beibringen, hält er für schwierig. „Viele können zwar schwimmen, haben es aber falsch gelernt und bringen es dann auch ihren Kindern falsch bei“, weiß er. „Oft sind die Eltern ganz erstaunt, was wir den Kindern zeigen.“ Zudem hörten die Kinder auf die fremden Schwimmlehrer oft besser als auf die eigenen Eltern. „Und es macht einfach mehr Spaß in einer Gruppe zu lernen, da spornt jeder den anderen an“, findet Felski. Doch der professionelle Schwimmunterricht erfordert auch gewisse finanzielle Mittel, wenngleich viele Eltern aufgrund der Informationen der Schulen davon ausgegangen waren, dass der Kurs aufgrund einer Landesförderung kostenlos sei. In Demmin aber gilt das, wie in vielen anderen Städten, nicht, bedauert der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Ralf Stoeck. Der immense bürokratische Aufwand, der in den Förderrichtlinien festgeschrieben ist, sei schlicht nicht zu leisten. Der Antrag müsse einen weiten Weg von den Schulen, über die Kreisverbände zum Landesverband bis zum Sozialministerium und wieder zurück gehen. Zudem würden die entsprechenden Elternbriefe dafür zu spät ausgegeben. „Der Gedanke ist zwar grundsätzlich gut“, meint Stoeck, „aber es gibt bessere Wege.“ 70 Euro kostet der zweiwöchige Kurs deshalb weiterhin.

Urkunde oder Abzeichen

Am Ende erhalten die kleinen Wasserratten je nach Leistungsstand eine Urkunde beziehungsweise ein Abzeichen. Für die meisten ist das das Seepferdchen, aber nicht alle erfüllen sofort die dafür notwendigen Anforderungen. „Für Schwimmanfänger ist 25 Meter schwimmen oft noch ein bisschen viel“, so Felski. Wer das noch nicht schafft, bekommt den „Bobby“ und für diejenigen, die den Schwimmgürtel noch ein wenig tragen sollten, gibt es den Frosch. „Sie üben dann oft noch ein bisschen und machen die Seepferdchenprüfung später einfach noch mal“, erklärt der Schwimmmeister. Auch zu den regulären Öffnungszeiten nehmen er und seine Kollegen nämlich auf Anfrage noch Prüfungen ab. Aus einem Schwimmmeister und zwei Rettungsschwimmern besteht die Truppe in dieser Saison. „In den Jahren davor waren wir immer vier, dieses Jahr sind wir froh, dass wir drei zusammengekriegt haben“, so Felski. An langen Wochenenden bedeutet das Arbeitszeiten von halb zehn bis 20.30 Uhr. Ehrenamtliche Rettungsschwimmer, die früher gelegentlich kostenlos Dienste geschoben hatten, seien überhaupt nicht mehr zu akquirieren.

Vielen Schulen fehlen ausgebildete Lehrer

Generell wurden laut Felski in den vergangenen Corona-Jahren, als die entsprechenden Lehrgänge ausgesetzt waren, weniger Schwimmmeister auf den Markt geschwemmt. „Aber jetzt kann man sich wieder anmelden, zum Beispiel bei der Wasserwacht in Stavenhagen, die jährlich Kurse anbietet“, so Rüdiger Felski. Auch vielen Schulen fehlen offensichtlich entsprechend ausgebildete Lehrer. Ein paar Lehrer nutzten zwar die Möglichkeit, in der Biberburg mit den Klassen schwimmen zu trainieren, aber auch hier könnten es mehr sein, findet Felski. Oft fehlten in der Lehrerschaft die erforderlichen Rettungsschwimmer, die sich regelmäßig nachprüfen lassen müssten.

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