Schweinezucht

Giftstoffe nach Großbrand in Alt Tellin? Gutachten klärt auf

Wie viele Giftstoffe sind beim verheerenden Brand der Schweinezucht Alt Tellin im Umfeld gelandet? Nach viel Kritik an den Behörden und drei Monaten des Wartens gibt es darauf nun eine Antwort.
Als am 30. März 2021 die Schweinezuchtanlage Alt Tellin abbrannte, zogen stundenlang dicke Qualmwolken über die umli
Als am 30. März 2021 die Schweinezuchtanlage Alt Tellin abbrannte, zogen stundenlang dicke Qualmwolken über die umliegenden Gemeinden hinweg. Stefan Hoeft
Solche verkohlten Bröckchen wurden später noch in einiger Entfernung auf einem Feld gefunden.
Solche verkohlten Bröckchen wurden später noch in einiger Entfernung auf einem Feld gefunden. Stefan Hoeft
Alt Tellin

Seit der Brandkatastrophe in der Schweinezuchtanlage Alt Tellin am 30. März beschäftigt Bewohner der umliegenden Dörfer die Frage, was genau an Schad- oder Giftstoffen aus den gigantischen Qualmwolken niedergegangen ist. Dabei war auch mehrfach Kritik an den Behörden laut geworden.

Mehr lesen:▶ Greenpeace findet Dioxine in Brandresten von Alt Tellin

Am Mittwoch nun, exakt drei Monate nach dem verheerenden Feuer gab es erste Antworten in einer Mitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt. Im Einvernehmen mit dem Landkreis Vorpommern-Greifswald hieß es, dass dessen untere Bodenschutzbehörde die URST Umwelt- und Rohstofftechnologie GmbH Greifswald beauftragt hatte, den Boden auf den Ackerflächen nördlich angrenzend der Brandstelle zu untersuchen. Über die beprobten Flächen war der Rauch des Brandes abgezogen, weshalb dort mögliche Bodenbelastungen infolge brandbedingter Schadstoffeinträge identifiziert und bewertet werden sollten.

Erhöhter Schadstoffwert nur ganz nah am Brandort

Dafür wurden von drei Teilflächen in unterschiedlicher Entfernung vom Brandherd Bodenproben genommen und auf ein breites Schadstoffspektrum hin analysiert. Untersucht wurde unter anderem auf Dioxine und Furane, verschiedene Schwermetalle und die Stoffgruppe der Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Einige dieser Schadstoffe waren in den untersuchten Bodenproben nicht analytisch nachweisbar, so das Ministerium. Bei den nachweisbaren Schadstoffen lagen die ermittelten Gehalte im Bereich der Hintergrundwerte für sandige Ackerböden in Mecklenburg-Vorpommern. Lediglich auf der Teilfläche, die in der Rauchabzugs­richtung unmittelbar an die Brandstelle angrenzt, wurde ein erhöhter PAK-Gehalt festgestellt, der den allgemei­nen Vorsorgewert der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung überschreitet. Eine solche Vorsorgewert-Überschreitung war auch für den PAK-Einzelstoff Benzo(a)pyren festzustellen.

Mehr lesen: Verbände stellen nach Großbrand in Alt Tellin Strafanzeige

Alle weiteren bodenschutzrechtlich definierten Gefahrenschwellen (Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung für die Wirkungspfade Boden – Mensch und Boden-Nutzpflanze) wurden deutlich unterschritten, hieß es weiter. Im Übrigen würden PAK in der Regel von Pflanzen nicht bzw. nicht in nennenswerten Konzentrationen aus dem Boden über die Wurzeln aufgenommen. Auch sei eine Grundwassergefährdung auszuschließen, weil der oberste Grundwasserleiter durch eine zehn Meter mächtige Deckschicht aus Geschiebemergel gut gegen eventuelle Schadstoffeinträge geschützt ist.

Verkohlter PU-Schaum zerfiel zu Staub

Zum Zeitpunkt der Probennahme wurden durch den Gutachter noch kleinere Brandrückstände auf dem zu untersuchenden Ackerboden vorgefunden. Die Flocken aus verkohltem PU-Schaum zerfielen bei Berührung zu Staub und konnten nicht mehr abgesammelt werden. In der Laboranalyse der Flocken wurde ein geringer PAK-Gehalt nachgewiesen, der bodenschutz- und abfallrechtliche Vorsorgestandards klar einhält. Der Gutachter schätzt abschließend ein, dass weitere Bodenuntersuchungen auf dem Acker nicht erforderlich sind. Der Boden im Bereich der abgebrannten Stallungen wird nach dem Gebäudeabriss und der Entsorgung der Abfälle untersucht.

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Alt Tellin

zur Homepage