Vor fast einem Jahr brannte die Ferkelfabrik in Alt Tellin lichterloh. Rund 50.000 Tiere starben. Die Brandursache steht noch
Vor fast einem Jahr brannte die Ferkelfabrik in Alt Tellin lichterloh. Rund 50.000 Tiere starben. Die Brandursache steht noch nicht fest. Stefan Sauer
Großbrand

Tiere verbrannten, weil es Ausnahmen beim Brandschutz gab

Mehr als 50.000 Tiere starben vor einem Jahr in den Flammen von Alt Tellin. Jetzt gibt es in puncto Brandschutz schwere Vorwürfe in Richtung der Genehmigungsbehörden.
Demmin

In Alt Tellin soll eine Ferkelfabrik in Größe und Art der vor einem Jahr abgebrannten Anlage nicht wieder errichtet werden dürfen. „Dazu stehe ich”, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Mittwoch in Schwerin. Doch sind die noch bestehenden Mega-Ställe in MV gegen so ein Feuer wie das am 30. März 2021 in Alt Tellin gewappnet? Wohl eher nicht, zeigt ein aktuelles Gutachten.

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Vor dem Hintergrund der schnellen Ausbreitung des Großbrandes im vergangenen Jahr haben Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Mecklenburg-Vorpommern ein Rechtsgutachten der Kanzlei Kremer/Werner aus Berlin veröffentlicht. Darin seien Brandschutzkonzepte und Prüfberichte von industriellen Schweineställen in Mecklenburg-Vorpommern ausgewertet worden, so die Initiatoren. „Wie konnte es dazu kommen, dass die weitaus meisten Schweine getötet wurden und die Ställe schon einsturzgefährdet waren, als die Feuerwehr eintraf?”, nennt Fachanwalt Ulrich Werner die Ausgangsposition.

Andere Ställe ebenfalls in der Kritik

Im Fall von Alt Tellin habe sich ergeben, dass die Genehmigungsbehörden große Ausnahmen bei den Brandschutzvorschriften zugelassen hätten, so Werner. So seien in Alt Tellin durch Wände geschützte Brandschutzabschnitte gestattet worden, die bei der Fläche um das 13fache über den Vorgaben der Landesbauordnung liegen. Deswegen seien viele Tiere ungeschützt verbrannt. Darüber hinaus sei dem Investor beim Stalldach eine ungeschützte Stahlkonstruktion erlaubt worden. Das habe zum schnellen Einsturz des Gebäudes geführt.

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„Mehr Tierschutz hätte dort 16 Cent mehr pro Tier gekostet”, sagte Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace. In den vergangenen 20 Jahren seien in Mecklenburg-Vorpommern Ställe genehmigt und gebaut worden, bei denen es häufig unmöglich sei, die Tiere im Brandfall zu retten. „Wir fordern die Landesregierung auf, diesen Wildwuchs zu beenden und bei sämtlichen Nutztierställen den Brandschutz zu überprüfen, damit sich Katastrophen wie in Alt Tellin nicht wiederholen, forderte Hofstetter.

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Kommentare (1)

Gottlob gibt es die Recherchen vom BUND und Greenpeace, ansonsten wäre der große Teppich zum Unterkehren längst schon ausgerollt.