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Teurer Kampf gegen Müll-Garagen

Die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt besichtigten ein Stück Demmin von seiner wenig vorzeigenswerten Seite. Der Garagenkomplex Münterstraße gleicht in Teilen einer wilden Mülldeponie.
Die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt besichtigten ein Stück Demmin von seiner wenig vorzeigenswerten Seite. Der Garagenkomplex Münterstraße gleicht in Teilen einer wilden Mülldeponie.
Thoralf Plath

Demmin und seine Garagenkolonien. Die einst so begehrten Autohäuser werden immer mehr zur Altlast. Müll, verschollene Pächter, Einbrüche! Die Stadt denkt darum perspektivisch an Rückbau. Ein teurer Plan.

Sie stehen in ganz Demmin verstreut, sind zum Teil mehrere Jahrzehnte alt und von vielen weiß niemand mehr so genau, wer eigentlich die Nutzer sind. Die Rede ist von – Garagen. Vor allem der Komplex an der Münterstraße steht seit Wochen in der Kritik: Immer mehr der Autoschuppen verkommen zu wilden Müllkippen. Die Unabhängige Wählergemeinschaft hatte das Thema jüngst zur Sprache gebracht, daraufhin wählte der Fachausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt am Mittwoch einen ungewöhnlichen Versammlungsort: Die Garagenkolonie Münterstraße.

Was die Abgeordneten besichtigten, sorgte für allgemeines Kopfschütteln – und Ratlosigkeit. Denn das Dilemma läuft in der Lösung auf eine endlose Geschichte hinaus: „Wir haben hier schon unzählige Male den Müll aus leer stehenden Garagen räumen lassen. Mit dem Ergebnis, dass die Plätze nach vier Wochen wieder genauso aussahen. Oder schlimmer“, so Bauamtschef Dietmar Schmidt. Sogar eigens zugemauerte Garagen seien wieder aufgebrochen worden. Ein weiteres Problem: Einige der am schlimmsten verwüsteten Autohäuser des Komplexes seien in Privatbesitz, da könne man nicht so ohne weiteres eingreifen.

Eine halbe Million Euro in den Garagen geparkt

Im vorigen Jahr hat die Hansestadt eine Garagen-Doppelreihe abreißen lassen – 38 Einheiten insgesamt. Kosten für die Stadtkasse: 20 000 Euro. In der Perspektive komme die Stadt wohl nicht umhin, noch auf längere Sicht weitere Mittel für den Rückbau dieser Altlasten einzustellen. Bei einem Bestand von rund 700 Garagen auf städtischem Grund rechnet Schmidt mit Gesamtkosten von einer halben Million Euro. „In der Münterstraße steuern wir jetzt den zweiten komplexen Abriss an, wieder in der Größenordnung von 30 bis 40 Garagen. Das geht natürlich erst, wenn sie nicht mehr genutzt werden.“

Die Kolonie Münterstraße ist mit derzeit noch rund 400 Garagen der größte Autoabstell-komplex der Hansestadt - und der am meisten verwahrloste. Die jährliche Zahl der Einbrüche geht in die Hunderte. Und dann der Müll. Weil die Chance minimal ist, in den abgelegenen Winkeln des ohnehin unübersichtlichen Labyrinths jemanden auf frischer Tat zu erwischen, will die Stadt jetzt ein weiteres Mal die schlimmsten wilden Abfallkippen beräumen lassen. „Es ist ein schmerzhafter Kostenfaktor, aber wir werden nicht umhinkommen“, sagt Dietmar Schmidt. „Langfristig liegt die einzige Lösung im Rückbau. Das Interesse an einer Garage geht ohnehin immer weiter zurück.“