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Spielplatz aus dem Testament

Bernd und Christine Krämer kamen aus Rheinland-Pfalz nach Vorpommern. Sie können sich hier anders entfalten als in einer Stadt, sagen sie.  FOtos (4) Kerstin Pöller

VonKerstin PöllerHilfsbereite Nachbarn findet man im Dorf und es gibt sogar noch einen Baron. So enstand für die Kinder sogar eine „Ritterburg“, eigens ...

VonKerstin Pöller

Hilfsbereite Nachbarn findet man im Dorf und es gibt sogar noch einen Baron. So enstand für die Kinder sogar eine „Ritterburg“, eigens gewünscht von der Frau Baronin.

Vanselow.So ziemlich jedes Dorf hat seine „Dorfstraße“. Vanselow nicht. Vanselows Dorfstraße heißt seit gut anderthalb Jahren „Schlossstraße“. „Der Baron hat das durchgesetzt“, heißt es im Dorf. Aber das sei okay.
„Unser Baron macht ja auch sehr viel für den Ort!“, finden Bernd und Christine Krämer. Das Ehepaar gehört zu den „Zugezogenen“. Bekannte aus Brunn hatten die Rheinland-Pfälzer auf die Idee gebracht, sich „hier oben“ nach Wohneigentum umzuschauen, und so kehrte die Familie mit ihren zwei Söhnen der alten Heimat den Rücken. „Gar nicht lustig fanden wir aber, dass unsere Jungen nun vom hiesigen Arbeitsamt Lehrstellen-Angebote weit weg im Westen, in Lübeck, in Hannover, annehmen sollten. Wir haben uns also selbst auf die Suche gemacht.“ Und so fanden sie etwas für den Älteren bei „Gutsmilch“ in Burow, der Jüngere fange demnächst bei einem Milchbauern in Siedenbrünzow an. „Unsere Jungs wollen hier nicht wieder weg, sie fühlen sich wohl!“, sagt Bernd Krämer, während er gemeinsam mit seiner Frau versucht, die Kletterrosen vor dem Haus zu bändigen. „Hier kann man sich ganz anders entfalten als in einer Stadt und als im Westen, hier können wir mit den Hunden spazieren gehen, hier sieht man noch Wild!“ Die beiden wichtigsten Sachen in Vanselow seien aber die Ruhe und die herrliche Luft sowie die Nachbarn. „Die sind alle hilfsbereit, haben uns so nett aufgenommen, als gehörten wir schon immer hierher!“ Der Nachbar von gegenüber fliegt gerade vorbei, hat aber so gar keine Zeit zum Reden. „Er arbeitet beim Baron und hat nur schnell Mittagspause“, wissen sie.
Auch Katrin und Olaf Sklomeit nebenan haben nicht viel Zeit. Sie haben vier Kinder – wobei ihre Älteste bereits im Nachbardorf Alt Tellin in der Rinderzucht arbeite. Der Familienvater selbst muss weiter weg: Zum Flughafen Rostock-Laage, das sind täglich 75 Kilometer Anfahrtsweg. Sklomeits waren 1999 gezielt auf Häusersuche gegangen: „In Neddemin direkt an der Bundesstraße zu wohnen war nämlich nicht die Erfüllung.“ Auch sie genießen vor allem die Ruhe und den Zusammenhalt in dem rund 100-Einwohner-Ort, von denen inzwischen leider gerade noch zwölf Kinder sind. „Für die Kleinen gibt es hier aber zum Beispiel einen richtig schönen Spielplatz. Den hatte sich die Mutter des Barons in ihrem Testament gewünscht!“ wissen sie.
„Als meine Mutter Margarethe starb“, bestätigt Jaspar von Maltzahn, „ist ein Teil ihres Geldes in die Vanselower „Ritterburg“ geflossen, und wir haben dann noch etwas dazu gelegt.“ Selbst von außerhalb kämen heute Familien, um hier ihre Kleinen toben zu lassen, Picknick zu machen... „Wir fühlen uns dem Ort einfach sehr verpflichtet“, sagt der Freiherr.
Immerhin hat die Familie eine 700jährige Tradition in Vanselow. Schon 1332 wurden die von Maltzahns hier erwähnt. Bis auf Unterbrechungen im 17. Jahrhundert und nach der Enteignung zu DDR-Zeiten gehörte ihnen das Gut und Land. Ihr repräsentatives Herrenhaus ließ Landrat Hans Ludwig von Maltzahn 1870 im klassizistischen Stil erbauen. Die Pläne fertigte der Schweriner Hofbaumeister Georg Daniel Rauch an. Nach der Enteignung 1945 wurde das Haus zu Wohnzwecken genutzt. „Meine Großmutter musste damals mit einem Koffer und sieben Kindern das Haus innerhalb eines Tages verlassen“, erzählt Jasper von Maltzahn. 1990 konnte sein Vater Mortimer Freiherr von Maltzahn, der Erbe des letzten Eigentümers bis 1945, das Herrenhaus und den Park wieder erwerben. Nach umfangreichen Sanierungen wurde das Herrenhaus bis 2003 als Hotel geführt und steht jetzt der Familie Jasper und Brigida von Maltzahn und ihren Kindern privat zur Verfügung. Zwei Wohnungen gibt es hier noch extra. In einer wohnt die Schulfreundin des Vaters, Ilse Hoffmann (87), mit der er zusammen einst konfirmiert worden war.
„Im Ort gibt es heute mehrere Unternehmen“, zählt Jaspar von Maltzahn, der selbst seinen Teppichproduktionsbetrieb in Westfalen aufgegeben hat, und hier nun Landwirtschaft betreibt. Es gebe im Ort zwei Ärzte, dazu Bauunternehmer Mario Steller und Forstunternehmer Heino Gust. Und den Holländer Arian Backx nennt er, der 600 Kühe hält und sehr engagiert gerade erweitere, eine Biogasanlage für Gülle und Maissilage baue, die auch das Dorf mit günstiger Wärme versorgen soll. „Wir zeigen hier in Vanselow, dass es eine friedliche Symbiose zwischen Tierhaltung und den Menschen im Dorf geben kann. „Hier hat niemand etwas gegen die Erweiterung der Anlage wie nebenan in Alt Tellin. Wir haben hier viel Ackerland. Und Tierzucht und Ackerbau gehören eben zusammen.“ Er habe jedenfalls immer vom Landleben geträumt. Hier in Vanselow haben seine Frau Brigida und er ihren Traum verwirklichen können.

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