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Sieben Taten auf einen Rausch

Ganz schön viel musste Justitia da in ihre Waagschale legen.
Ganz schön viel musste Justitia da in ihre Waagschale legen.
Frank Rumpenhorst

Gleich sieben Dinge wirft man einem 45-jährigen Altentreptower vor. Einen Hund habe er klauen wollen – aus dem Tierheim. Und zur WM einen Deutschlandschal. Doch der will das alles nicht gewesen sein. Allerdings, einer war schon Schuld: der Alkohol.

Es hätte zu lange gedauert und verwirrt, wenn der Staatsanwalt alle sieben Anklageschriften auf einmal verlesen hätte. So arbeiten er und das Gericht einen Punkt nach dem anderen ab: Diebstahl, Sachbeschädigung, Leistungserschleichung und Betrug in mehreren Fällen, für all diese Dinge hat sich Thomas B. zu verantworten.

Doch der 45-jährige Altentreptower sitzt entspannt auf der Anklagebank. „Alles Pillepalle“, meint er schon vor der Verhandlung auf dem Flur des Amtsgerichts in Demmin. Aber danach sieht es dann doch nicht aus. Richter Jörg Blasinski wundert sich, dass Thomas B. über 40 Jahre ein straffreies Leben geführt und nun geballt soviel angestellt hat. Er kann es erklären, sagt der Angeklagte.

Der Alkohol war Schuld

Er habe lange keinen festen Wohnsitz gehabt, sechs Jahre im Garten gelebt und ein Vierteljahr in Berlin auf der Straße. Dann sei der Alkohol hinzu gekommen. „Es ist alles unter Alkohol passiert“, rechtfertigt sich Thomas B. Im Juli vergangenen Jahres soll er versucht haben, einen Hund aus einem Zwinger des Tierheims in Altentreptow zu stehlen. Das streitet er ab. Im September klaute er in einem Neubrandenburger Supermarkt einen Akkuschrauber. Dann beleidigte er eine Angestellte des Jobcenters, weil er statt eines Lebensmittelgutscheines Bargeld haben wollte.

In Altentreptow war er in eine Pizzeria eingebrochen. Außerdem habe er auch noch ausländerfeindliche Sprüche gerufen, aus Gartenanlagen Rasenmäher und Heckenscheren mitgenommen, Häuser mit Stein und Bierflasche beworfen. Und im Schienenersatzverkehr sei er dann auch noch schwarz gefahren, so die Anklage.

Der Richter findet es merkwürdig

„Rumgepöbelt hab ich ja“, räumt der 45-Jährige ein. Bei den Gartengeräten indes behauptet er, dass ihm die geschenkt wurden. Auch bei den anderen Vorwürfen soll es nicht wie laut Anklage gewesen sein. Der Richter findet es merkwürdig. „Alle sagen, Sie waren es, aber Sie sagen, Sie waren es nicht“, sagt er. „Warum rennen die Leute dann aber alle zur Polizei?“ Und noch mehr soll Thomas B. auf dem Kerbholz haben: Eine Frau soll er beleidigt, in einem Supermarkt Schuhe und einen Deutschland-Fanschal geklaut haben und mit dem Taxi gefahren sein, ohne zu bezahlen. Selbst wenn das eine oder andere vielleicht nicht so zutreffen sollte, bleibt die Liste der Straftaten lang.

Der Staatsanwalt beantragt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Zudem soll der Angeklagte 80 Stunden gemeinnützig arbeiten und eine Alkoholberatung aufsuchen. Der Richter geht da mit, kürzt aber die Arbeitsstunden auf 70.