Brückenbau über Peene

Demmin erteilt Bahn klare Abfuhr

Ein Unglück wie im Jahr 1900, als die Eisenbahnbrücke über die Peene einstürzte, soll es in Demmin nicht mehr geben. Die Bahn will in vier Jahren die von 1975 stammende Brücke erneuern. Das aber könnte Häuser schädigen, fürchtet man im Rathaus.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen der Stadt Demmin und der Deutschen Bahn um die Bahnübergänge in der Jarmener Straße und im Pensiner Weg sind aus Sicht der Stadt noch nicht ausgestanden, da zeichnet sich schon neuer Ärger mit dem Zug-Konzern ab. Wie Bauamtsleiter Dietmar Schmidt im Stadtentwicklungsausschuss mitteilte, will die DB Netz AG in den Jahren 2021 und 2022 die Eisenbahnbrücke über die Peene neu bauen. „Das“, kommentierte Ausschussvorsitzender Rainer Tietböhl (SPD) die Information, „ist etwas ganz Neues.“

Das Vorhaben ist zwar Sache der Bahn, aber im Vorfeld betrifft es auch die Stadt. Denn bevor auch nur eine Baumaschine rollen kann, muss die Frage der Zuwegung geklärt sein. Und da ist man im Rathaus ganz anderer Ansicht als in den Planungsbüros des Bahnkonzerns. Der will laut Schmidt nicht nur von der B 194, sondern auch vom Pensiner Weg aus an die Baustelle heranfahren.

Lkw-Verkehr schädigt Bausubstanz der Häuser

Für Letzteres will die Bahn laut Dietmar Schmidt die schmale, etwa gegenüber der Karl-Liebknecht-Straße gelegene Einbahnstraße nutzen. Sie führt zum Garagenkomplex unterhalb der Münter
straße, von dort wären es auf dem Bahndamm nur etwa 200 Meter bis zur Brücke – eine kurze Strecke für die geschätzt mehr als 1000 notwendigen Lkw-Fahrten.

Mag sein, dass das am Reißtisch den Ausschlag gegeben hat. Allerdings hält nicht nur Schmidt den schmalen Weg für völlig ungeeignet. Die maximale Last ist dort auf 2,8 Tonnen beschränkt, der Weg ist sogar für Pkw eng. Vor allem aber stehen dort mehrere Häuser, die nach Schmidts Einschätzung durch den Lkw-Verkehr in ihrer Bausubstanz geschädigt würden. „Wenn die mit mehr als 1000 Lkw da durchfahren, können die Leute ihre Häuser zusammenschieben“, sagte er im Ausschuss. „Ich bin strikt dagegen. Die Wegeführung kann nicht zulasten der Stadt und ihrer Bürger gehen.“

Transport des Materials durchs Naturschutzgebiet?

Die Passage zwischen den Häusern dürfte indessen nicht der einzige neuralgische Punkt in den bisherigen Planungen der DB Netz AG sein. Unterhalb der Wohnbebauung sind die Wege zwischen den Garagen unbefestigt, an sie schließt sich zur Brücke hin mooriges Gelände mit Bäumen, Gestrüpp und Schilf an. Das steht zum Teil unter Naturschutz.

Schmidt blieb mit seiner ablehnenden Haltung denn auch nicht allein, sondern der Ausschuss sprach sich einstimmig dagegen aus. Beim Bau der gegenwärtigen Brücke im Jahr 1975 sei alles von der B 194 herangefahren worden, hieß es. Warum also sollte das jetzt nicht möglich sein? Zudem könne die Bahn ja auch Material auf den Schienen herantransportieren.

 

Georg Wagner

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