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Drittklässler terrorisiert Mitschüler

Was spielte sich hinter diesen Mauern ab?
Was spielte sich hinter diesen Mauern ab?
Thoralf Plath

An der Grundschule in Schönfeld soll ein Drittklässler andere Kinder bedroht haben. In der vorigen Woche rief die Schulleiterin sogar die Polizei. Jetzt bekommt der aggressive Junge erst mal separaten Unterricht - aber ist das die Lösung?

Rot leuchten die Blätter des alten Kirschbaums vor der Schule, an deren Fenster die Kinder herbstbunte Drachen aus Papier geklebt haben und so lustige Eulen. Drinnen hört man helles Lachen, die große Pause ist gerade vorbei, gleich fängt der Unterricht wieder an. Ein friedlicher Ort, die kleine Grundschule in Schönfeld. An der Wandzeitung im Flur hängt ein Foto der neuen Erstklässler. Sie strahlen in die Kamera.

Drittklässler rastet aus

Jetzt haben sie Angst. Und ihre Lehrerinnen machen sich Sorgen. Die heile Welt an der Schönfelder Schule, sie ist gerade ziemlich aus den Fugen geraten. Am Freitag voriger Woche sah sich Schulleiterin Elke Rech gezwungen, die Polizei zu rufen: Ein Drittklässler war offenbar so ausgerastet, dass die Sicherheit anderer Schüler akut bedroht war. „Das war kurz vorm Amoklauf. Wenn Lehrer nicht mehr weiter wissen und sich sogar ältere Kinder in den Toiletten verbarrikadieren vor Angst, da darf man sich wohl Sorgen machen“, beschreibt der Vater eines Schülers, was sich angeblich an dem betreffenden Freitag abgespielt hat. Seinen Namen will er öffentlich nicht nennen, seine Befürchtungen schon.

Denn wie es sich anhört, war es nicht das erste Mal, dass es mit dem Jungen Stress gab. „Der terrorisiert da seine Mitschüler, so geht das nicht weiter. Ich will gar nicht dran denken, was das werden soll, wenn das Kerlchen ein paar Jahre älter ist, das ist zurzeit auch eher unwichtig. Aber ich mache mir gerade ziemliche Sorgen um die Sicherheit meines Sohnes und als Elternteil kann man wohl verlangen, dass die Schule da etwas unternimmt.“

"Verhaltensauffälligkeiten" und "aggressive Handlungen"

Was genau sich am Freitag oder womöglich auch schon in den Tagen zuvor abgespielt hat, dazu möchte die Schulleiterin sich mit Rücksicht auf Persönlichkeitsrechte und den Datenschutz nicht näher äußern. Der Drittklässler soll mehrere Mitschüler bedroht und angegriffen haben – von Seiten der Schule dazu kein Detail. Dass es zu „Verhaltensauffälligkeiten“ und aggressiven Handlungen gekommen sei, räumt Elke Rech ein. „Wir als Lehrer sind mit der Situation alles andere als glücklich, dass können Sie mir glauben.“

Letztlich habe sie sich gezwungen gesehen, Polizeischutz anzufordern  – und verteidigt diese Entscheidung. „Polizei in der Schule, das wünscht sich natürlich niemand, und macht man ja erst als letztes Mittel. Aber es ging hier um Sicherheit.“

Zugleich betont Elke Rech aber, dass man als Lehrerkollegium für alle Schüler der Schule da sei, jeden im Blick haben müsse. „Das geht sowohl um die Klassen und einen ordnungsgemäßen Unterricht als auch darum, diesen Jungen mitzunehmen. Wir lassen niemanden fallen. Das ist eine nicht ganz einfache Situation jetzt, und wir arbeiten daran, dass sich das entspannt und normalisiert.“

Therapeuten eingeschaltet

In die „Sofortmaßnahmen“, wie die Schulleiterin es nennt, seien Schul- und Jugendamt eingebunden, ebenso ein Kinderpsychologe und Therapeuten. Man habe sich vorerst auf eine individuelle Variante verständigt: „Der Junge bekommt jetzt täglich separat zu Schulbeginn Unterricht, so dass es erst mal nicht zu Kontakt mit seiner oder anderen Klassen kommt.“ Weitere Schritte werde man festlegen, wenn die Ergebnisse einer „Diagnostik“ vorliegen, die vom Schulamt veranlasst worden sei. „Das entscheiden dann schon nicht mehr wir hier an der Schule.“

Es hört sich ein wenig ratlos an, was Elke Rech da sagt. Und das gleich noch ein bisschen mehr, wenn sie zugibt, so einen Fall in ihren fast 30 Jahren als Grundschullehrerin noch nicht erlebt zu haben.

Der Junge, der da in der vorigen Woche mit seinem aggressiven Ausraster die kleine Dorfschule in Atem hielt, lernt noch nicht lange in Schönfeld.  „Er ist erst ganz frisch bei uns“, sagt die Schulleiterin. Es soll vermutlich gar nicht so klingen, als mache sie sich Sorgen. Klingt es aber.

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Kommentare (1)

Was sagen die Eltern denn dazu,oder sind diese nicht gesprächsbereit.