SPUNDWAND STATT KRAUT

Umbau im Schutzgebiet an der Trebel

Der wilde kleine Platz an der Trebel in Wotenick wird schon bald nicht mehr der gleiche sein. Große Bauarbeiten stehen bevor. So soll eine 20 Meter lange Spundwand in den Fluss gerammt und der Platz ausgebaut werden. Das soll jetzt ziemlich schnell gehen.
Denny Kleindienst Denny Kleindienst
Als ein Idyll stellt sich die Trebel von der Wotenicker Brücke aus dar. Der Krautziehplatz daneben soll nun unter anderem mit einer rund 20 Meter langen Spundwand befestigt werden. Nicht jeder ist begeistert.
Als ein Idyll stellt sich die Trebel von der Wotenicker Brücke aus dar. Der Krautziehplatz daneben soll nun unter anderem mit einer rund 20 Meter langen Spundwand befestigt werden. Nicht jeder ist begeistert. Denny Kleindienst
Der Uferbereich in Wotenick wird jedes Jahr im Herbst genutzt, um das dort angestaute Kraut aus der Trebel zu holen. 
Der Uferbereich in Wotenick wird jedes Jahr im Herbst genutzt, um das dort angestaute Kraut aus der Trebel zu holen. Georg Wagner
Wotenick.

Jedes Jahr im Herbst wird an der Trebel in Wotenick eine Sperre über das Wasser gelegt. Dort staut sich das Kraut, das anschließend am Strand neben der Brücke aus dem Wasser geholt wird. Den Plan, diesen Krautziehplatz auszubauen, gibt es schon länger. Allerdings war bisher stets die Rede davon, dass dieser Ausbau stattfinden könnte, dass dann eine Spundwand in den Uferbereich gerammt werden würde, dass das ganze Vorhaben aber überhaupt erst einmal genau geprüft werden müsste. Alles also rein theoretisch.

Insofern kommt die jüngste Ankündigung des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) nun ein bisschen aus dem Nichts. Denn sie ist nicht vage, sondern mehr als deutlich: „Das StALU hat die Befestigung des Krautziehplatzes Wotenick in Auftrag gegeben“, heißt es darin. Und weiter: „Es wird eine 20 Meter lange Spundwand parallel zum Ufer gerammt. 16 waagerechte Anker sollen den teilweise 14 Meter langen Spundbohlen den erforderlichen Halt geben. Nach dem Austausch der nicht tragfähigen Bodenschichten erfolgt die Befestigung der Oberfläche des Krautziehplatzes mit einer Schottertragschicht.“ Einen Termin für den Baustart gibt es auch schon. Laut StALU werden die Bauarbeiten bereits in der zweiten Oktoberwoche beginnen und je nach Witterungsbedingungen Ende März 2019 abgeschlossen sein.

Bedarf im Vorfeld nochmals geprüft

Das Amt verweist darauf, dass alle notwendigen Genehmigungen und Zustimmungen vorliegen. Zuguterletzt werden in der Bekanntgabe auch noch diverse Gründe genannt, wieso der Ausbau des im Naturschutzgebiet gelegenen Platzes sein muss.

Da wären etwa die „arbeitsschutzrechtlichen Anforderungen“. Derzeit ist der Platz unbefestigt. Der Ausbau ermögliche „ein sicheres Arbeiten mit Baggertechnik in unmittelbarer Gewässernähe.“ Das StALU betont zudem, dass der Platz an der Trebel in Wotenick für die Entkrautung gebraucht wird, „um bestehende Gewässerunterhaltungspflichten erfüllen zu können.“ Der Bedarf sei im Vorfeld nochmals geprüft worden. Dabei spielten auch Erfahrungen einer Aussetzung der Krautung von 2009 bis 2011 eine Rolle. Das Ergebnis: „Die Eingriffsmöglichkeit zur Sicherstellung des Wasserabflusses wird benötigt, insbesondere weil der Standort Wotenick durch einen talquerenden Damm mit Brücke gekennzeichnet ist.“

Skepsis bei den Anglern

Anders als etwa der Krautziehplatz in Nossendorf, über den sich vor allem der Filmemacher Hans Jürgen Syberberg empörte, löste der Krautziehplatz in Wotenick bisher keine großen Gegenreaktionen aus. Stadtvertreter Bodo Thürkow (CDU) äußerte sich lediglich skeptisch, als das Bauvorhaben vor einem Jahr im Demminer Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt wurde. „Wir haben doch in Nossendorf schon so einen Krautziehplatz“, sagte er damals. Nun erneut darauf angesprochen, erklärt Thürkow, dass er das Projekt ein wenig aus den Augen verloren habe. Auch Demmins Bauamtsleiter Dietmar Schmidt muss bei der Frage nach dem Krautziehplatz in Wotenick kurz überlegen. Man habe, so Schmidt, vor einigen Monaten noch ein paar kleinere Änderungswünsche für das Bauvorhaben geäußert. Im Großen und Ganzen sei das Vorhaben aber in Ordnung. Überrascht vom aktuellen Stand der Dinge ist auch Rainer Tietböhl (SPD), der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses. Gleichwohl hält er den Ausbau für richtig. Damit „ist gesichert, dass das Wasser vernünftig abläuft.“

Kritische Töne kommen derweil von den Anglern. Marcel Kubatzki und sein Vater Günther standen am Samstag an der besagten Stelle. Dass der Fluss entkrautet wird, sei ja richtig, finden die beiden. Doch dafür brauche es keine Spundwand. „Man zerstört wieder Uferzone. Brutfische leben in der Uferzone“, so Marcel Kubatzki. In dem Moment beißt ein kleiner Hecht an seiner Angel an. Den, sagt er, hätte er sonst wohl nicht erwischt.

StadtLandKlassik - Konzert in Wotenick

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