Noch schlechter geht es wohl kaum: Der Zahn der Zeit nagt so sehr an der Dorfstraße in Drosedow, dass sie inzwischen ein
Noch schlechter geht es wohl kaum: Der Zahn der Zeit nagt so sehr an der Dorfstraße in Drosedow, dass sie inzwischen eine Gefahrenquelle darstellt. Ulrike Rosenstädt
Bürger aus Drosedow waren erneut zur Sitzung nach Loitz gekommen. Sie erhielten sogar Rederecht und durften ihre Probleme
Bürger aus Drosedow waren erneut zur Sitzung nach Loitz gekommen. Sie erhielten sogar Rederecht und durften ihre Probleme, die die desolate Straße mit sich bringt, schildern. Ulrike Rosenstädt
Am Ende lehnten die Stadtvertreter die Beschlussvorlage zum Thema Straßenbau in Drosedow ab. Die sollte die Verwaltung a
Am Ende lehnten die Stadtvertreter die Beschlussvorlage zum Thema Straßenbau in Drosedow ab. Die sollte die Verwaltung autorisieren, einen Fördermittelantrag auf den Weg zu bringen. Ulrike Rosenstädt
Bevor die Stadtvertreter über die Umsetzung der Straßenbau-Prioritätenliste abstimmten,  brachten sie, wie Ger
Bevor die Stadtvertreter über die Umsetzung der Straßenbau-Prioritätenliste abstimmten, brachten sie, wie Gerhard Kaiser (links), ihre Argumente vor. Foto: Ulrike Rosenstädt Ulrike Rosenstädt
Zu großes Risiko

Stadtvertreter sagen Nein zum Drosedower Straßenbau

Dass Drosedow dringend eine neue Straße braucht, darüber herrscht Einigkeit. Allerdings scheiden sich die Geister, wenn es um die Finanzierung geht.
Loitz

Abgeschmettert! Die Enttäuschung war den Bürgern aus Drosedow, die den Verlauf der Stadtvertretersitzung am Dienstagabend verfolgten, deutlich ins Gesicht geschrieben.

Dabei durften sie erleben, dass Kommunalpolitik keine einfache Sache ist und am Ende dann doch Entscheidungen getroffen werden, die aus finanziellen Zwängen zwar nachvollziehbar, für die Menschen vor Ort allerdings belastend sind: Es ging erneut um den schlechten Zustand der Straße in Drosedow.

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Tiefer Löcher schon seit vielen Jahren

Den Anwohnern wird viel Geduld, doch auch Geschicklichkeit abverlangt, weil sie ihre Fahrzeuge um tiefe Löcher und Ausbuchtungen herumsteuern müssen. Und das bereits über viele Jahre. Schon bei der jüngsten Bauausschuss-Sitzung waren Drosedower zahlreich erschienen, um auf ihre Sorgen aufmerksam zu machen.

Während sie dort allerdings kein Rederecht eingeräumt bekamen, entschieden sich die Stadtvertreter jetzt per Abstimmung, die Geschäftsordnung für die Dauer eines Tagesordnungspunktes zu ändern, um den Bürgern die Gelegenheit zu geben, zu dem brisanten Thema Stellung zu nehmen. Das ist laut Kommunalverfassung grundsätzlich nicht gestattet.

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Gefahr für radfahrende Kinder

Die Ausnahme machte es möglich, dass die Anwohner noch einmal deutlich machen konnten, dass die schlechten Straßenzustände „eine Strafe sind“: „Es ist inzwischen so, dass Freude und Familienangehörige, die mit dem Auto anreisen müssen, um uns zu besuchen, sich das sehr genau überlegen oder sogar auch absagen. Wir leben jetzt seit 35 Jahren in Drosedow und es hat sich in dieser langen Zeit so gut wie gar nichts verändert“, beschriebt Petra Peters die Situation. Nachbarn stimmten ihr zu, berichteten von Gefahrenquellen, die von der Straße ausgehen. Auch Kinder seien betroffen, gerade wenn sie mit dem Fahrrad unterwegs sind.

