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Selbst Helene Fischer war schon da

Das Peenefest brachte schon manche Stars auf die Bühne. Im Jahr 2007 steigerte „Geier Sturzflug“ bei der Freitagabend-Party das Bruttosozialprodukt.  FOTO: Georg Wagner

Von unserem RedaktionsmitgliedThoralf PlathMan soll seine Feste feiern, wie sie fallen, die Demminer tun das traditionell am Wochenende nach Pfingsten. Dann ...

Von unserem Redaktionsmitglied
Thoralf Plath

Man soll seine Feste feiern, wie sie fallen, die Demminer tun das traditionell am Wochenende nach Pfingsten. Dann steht die Hansestadt im Zeichen des Peenefestes, seit 22 Jahren mittlerweile. Längst ist die Party ein Magnet in der Region und ein Beispiel dafür, was Gemeinschaft bewegen kann.

Demmin.An diesen einen Abend erinnert Ronny Szabo sich noch heute. Das Jahr hat er vergessen, nur dass es ein furchtbar heißer Frühsommer war, das weiß er noch. „Und dann zog der Feuerwerker plötzlich zurück, drei Stunden vor seinem Auftritt. Ihm war das zu riskant wegen der Brandgefahr, zu heiß, konnte man im Wortsinn sagen. Aber ein Peenefest ohne Höhenfeuerwerk, das ging doch nicht.“ Also wirbelten sie los, alle Mann, fast die komplette Demminer Feuerwehr rückte aus, vorsorglich. „Die standen Schlauch bei Fuß bereit, falls etwas passieren würde. Nee, was ein Stress.“
Doch das Feuerwerk zündete pünktlich. Nichts passierte. Szabo fiel eine Last von den Schultern, „und nicht nur mir“, sagt er. „Das Peenefest ist ein riesiges Gemeinschaftswerk. Auf die Leute, die das seit Jahren stemmen, können die Demminer eigentlich richtig stolz sein. Die vielen Vereine von den Anglern bis zu den Schiffsmodellbauern, die Feuerwehr, das THW. Das nenne ich mal Ehrenamt. Die Gäste hatten ihren Spaß, und das war und ist auch gut so. Aber Außenstehende können sich kaum vorstellen, was für eine Arbeit so ein Fest hinter den Kulissen bedeutet.“
Ronny Szabo könnte wohl stundenlang erzählen über das Peenefest und vermutlich Anekdote an Anekdote reihen. Als „Kultusminister“ des Rathauses war er viele Jahre lang für die Vorbereitung der Fete zuständig, war Regisseur und Organisator, Ansprechpartner für Künstler und Agenturen und wenn‘s drauf ankam, Mädchen für alles. Es kam oft drauf an.
Als Szabo anfing als fast noch jugendlicher Mitarbeiter in der Stadtverwaltung, 1995 war das, zog Demmins Stadtfest gerade vom Saarplatz an den frisch sanierten Hafen um – und wurde damit eigentlich erst zum Peenefest. „Damals hatten wir ein bisschen Rummel und ein Festzelt für 350 Leute, das war‘s“, erinnert Szabo sich. „Man muss mal sehen, was draus geworden ist. Bis zu
30000 Zuschauer, die Leute kommen von wer weiß wo. Und abends tausend Leute im Zelt, das war immer wieder toll. Gut, man kommt irgendwann in eine Größenordnung, da kann man das nicht immer weiter steigern. Geht ja gar nicht. Aber das Niveau der Veranstaltungen, das halten wir seit Jahren, das darf man wohl so feststellen.“
Inzwischen ist „Mister Peenefest“ als Kämmerer für die Stadtfinanzen zuständig, das größte Volksfest im Demminer Land mit seinen jeweils mehreren Dutzend Einzelveranstaltungen, Konzerten und Aktionen liegt seit 2012 in den Händen von Cindy Roß und Anne Eggert. Die Kulturfrauen der Stadt haben mit den langjährigen Peenfest-Partnern, unter anderem der Agentur Rudolf, auch für die diesjährige, 22. Auflage ein großes Querbeet-Programm zusammengestellt. Ronny Szabo wird die Party zum zweiten Mal als Gast genießen. „Ist noch ein bisschen ungewohnt, ich hab hier ja nun lange genug rumgewirbelt.“ Wenn er zurückdenkt und seinen größten Hit nennen soll, fällt ihm sofort das 16. Peenefest ein, 2007 – das Konzert von Helene Fischer. Nicht irgendein Double, nein, der blonde Superstar des deutschen Schlagers höchstselbst. „Die könnten wir uns heute im Traum nicht mehr leisten. Auch damals war es knapp, sie war schon auf dem steilen Weg nach ganz oben.“ Szabo muss immer noch grinsen. „Aber wir hatten sie unter Vertrag. Und so eine Frau, die hält sich an Verträge. Unser Peenefest hat dieses Konzert vergoldet. Sowas kriegt man nicht noch einmal.“

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