PRODUKTION IN TUTOW

Bürgermeister möchte Tutower Senf zurückholen

Jeder kennt den Tutower Senf. Allerdings wird dieser gar nicht mehr in Tutow produziert. Dies möchte der Bürgermeister des Ortes wieder ändern. Tutows letzter Senfmeister hat jedoch Zweifel an dem Konzept.
Stefan Hoeft Stefan Hoeft
Scharfe Sachen aus Tutow: Bis 2005 wurde in der örtlichen Konservenfabrik auch die mit dem Ortsnamen verknüpfte Senf-Marke abgefüllt.
Scharfe Sachen aus Tutow: Bis 2005 wurde in der örtlichen Konservenfabrik auch die mit dem Ortsnamen verknüpfte Senf-Marke abgefüllt. Stefan Hoeft
Doch das passiert heute in Stavenhagen.
Doch das passiert heute in Stavenhagen. Stefan Hoeft
"Etikettenschwindel" vom Fließband: Der Name Tutow steht nach wie vor auf den Bechern und Gläsern.
„Etikettenschwindel” vom Fließband: Der Name Tutow steht nach wie vor auf den Bechern und Gläsern. Stefan Hoeft
Jahrzehnte gehörte die "Kohlfabrik" zum Tutower Ortsbild, hier eine Luftaufnahme vom Anfang des Jahrtausends, inzwischen ist dort das DDR-Museum eingezogen.
Jahrzehnte gehörte die „Kohlfabrik” zum Tutower Ortsbild, hier eine Luftaufnahme vom Anfang des Jahrtausends, inzwischen ist dort das DDR-Museum eingezogen. Stefan Hoeft/Archiv
Tutow.

Vor allem durch drei Dinge machte und macht Tutow über die Region hinaus von sich reden: Erstens durch seinen großen Militärflugplatz, dann als mediales negatives Aushängeschild für die sozialen Brennpunkte in Ostdeutschland sowie drittens mit seiner Konserven- und Senfproduktion.

Denn das Obst und Gemüse aus der sogenannten Kohlfabrik an der B110 war durchaus gefragt in der DDR und ging auch nach der Wende unter dem Label „Peeneland“ in zahlreichen Geschäften übers Kassenband. Ganz zu schweigen vom in einem Seitentrakt des Betriebes produzierten „Tutower Senf“. Der sorgt bis heute dafür, dass der Ort bei Grill- und Bockwurst-Runden sozusagen in aller Munde geblieben ist, obwohl das Werk bereits 2005 geschlossen und die Fertigung ins mecklenburgische Stavenhagen verlegt wurde.

Ein Art Etikettenschwindel, der die Tutower nach wie vor schmerzt und manchem offenbar ähnlich scharf wie der Senf auf der Zunge seither auf der Seele brennt. „Dadurch hat Tutow an Authentizität verloren. Man redet über Tutower Senf, aber der kommt gar nicht mehr von hier“, erklärte Bürgermeister Roland Heiden jetzt seiner Gemeindevertretung, um gleich darauf eine Art Rückhol-Initiative vorzuschlagen. Er könne sich vorstellen, zumindest einen Teil der Produktion wieder in Vorpommern anzusiedeln. Als eine Art Schaumanufaktur und nur an bestimmten Tagen, immerhin liefen die bekannten kleinen Becher auch früher nicht rund um die Uhr vom Band. „Es müsste ja nicht die komplette Produktion sein.“

Historische Produktionsstätte existiert nach wie vor

Von so einem wirtschaftlich überschaubaren Engagement dürften sowohl die Firma als auch Tutow etwas haben, zeigte sich das Dorfoberhaupt überzeugt. Zumal die historische Produktionsstätte nach wie vor existiert und heute zum Komplex des 2010 in die Konservenfabrik umgezogenen DDR-Museums gehört. Das hätte mit Sicherheit nichts dagegen einzuwenden, könnte das Ganze sogar bestens in sein Vermarktungskonzept einbauen, so die Idee. Aber erst mal müsse er dazu Kontakt zu den heutigen Rechte-Inhabern aufnehmen.

Die einhellige Unterstützung der Gemeindevertretung dazu hat Heiden jedenfalls, selbst wenn einige Abgeordnete die Chancen als eher gering betrachten, etwa wegen der hygienischen Anforderungen. So wie etwa Karl-Heinz Kuhfuß, der einst als Tutows letzter Senfmeister den Niedergang dieser Produktion hautnah miterleben musste. Andere in der Runde hingegen verwiesen darauf, dass es einen Trend zurück zur Regionalisierung auch in der Lebensmittelherstellung gebe. Das könnte die Idee vom echten Tutower Senf beflügeln. Immerhin gab es 2014 sogar mal ein privat auf die Beine gestelltes „Senf Open Air“ im Ort.

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