Loitzer Lustwein

Unser Vorpommern ist bestes Weinland

Es ist gerade drei Monate her seit der Gründung von Vorpommerns erstem Privatwinzer-Verein. Inzwischen stocken auf dem Weinberg bei Rustow 1200 Cabernet-Reben in sattem Grün, und selbst die Spötter staunen: Da wächst was Gutes!
Der Weinberg der Peenewinzer in Rustow - eher Scheibe als Hang, aber das macht den Rebstöcken nichts, der Cabernet für den künftigen "Loitzer Lustwein" wächst trotzdem prächtig.
Der Weinberg der Peenewinzer in Rustow - eher Scheibe als Hang, aber das macht den Rebstöcken nichts, der Cabernet für den künftigen "Loitzer Lustwein" wächst trotzdem prächtig. Thoralf Plath
Der Weinberg der Peenewinzer in Rustow - eher Scheibe als Hang, aber das macht den Rebstöcken nichts, der Cabernet für den künftigen "Loitzer Lustwein" wächst trotzdem prächtig.
Der Weinberg der Peenewinzer in Rustow - eher Scheibe als Hang, aber das macht den Rebstöcken nichts, der Cabernet für den künftigen "Loitzer Lustwein" wächst trotzdem prächtig. Thoralf Plath
So ging das alles los Ende Mai auf einem Ackergrundstück am Rand des Loitzer Ortsteils Rustow: Die Peenewinzer pflanzen ihre ersten 1200 Rebstöcke.
So ging das alles los Ende Mai auf einem Ackergrundstück am Rand des Loitzer Ortsteils Rustow: Die Peenewinzer pflanzen ihre ersten 1200 Rebstöcke. Thoralf Plath
Der Weinberg der Peenewinzer in Rustow - eher Scheibe als Hang, aber das macht den Rebstöcken nichts, der Cabernet für den künftigen "Loitzer Lustwein" wächst trotzdem prächtig.
Der Weinberg der Peenewinzer in Rustow - eher Scheibe als Hang, aber das macht den Rebstöcken nichts, der Cabernet für den künftigen "Loitzer Lustwein" wächst trotzdem prächtig. Thoralf Plath
Der Weinberg der Peenewinzer in Rustow - eher Scheibe als Hang, aber das macht den Rebstöcken nichts, der Cabernet für den künftigen "Loitzer Lustwein" wächst trotzdem prächtig.
Der Weinberg der Peenewinzer in Rustow - eher Scheibe als Hang, aber das macht den Rebstöcken nichts, der Cabernet für den künftigen "Loitzer Lustwein" wächst trotzdem prächtig. Thoralf Plath
In den Handel darf das Erzeugnis der Hobbywinzer von der Peene nicht - darüber wacht argwöhnlich die Weinlobby. Darum werden die Loitzer ihren "Lustwein" notgedrungenermaßen selber trinken müssen.
In den Handel darf das Erzeugnis der Hobbywinzer von der Peene nicht - darüber wacht argwöhnlich die Weinlobby. Darum werden die Loitzer ihren "Lustwein" notgedrungenermaßen selber trinken müssen. Thoralf Plath
Loitz

Mit Wein hat Thomas Krakau beruflich nun wirklich rein gar nichts am Hut. Privat genießt er schon mal einen Schoppen, da geht es ihm wie vielen, in seinem Brillenladen am Markt freilich hat der Loitzer Augenoptikermeister ansonsten andere Sorgen. Doch Mittwochabend wird Krakau wieder zum Winzer. „Allmählich bekomme ich einen Zweitberuf“, lacht er. Der nächste Arbeitseinsatz steht an auf dem Weinberg, dem ersten im Lande Loitz seit Sophia Hedwigs Zeiten.
Die Pommernfürstin, sie ging vor knapp 400 Jahren von uns, soll einem guten Tropfen nicht abhold gewesen sein. Chroniken listen stattliche Summen für Bälle und Feste auf, der Landwein floss in Strömen.

