AFD-FORDERUNG

Stilles Gedenken für 8. Mai statt Demo?

Demonstrationen zum 8. Mai in Demmin trotz Corona? Die Stadt- und Kreis-AfD stellt sich in einem offenen Brief bereits als strikter Gegner jeglicher Demonstrationen dar.
Ob sich Szenen wie diese beim Aufmarsch der Rechtsextremen zum 8. Mai in der Hansestadt Demmin auch 2020 wiederholen, ist noch
Ob sich Szenen wie diese beim Aufmarsch der Rechtsextremen zum 8. Mai in der Hansestadt Demmin auch 2020 wiederholen, ist noch nicht abzusehen. NK-Archiv/G. Wagner
Demmin.

Der 8. Mai – der Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa bringt in Demmin auch ein Gefühl der Beklemmung mit sich. Denn alljährlich wird die Hansestadt an diesem Tag ein Sammelpunkt für Rechtsextreme, die mit ihren Demonstrationszügen die öffentliche Wahrnehmung der Stadt prägen. Ihnen stehen Jahr für Jahr Gegendemonstranten gegenüber. Es ist immer wieder ein Schmelztiegel politischer Einstellungen, welcher in seinem Ausmaß durchaus in der Kritik steht. Unmut äußerte vor allem die AfD.

2020 jährt sich das Kriegsende nun zum 75. Mal. Großes war demnach in der Stadt zu erwarten. Und Großes war auch geplant. So hatte beispielsweise die evangelische Kirchengemeinde eine Veranstaltungsreihe unter dem Titel „über.wunden“ vorbereitet. Inklusive Gedenkkonzert als Zeichen gegen Rechtsextremismus. Dann kam die Corona-Krise und sämtliche Pläne kippten.

Ob am 8. Mai überhaupt Veranstaltungen stattfinden können – egal, aus welcher politischen Richtung -, ist derzeit unklar. Auch der Kreis Mecklenburgische Seenplatte, der für die Genehmigung der Demonstrationszüge durch Demmin zuständig ist, fischt diesbezüglich im Trüben. Der Wille, sich zu präsentieren ist seitens der Rechtsextremen allerdings gegeben. „Es liegen Anmeldungen aus dem Vorjahr vor“, so Kreissprecherin Haidrun Pergande. Es sei ein gängiger Weg seitens der Veranstalter, diese schon weit im Vorfeld einzureichen. Aktuellere Informationen gebe es aber nicht.

Gerüchten aus dem Umfeld der Stadtverwaltung zufolge, wird davon ausgegangen, dass die Demonstranten trotz der Krise nach Demmin kommen werden. Allerdings wohl nicht für einen großen Gedenkmarsch, sondern in kleineren Gruppen, je nachdem, wie es die Corona-Bestimmungen zulassen. Unabhängig davon laufen die Vorbereitungen des „Aktionsbündnis 8.  Mai“ aus Demmin ebenfalls. Bereits Anfang April hieß es, dass Demonstration und Kundgebung nicht abgesagt werden, um sich den Rechtsextremen entgegenstellen zu können.

Kritik an NPD und Demminer Aktionsbündnis

Eine Aussage, die die städtische und die Kreis-AfD auf den Plan gerufen hat. In einem offenen Brief, unterschrieben von Norina Mittendorf und Romy Schult, an den NPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern sowie das Aktionsbündnis 8. Mai, zeigt sich die Partei als strikter Gegner sämtlicher „unsäglicher“ Demonstrationen am 8.  Mai in der Hansestadt. „Lassen Sie die Opfer dieser furchtbaren Tragödie endlich zur Ruhe kommen, und missbrauchen sie das grenzenlose Leid und die damals verübten Verbrechen nicht für Ihre fortwährende politische Auseinandersetzung“, heißt es im Wortlaut. Die Demonstrationen würden seit jeher nur dafür benutzt werden, sich selbst zu inszenieren.

Zudem sei mit dem 8.  Mai ein historisches Problem verknüpft, wenn auf die Verbrechen hingewiesen werden soll, die sich mit dem Einmarsch der Roten Armee ereigneten. „Dabei wird bewusst ignoriert, dass das Martyrium für die Demminer Zivilbevölkerung am 30.  April 1945 begann, und die Vergewaltigungen und Plünderungen mit dem Abzug der kämpfenden Truppe am 3. Mai 1945 weitgehend abebbten“, wird in dem Brief angeführt. Demnach wäre es historisch falsch am 8.  Mai der Opfer des Massensuizids zu gedenken.

Grundsätzlich sei ein Gedenken an die zahllosen Toten aber durchaus berechtigt. Von einer „wichtigen Anteilnahme“ ist in dem Schreiben die Rede, welche allerdings durch Trauermärsche und darauf folgende Gegenproteste zur pietätslosen Showveranstaltung würde. Konkret spielt die Partei auf die teilweise bunten und lauten Proteste der Gegendemonstranten an. Konfettiregen, Feuerwerk oder Banner mit der Aufschrift „Trauer am Arsch, Tag der Befreiung feiern“ würden die Toten der Demminer Tragödie verhöhnen. Unbeachtet bleibt dabei jedoch, dass die teils rüden Parolen weniger den Opfern, denn den Rechtsextremen und bekennenden Nationalsozialisten gilt, die an diesem Tag durch Demmin marschieren.

Mit den vermutlichen Einschränkungen des Demonstrationsrechts in diesem Jahr plädiert die AfD dafür, dauerhaft anders mit dem Gedenken umzugehen. „Zum Beispiel mit einer stillen Kranzniederlegung, an dem eigens dafür aufgestellten Stein.“ Die Hoffnung, dass die Großdemonstration in diesem Jahr erstmalig ausbleibt, dürfte auch in vielen Teilen der Bevölkerung, unabhängig von politischen Lagern, vorherrschen. Die tatsächliche Entwicklung am „Tag der Befreiung“ bleibt allerdings abzuwarten.

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Kommentare (3)

den Faschisten.
Das die Faschisten der AfD sich überhaupt zu diesem Thema melden, ist eine Frechheit! Die meisten Mitglieder marschieren doch mit.

für Nazis und Faschisten in Demmin und anderswo!

Zitat GG Art. 18:
"1 Wer die Freiheit der Meinungsäußerung, insbesondere die Pressefreiheit (Artikel 5 Absatz 1), die Lehrfreiheit (Artikel 5 Absatz 3), die Versammlungsfreiheit (Artikel 8), die Vereinigungsfreiheit (Artikel 9), das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis (Artikel 10), das Eigentum (Artikel 14) oder das Asylrecht (Artikel 16a) zum Kampfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mißbraucht, verwirkt diese Grundrechte.
2 Die Verwirkung und ihr Ausmaß werden durch das Bundesverfassungsgericht ausgesprochen."

Die AfD sollte vorsorglich Verfassungsschutz beantragen.