GROßBRAND IN SCHWEINEZUCHT

▶ So schwierig ist die Spurensuche in Alt Tellin

Mit mehr als 55.000 toten Tieren war der Brand in Alt Tellin wohl einer der verhängnisvollsten in einer deutschen Schweinehaltung. Die Suche nach der Brandursache scheint kompliziert.
dpa
1300 Schweine wurden bei dem Großbrand in Alt Tellin gerettet. Mehr als 55.000 sind gestorben.
1300 Schweine wurden bei dem Großbrand in Alt Tellin gerettet. Mehr als 55.000 sind gestorben. Stefan Hoeft
Alt Tellin ·

Die Ursache für den Großbrand in der riesigen Schweinezuchtanlage Alt Tellin (Vorpommern-Greifswald), bei dem mehr als 55 000 Ferkel und Muttersauen getötet wurden, ist weiter unklar. „Wir ermitteln in alle Richtungen”, sagte ein Sprecher der Polizei in Anklam am Freitag. Der Brandgutachter sei bereits zweimal am Brandort gewesen und müsse noch öfter kommen. So dürfen bestimmte Bereiche nur beräumt werden, wenn der Experte dabei ist. Ein Ergebnis werde frühestens nach Ostern vorliegen. Das Feuer war am Dienstag ausgebrochen und hatte alle Ställe der Anlage zerstört, die zu den größten Ferkelaufzuchtanlagen in Deutschland gezählt wurde.

Lesen Sie auch: ▶ Hobby-Pilot filmt Ausmaß der Katastrophe

Der Bau, der rund 20 Millionen Euro gekostet haben soll, war aber schon bei der Planung vor mehr als zehn Jahren umstritten. Tier- und Umweltschützer hatten die Planungen kritisiert, das Land den Bau aber trotzdem genehmigt. Nach bisherigen Aufstellungen hätten etwa 7000 Sauen und 50 000 Ferkel in Alt Tellin gestanden, sagte der Ralf Beke-Bramkamp als Sprecher des Betreiber, der Landwirtschaftlichen Ferkelzucht Deutschland (LFD) Holding (Roßdorf). Letztlich konnten nur etwa 1300 Tiere gerettet werden.

Löscharbeiten von innen nicht möglich

Das Feuer war am Dienstagmorgen ausgebrochen, hatte sich über Lüftungsschächte und andere Verbindungen schnell ausgebreitet und letztlich alle Stallanlagen zerstört. Nach Angaben des Landkreises Vorpommern-Greifswald hatte die Feuerwehr erst probiert, die Flammen von innen zu löschen, dies aber wegen der Gefährlichkeit abbrechen müssen. Von außen war das Übergreifen der Flammen zwischen den Bauten nicht zu stoppen. Helfer konnten nur wenige Tiere heraustreiben und eine Biogasanlage retten.

[Video]

Die LFD wird mit elf Anlagen, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, zu den größten Ferkelerzeugern in Deutschland gezählt. Die überlebende Schweine wurden nach Drebkau bei Cottbus gebracht. Beke-Bramkamp kritisierte das Vorgehen von militanten Tierschützern, die Lkw-Fahrer mit Steinen beworfen haben sollen und die Tiertransporte zudem mit Autos verfolgt haben sollen. In Gladau (Sachsen-Anhalt) sei zudem in eine Stallanlage eingebrochen worden.

Tote Tiere liegen noch unter Trümmern

Die Betreiber beauftragten einen Sicherheitsdienst mit der Bewachung des Geländes. Dieser soll auch Schaulustige fernhalten. Die Kadaver der toten Tiere liegen unter den zusammengefallenen Stalltrümmern und müssen entsorgt werden, hieß es vom Landkreis. Damit sei in einigen Bereichen, die die Polizei freigegeben habe, bereits begonnen worden, erklärte Beke-Bramkamp.

Mehr lesen: ▶ „Schluss mit der Schweinerei” – 200 Menschen demonstrieren in Alt Tellin

In der Landespolitik sorgte das Großfeuer für Forderungen nach einer generellen Abkehr von solchen Großanlagen. „Das Maß ist nicht voll – es ist übergelaufen”, erklärte der agrarpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Wolfgang Weiß. Die Alt Telliner Schweinezuchtanlage hätte wegen Mängeln beim Brandschutz nie in Betrieb genommen werden dürfen. Das wies der Betreiber zurück: Die Betriebsstätte Alt Tellin sei „stets unter Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie einer vorliegenden Brandschutzverordnung betrieben worden.”.

Mehr lesen: ▶ Die Skandal-Chronik der Schweinezucht in Alt Tellin

Die Linksfraktion forderte „bodengebundene Tierhaltung im Rahmen regionaler Stoffkreisläufe” und mehr Tierwohl. „Der Brand von Alt Tellin sollte – analog zum Atomausstieg – das Fukushima für alle Megaställe sein”, erklärte Weiß.

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Alt Tellin

zur Homepage

Kommentare (2)

Das wies der Betreiber zurück: Die Betriebsstätte Alt Tellin sei „stets unter Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sowie einer vorliegenden Brandschutzverordnung betrieben worden.”

die Stallungen vereinzeln - Haus hohe Brandschutzmauern - Rauchmelder - getrennte Kreisläufe el. Systeme - usw. - - mindestens Sicherheit wie in einem Flugzeug -

Ihre aufgezählten Punkte sind sicherlich richtig. Wenn diese aber lt.Brandschutzkonzept/Baugenehmigung nicht gefordert sind, dann wird es halt auch nicht gemacht. Kostet ja auch nicht wenig....
PS: Da sind/wären wir Menschen wohl alle gleich, wenn es an unsere eigene Börse geht.