Dietlind Wäschle und Johannes Klee eröffnen am Sonntag ihre Hofbäckerei.
Dietlind Wäschle und Johannes Klee eröffnen am Sonntag ihre Hofbäckerei. ZVG
Neue Hofbäckerei

Sie wollen mit ehrlichem Brot das Dorfleben bereichern

Kaum ein Dorf in der Region verfügt noch über eine eigene Bäckerei. In Hohenbrünzow setzt ein junges Paar ein Zeichen gegen diesen Trend.
Hohenbrünzow

Wer in diesen Tagen auf den Hof der alten Gutsanlage und ehemaligen LPG in Hohenbrünzow tritt, dem weht mit den Geräuschen von allerlei arbeitenden Maschinen ein unerwarteter und doch vertrauter Duft entgegen: der verführerische Geruch von frischem Brot.

Während überall auf dem Land Bäckereien dichtmachen, geschieht hier, im 150-Seelen-Dorf zwischen Tollense und Kummerower See, das unerwartete Gegenteil: Eine junge Bäckermeisterin und ein junger Bäckermeister eröffnen mit der „Hofbäckerei Klee“ eine neue Backstube. Auch wenn beide erst Mitte zwanzig sind, Anfänger sind sie ganz und gar nicht. Und von einer eigenen Bäckerei haben sie schon während ihrer Ausbildung geträumt.

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Liebe zum traditionellen Handwerk

Dietlind Wäschle lernte in einem Traditionsbetrieb in Heidelberg, Johannes Klee in Limburg. Kennengelernt haben sich die beiden anschließend auf der Meisterschule, die sie als die Besten ihres Jahrgangs abschlossen. Vor einem knappen Jahr dann entschieden sie sich dafür, den Sprung in die Selbstständigkeit und nach Mecklenburg-Vorpommern zu wagen, wo ein Teil der Familie bereits seit vier Jahren lebt.

Was sie in den teils harten Jahren ihrer Ausbildung gelernt haben, steht nun auch hier im Mittelpunkt: Das echte Bäckerhandwerk, gutes, ehrliches Brot, traditionell mit Sauerteig gebacken und von Hand geformt. „Brot backen ist einfach geil“, findet Johannes Klee. Er freut sich nach eigenen Angaben darauf, sich mit der Eröffnung wieder ganz auf die Arbeit in der Backstube konzentrieren zu können, denn die sei die Leidenschaft der beiden.

Bewusst fürs Dorf entschieden

Dass sie in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem Putz von den Wänden geschlagen, Decken abgehängt, Estrich gegossen und Abwasserrohre verlegt haben – das gehört für sie zum Gründen dazu. Es sollte eben genau hier sein, in dieser alten Scheune, in diesem Dorf, wo es früher einmal alles gab, heute aber nur noch wenig gibt. Eine Backstube anderswo zu übernehmen oder in die Stadt, nach Greifswald oder Neubrandenburg zu ziehen, das habe von Anfang an nicht zur Debatte gestanden, sagen die beiden.

Denn mit ihrer Bäckerei wollten sie auch etwas für die Strukturen vor Ort tun. Dietlind Wäschle erzählt von einem Treffen, auf dem es um die Zukunft der Gemeinde ging – und auf dem sie mit Abstand die Jüngste gewesen sei: „Die Menschen wünschen sich, dass wieder mehr passiert, dass es Treffpunkte gibt, wo man sich begegnet“, weiß die Gründerin. „Und genau das wollen wir ja. Wenn die Backstube läuft, soll in ein, zwei Jahren dann ein kleines Café dazukommen, vielleicht auch ein Hofladen und ein Imbiss. Aber vor allem sollen die Leute vor Ort wieder frisches Brot kaufen können.“

Verkauf direkt aus der Backstube

Jetzt starten sie erst einmal minimalistisch: Auf nur 24 Quadratmetern sind ein vieretagiger Backofen, Kneter, Kühl- und Gärschrank und die Arbeitsflächen untergebracht. Selbst eine kleine Mühle findet noch Platz. Denn seit in Jarmen nicht mehr gemahlen wird, sei es für Bäcker kaum möglich, Mehl aus der Region zu beziehen, erklärt Dietlind Wäschle.

Sie und Johannes Klee kaufen deshalb einen Teil des Getreides direkt von Landwirten vor Ort und vermahlen es selbst. Einen Verkaufsraum gibt es nicht. An den drei Backtagen wird die Ware direkt aus einem Regal in der Backstube verkauft.

Trotzdem – für 1000 Brote oder mehr im Monat soll es allemal reichen, und wenn es gut läuft und sie den Ofen auslasten, dann können sie auch so schon von der Bäckerei leben, meinen die jungen Bäcker. Zu dritt wohlgemerkt, denn seit einem knappen Jahr sind die beiden auch noch frischgebackene Eltern einer jungen Tochter.

Bei den Nachbarn schon herumgesprochen

Dass die kleine Freya ihr Brot bereits über alles liebt, versteht sich von selbst. Dass es aber auch sonst Abnehmer für ihre Backkunst gibt, davon sind die beiden Jungbäcker überzeugt. Neben dem direkten Verkauf aus der Backstube wird ihr Brot auch mit der Abokiste der Meck-Schweizer, dem Fretbüdel, ausgeliefert. Auch mit Läden in Demmin, Neubrandenburg und Greifswald sprechen die beiden über eine Abnahme.

Bei den Nachbarn und in den Dörfern in der Umgebung habe sich ihre Backkunst jedenfalls bereits herumgesprochen. Im Sortiment sind neben klassischem Mischbrot und Roggenvollkornbrot auch andere Kreationen wie ein besonders saftiges Karottenbrot, ein helles Krustenbrot und immer samstags verschiedene Brötchen, Baguettes und Kuchen. Und für die Weihnachtszeit gebe es natürlich Stollen und Feingebäck.

Ob Corona für sie ein Problem sei? Eher im Gegenteil, glauben die beiden. „Die Leute merken erst wieder, wie wertvoll ein Laden, eine Bäckerei vor Ort ist.“ Für ihre bevorstehende Eröffnung am 2. Advent zwischen 14 und 18 Uhr haben sie ein Zelt und Heizpilze vor der Bäckerei aufgebaut, sodass auch unter Corona-Bedingungen mit ausreichend Abstand verkostet, eingekauft und mit einem heißen Punsch angestoßen werden kann. Und als Höhepunkt können die kleinen und auch großen Gäste ihr eigenes Traumhäuschen aus Lebkuchen bauen und verzieren. Für Dietlind und Johannes hat ihr eigener großer Traum gerade so richtig begonnen.

Die Bäckerei Klee verkauft montags und donnerstags zwischen 15 und 18 Uhr und samstags zwischen 8 und 12 Uhr.

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