Tipps von Weinexperten aus der Moselregion

Ob die wackere Regentin ihn auch selbst anbauen ließ, ist umstritten, doch das holen die Loitzer ja jetzt nach: Im April gründeten acht Weinliebhaber im Hotel Tucholski nach genußvoll zelebrierter Satzungsdebatte den ersten Privatwinzerverein Vorpommerns, sinnigerweise mit dem Beinamen „Sophia Hedwig“ e.V. Am 23. Mai pflanzten die frisch gekelterten Hobbyweinbauern ihre ersten Rebstöcke auf einem eingezäunten Grundstück am Rand von Rustow. Das Wort Rebstock konnte man da noch wörtlich nehmen: Es waren eher grüne Stäbchen, blattlos und in Wachs perforiert, die am Ende des heißen Frühsommertags im Rustower Acker steckten, gepflanzt unter Anleitung erfahrener Winzer von der Mosel.
Inzwischen haben Sonne und Regen ganze Arbeit geleistet. Und wer noch immer meint, Weinbau sei eher etwas für die Bergtäler von Mosel, Rhein und Saale und nichts für das kühle Pommernland, der werfe einen Blick über den Zaun der Cabernet-Plantage – zum Staunen reichts schon. 1200 junge Weinstöcke stehen in kräftigem Grün, und die Reben ranken an den Metallstäben empor, als gelte es, möglichst schnell den Beweis zu liefern: Vorpommern ist bestes Weinland.
„Nächstes Jahr gibt‘s die erste Ernte“, sagt Thomas Krakau, Gründungsmitglied der Peenewinzer wie der Künstler und Hotelier Peter Tucholski, Landwirt Hartmut Leddig aus Rustow, die Getränkehändler Jörg und Christiane Längert. Auch Bürgermeister Michael Sack ist von Beginn an dabei und schwitzte beim Weinstockpflanzen mit: „Wer hätte das gedacht, dass wir Loitzer mal zu Winzern werden. Aber die Idee ist super und hat Potenzial.“

Beseelte Leidenschaft
für Silvana und Burgunder

Da könnte er recht behalten. Auch wenn die Privatwinzer mit ihrem Tropfen nicht auf den Markt dürfen – ein wasserdichtes Geflecht aus Gesetzen sorgt dafür. Die mächtige Weinlobby aus Rheinhessen & Co. wacht argwöhnisch, dass jenseits ihrer sonnigen Flusstäler keine neue Konkurrenz wächst, denn unter Fachleuten gilt längst als sicher: Der Klimawandel wird dem Norden in Sachen Weinbau in den nächsten Jahren in die Karten spielen. Eine Rebkultur auf dem flachen Land anzulegen ist ungleich billiger in den steilen Berghängen, die Rhein und Mosel säumen. „In den großen Weinanbaugebieten da unten beobachtet man jeden Schritt, den wir hier machen mit unserem kleinen Verein“, sagt Hajo Ziemann, zusammen mit Peter Tucholski einer der Initiatoren der Loitzer Weinidee. Dritter im Bunde: Walter J. Oster. Ohne sein fachliches Wissen und seine beseelte Leidenschaft für Silvaner, Burgunder & Co. gäbe es den Rustower Wein“berg“ mit Sicherheit nicht. Walter Oster ist Mosel-Winzer in 14. Generation – und glühender Gegner der industrialisierten Weinwirtschaft, angeheizt durch globale Handelskonzerne. Osters Weingut hat sich konsequent der Selbstvermarktung verschrieben, eigene Manufakturen produzieren erfolgreich Spezialitäten von Pasta bis Senf für einen Markt, der dank Internet auf eigene Weise grenzenlos geworden ist. Der Loitzer Getränkehändler Jörg Längert war schon zweimal bei Oster an der Mosel und ist begeistert: „Wenn wir von dem Modell nur ein kleinen Teil umsetzen bei uns, dann wird Loitz noch von sich reden machen und ein ganz neues positives Image bekommen.“
Die ersten Schritte auf diesem Weg sind längst getan. Denn auch hinter dem Projekt „Torfkopp“ – gestartet als eigene Loitzer Spirituosen-Linie von Whisky bis zu verschiedenen Likören – stecken die gleichen Köpfe, vor allem der aus Rustow stammende Hajo Ziemann als Vermarktungsprofi und „Likör-Komponist“ Walter Oster. „Peenewinzer und Torfkopp, das wurzelt in ein und derselben Idee“, sagt Ziemann. „Wir wollen Loitz als Standort für Genussspezialitäten etablieren. Nicht als Industrie, sondern lauter kleine Manufakturen. Und das kann auch funktionieren, da bin ich mir sicher. Der Trend, wenn man so will zurück zu den Wurzeln, ist ja nicht mehr zu übersehen. Es gibt immer mehr Mikrobrauereien, ganz kleine Hersteller, Handarbeit. Und dafür wachsen Märkte. Viele Leute haben es einfach satt, von vier, fünf Supermarktketten mit den immer gleichen Industrieprodukten gefüttert zu werden.“
Die nächsten Ideen der Torfkopp-Linie warten schon. Drei Biersorten, veredelt mit einem Mazerath aus Peenetorf, sind gerade in den regionalen Handel gegangen.

Das erste Weinfest
schon im Oktober

Demnächst wird ein Torfkopp-Honig folgen, der Rustower Imker Holger Wiechmann ist interessiert, mitzumachen.
In einem sollen die beiden Welten getrennt bleiben: Torfkopp ist Geschäft, Wein bleibt Hobby. Und weil die Peenewinzer ihren Cabernet nicht in den Handel bringen dürfen, trinken sie ihnen selbst – in Gesellschaft. Die Etiketten für den „Loitzer Lustwein“ sind schon fertig, das erste Weinfest soll es schon im Oktober geben. Der erste Aufruf, eine Loitzer Weinkönigin zu küren, er wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Loitz

zur Homepage