NEUER FUNDTIERERLASS

Tierschutz oder Geschäftsidee bei Fundtieren in Demmin

Der neue Fundtiererlass bringt für die Fundtiersammelstellen eine Menge neuer Aufgaben mit sich. Deshalb keimt beim Tierschutzverein Demmin die Hoffnung auf, in ihrer Hansestadt einen Fundtiervertrag zu erhalten.
In der Tierpension des Tierschutzvereins in Randow sind immer Hunde zu sehen und Besucher werden nicht nur von den Vierbeinern
In der Tierpension des Tierschutzvereins in Randow sind immer Hunde zu sehen und Besucher werden nicht nur von den Vierbeinern freudig begrüßt. Kai Horstmann
Bei Henry Ciesilski ist der Zutritt für Fremde verboten. Von Weitem ist nur dieser eine leere Zwinger auf dem Grundst&uum
Bei Henry Ciesilski ist der Zutritt für Fremde verboten. Von Weitem ist nur dieser eine leere Zwinger auf dem Grundstück zu sehen. Kai Horstmann
Demmin.

Durch das Inkrafttreten des neuen Fundtiererlasses sieht sich der Tierschutzverein Demmin ermuntert, in seiner Heimatregion die Aufgabe der Tiersammelstelle zu übernehmen. Doch bislang sind laut Vereinsvorsitzender Kerstin Lenz alle Versuche gescheitert, da das Ordnungsamt Demmin sowie das Amt Demminer Land einen Vertrag mit der Wach- und Schließgesellschaft von Henry Ciesilski abgeschlossen haben, der schon seit 20 Jahren läuft.

Auch der neue Fundtiererlass hat daran bislang nichts geändert, obwohl neben Hunden die streunenden Katzen, Kleintiere und Vögel nun alle Fundtiere sind. Das bedeutet einen erheblichen Mehraufwand. Deshalb möchte der Tierverein die Gunst der Stunde nutzen. „Wir haben Verträge mit den Städten Stavenhagen und Dargun für die Fundtiere, nur in unserer Heimatstadt nicht. Wir bitten die Verantwortlichen zu überlegen, ob man die Fundtiere weiter einem Wirtschaftsunternehmen oder einem Tierschutzverein anvertrauen sollte“, sagt Kerstin Lenz.

Um ihr Anliegen zu unterstreichen, bat der Verein mehrere Stadtvertreter um Unterstützung. In dem Schreiben wird der Fund eines Katzenbabys zu später Stunde aufgegriffen, das zum Tierschutzverein gebracht wurde, weil Henry Ciesilski die Aufnahme mit der Begründung abgelehnt haben soll, dass er mit Demmin nur einen Vertrag zur Aufnahme von Hunden habe.

Katzenaufnahme bleibt umstritten

Zugleich verweist der Verein auf sein eigenes Katzenhaus in Neukalen, von wo aus im vergangenen Jahr 149 Katzen aus Stavenhagen, Dargun und Loitz aufgenommen und weitervermittelt wurden. Wie es weiter in dem Schreiben heißt, wendet sich „fast jeder Bürger, der ein Tier um und in Demmin findet oder dem eins weggelaufen ist, vertrauensvoll an den Tierschutzverein“, aber kaum an die Stadt, die Fundtiere auf ihrer Homepage veröffentlicht, während Ciesilski erst gar keine hat.

Wegen anhaltender Kritik in der Vergangenheit möchte sich Henry Ciesilski nicht äußern. Zu den Auswirkungen des Fundtiererlasses verweigert er ebenfalls jegliche Aussage. Dagegen bestätigt Demmins Ordnungsamtsleiter Jörg Küthe, dass Ciesilski sowohl von der Stadt als vom Hundebesitzer Geld erhält, die für verschiedene Leistungen zahlen müssen. Hunde, die bei ihm nach vier Wochen nicht abgeholt werden, verschenkt er laut einem Schild an seiner Tierunterkunft bei Schönfeld.

Das macht auch Sinn, wenn man weiß, dass er laut Küthe eine Pauschalsumme bekommt, mit der er auskommen muss. Diese richtet sich nach der Gesamteinwohnerzahl von Demmin. Wie der Ordnungsamtsleiter betont, hat die Wach- und Schließgesellschaft auch ein Katzenhaus in Stavenhagen. Was aber genau in dem Vertrag mit Henry Ciesilski steht, sei nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. In Bezug auf Fundtierkatzen schließt sich Küthe der Ansicht des Städte- und Gemeindetages MV an, der sich weigert, den Fundtiererlass umzusetzen. „Verwaltungsvorschriften erhalten grundsätzlich keine Bindung, wenn sie nicht durch eine gesetzliche Ermächtigung gedeckt sind und gegen geltendes Recht verstoßen. Das sehe ich wie der Städtetag als gegeben an und deshalb werden wir nur wirkliche Fundkatzen aufnehmen, weil das die Aufgabe des Landkreises ist“, erklärt Jörg Küthe.

Auch für die Presse Zutritt verboten

Der Nordkurier wollte sich ein Bild über die Tierhaltung vor Ort machen. Auf dem Gelände von Henry Ciesilski bei Schönfeld ist der Zutritt für Fremde generell verboten. Wer ein Hund haben möchte, kann den nur außerhalb des Geländes besichtigen. Auch dem Reporter wird jeglicher Zutritt untersagt. Zudem ist die Sicht auf die Anlagen durch Hecken und Bäume versperrt. Einzig ein leerer Zwinger ist zu sehen. Allein das Bellen hört man manchmal.

Ganz anders die Lage bei beim Tierschutzverein in Randow. Das Gelände ist sehr gut einsehbar und vor allem sind Hunde zu sehen. Diese toben freilaufend auf einer großen Fläche. Besuche sind geradezu erwünscht. Kathrin Giebener-Trost ist eine der vom Tierschutzverein angeschriebenen Stadtvertreterinnen und sagt: „Ich werde mich der Sache annehmen und das Thema in unserer UWG-Fraktion besprechen.“

Jörg Küthe verweist darauf, dass Henry Ciesilski eine tierschutzrechtliche Genehmigung hat, regelmäßig von der Amtstierärztin überprüft wird und die Zusammenarbeit gut verläuft. „Bei dieser bestehenden Rechtslage sehe ich von Seiten der Verwaltung keinen Handlungsbedarf“, erläutert Jörg Küthe.

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