Verständnis für diese Sorgen signalisierten alle in der Runde sitzenden Stadtvertreter. Allerdings hatte, natürlich bildlich gesprochen, ein dicker Elefant mit am Beratungstisch Platz genommen, der das Schild „Problem: Finanzierung“ um den Hals trug. An ihm kam am Dienstagabend niemand vorbei. Wie berichtet, hatte die Stadt 2019 eine Prioritätenliste beschlossen. Diese beinhaltet die Reihenfolge abzuarbeitender Straßenbau-Großprojekte, vorbehaltlich der finanziellen Situation der Kommune.

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Auf Platz eins hatte es die Straße zum Storchennest in Wüstenfelde geschafft. Diese wird gerade komplett neu gebaut, ist schon in wenigen Wochen fertiggestellt. Auf Platz zwei steht die Dorfstraße in Drosedow. Dienstagabend sollte nun ein Beschluss gefasst werden, der die Verwaltung autorisiert, einen Antrag auf Förderung für die Dorfstraßensanierung in Drosedow und damit auch die Mittel für die Eigenanteile in die Haushaltsplanungen 2023/2024 einzustellen.

Angespannte Haushaltslage

Wie die Diskussion deutlich machte, sind sich die Stadtvertreter bewusst, dass sich die finanzielle Lage seit der Beschlussfassung vor zwei Jahren drastisch verändert hat. Ursprünglich veranschlagt für eine neue Straße in Drosedow ist eine Bausumme von rund einer Million Euro.

Für die die Stadt Loitz, vorausgesetzt sie würde vom Land eine Förderung erhalten, rund 350 000 Euro an Eigenanteilen aufbringen müsste. Ein klarer Fall für die Kämmerei, für die am Dienstagabend Enrico Vogel aufzeigte, welche weiteren Projekte anstehen, die per Beschluss finanziert werden müssen. Zudem habe die Stadt Loitz bereits in diesem Jahr um einen ausgeglichenen Haushalt ringen müssen. Die Prognosen, dies auch im kommenden Jahr zu schaffen, sind nicht gerade gut.

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Allein die Umsetzung der Brandschutzbedarfsplanung ringe viele Kosten ab. Am Beispiel Planung des neuen Feuerwehrgerätehauses mit Rettungsstelle und Polizeiwache machte Enrico Vogel deutlich, wie angespannt die finanzielle Lage der Stadt bereits jetzt schon ist. „Natürlich haben wir Verständnis für die Situation der Drosedower“, betonte der Sachgebietsleiter für allgemeine Finanzverwaltung. Doch in Sachen Straßenbau bleibe leider die Frage nach dem wie?

Reparatur als Trostpflaster?

Es folgte eine kurze Diskussion, die deutlich machte, wie sehr die Loitzer Abgeordneten um eine Entscheidung ringen mussten: „Wenn das Straßenbauprojekt in Drosedow jetzt nicht auf den Weg gebracht wird, dann bin ich davon überzeugt, dass die Bürger dort nie eine neue Straße bekommen“, sagte Frau Baresel (CDU). Finanzausschussvorsitzender Gerhard Kaiser (CDU) verwies auf die Ausführung der Kämmerei: „Wir sehen doch, wie schwierig und angespannt es um den Haushalt steht. Wir können doch nicht sehenden Auges die Situation noch verschlechtern.“

Der Drosedower Helmut Spihalla (parteilos) ließ nicht locker, versuchte immer wieder auf mögliche Geldquellen, die seiner Meinung nach zur Verfügung stehen und nicht ausgeschöpft werden, Beispiel Jagdpacht, hinzuweisen. Doch am Ende fiel die Entscheidung eindeutig aus. Mit sieben Nein-, drei Ja-Stimmen und einer Enthaltung wurde der Antrag auf die Einreichung eines Fördermittelantrags für die Sanierung der Drosedower Dorfstraße abgelehnt. Nun bleibt abzuwarten, ob von der Stadt Reparaturarbeiten an der desolaten Dorfstraße angeschoben werden.

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