PETITION

Streit um die Fundhunde geht weiter

Tierschützer fordern in einer Petition von der Hansestadt Demmin, Fundhunde öffentlich zu machen. Das jedoch sei nicht möglich, meint die Stadt. Im Amt-Demmin Land ist das kein Problem.
dpa
Die Petition, die Tierschützerin Anke Braun (links) Demmins Bürgermeister Michael Koch übergab, sieht die Stadt in allen Punkten erfüllt. Das sieht die Vorsitzende des Landestierschutzbundes, Kerstin Lenz (Mitte), anders.
Die Petition, die Tierschützerin Anke Braun (links) Demmins Bürgermeister Michael Koch übergab, sieht die Stadt in allen Punkten erfüllt. Das sieht die Vorsitzende des Landestierschutzbundes, Kerstin Lenz (Mitte), anders. Jana Otto
Demmin.

Vierbeiner, die auf den Dörfern im Zuständigkeitsbereich des Amtes Demmin Land aufgefunden werden, haben ab sofort beste Chancen, schnell wieder zu ihren Herrchen zu kommen. Auf der neuen Internetseite des Amtes nämlich werden sie jetzt veröffentlicht, unter dem Stichwort Verwaltung, mit Bild. "Durch die Neugestaltung unseres Internetauftritts ist das jetzt möglich", erläutert Amtsleiterin Christine Schubbe. Damit ist das Amt einen ganzen Schritt weiter als die Hansestadt Demmin. Vor gut einer Woche hat Bürgermeister Michael Koch (CDU) eine Petition von Tierschützern bekommen, die unter anderem genau diesen Punkt fordert. Doch die Stadt wehrt sich gegen eine bildliche Veröffentlichung von Fundhunden im Internet und sieht im Übrigen alle in der Petition aufgemachten Forderungen "im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben" erfüllt.

Doch warum sträubt sich die Verwaltung gegen so eine Bekanntmachung? In der Stellungnahme, die dem Nordkurier vorliegt, heißt es dazu: "Die Abbildung von Hunden in der Presse vor Eigentumserwerb durch den Betreiber (der Auffangstation nahe Meesiger; Anm. d. Red.) ist unzulässig, da so jeder, der Bedarf an dem Hund hat, diesen genau beschreiben könnte, so dass konkrete Fragen über Merkmale des Fundtieres, welche nur der wahre Eigentümer wissen kann, nunmehr jeder Interessent beantworten kann." Praktisch hieße das, jeder könne den Hund beschreiben und sich als Besitzer ausgeben, ob er es ist oder nicht. 

Kerstin Lenz, Vorsitzende des Landes- und des Demminer Tierschutzvereins, kann darüber nur müde lächeln. Diese Argumente der Stadt seien ihr seit fast 20 Jahren bekannt. "Doch sie sind und bleiben Schwachsinn", findet sie deutliche Worte. Sie begründet das so: Wenn sich ein Besitzer nach beispielsweise drei Wochen meldet, dann hat er für die angefallenen Kosten der Unterbringung bis zu diesem Tag zu zahlen. Und das kann teuer werden: 10 Euro pro Tag und Tier. Kommt aber jemand, dem das Tier gefällt, dann würde es ihm sofort mitgegeben werden - ohne für die Unterbringungskosten aufkommen zu müssen. Es ist ja schließlich nicht seins. "Nun erklären Sie mir mal, warum sollte sich jemand überhaupt als Besitzer ausgeben, wenn er das Tier umsonst wiederbekommen kann", fragt sie. Auch als Stadtvertreterin ist ihr dieses Vorgehen ein Dorn im Auge, schließlich bliebe die Hansestadt oft auf den Unterbringungskosten sitzen, wenn sich der wahre Besitzer nicht meldete.

Davon einmal abgesehen sei es ihrer Erfahrung nach sehr schwer, Hunde ohne eine entsprechende Veröffentlichtung zu vermitteln und ihnen damit die Chance auf ein Leben in einer Familie zu geben. "Das läuft nicht über Mundpropaganda. Es muss Netzwerke geben, in denen sich die Leute untereinander helfen, für die Tiere."

Die Situation zwischen der Stadt und dem Tierschutzverein scheint ziemlich festgefahren. Doch die Tierschützer geben nicht auf. Heute werden sie dem Bürgerbeauftragten der Landesregierung, der eine Sprechstunde im Demminer Rathaus abhält, ihre Petition übergeben. "Dann kommt sie in den Petitionsausschuss und ich hoffe, dass sich dann etwas grundlegend verändert", sagt Kerstin Lenz.

 

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