ENTSCHEIDUNG

Urteil gegen Angreifer auf Demo-Beobachter in Demmin

Darf eine private Person Teilnehmer einer Demonstration gegen deren Willen ablichten? Das wurde jetzt vor Gericht diskutiert. Und eine Strafe gab es auch.
Wegen des Angriffs auf einen Demo-Beobachter musste sich ein Demminer vor dem Amtsgericht in Neubrandenburg verantworten.
Wegen des Angriffs auf einen Demo-Beobachter musste sich ein Demminer vor dem Amtsgericht in Neubrandenburg verantworten. Bernd Wüstneck
Neubrandenburg ·

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und gemeinschaftlicher Nötigung ist ein 32-jähriger Mann aus Demmin vom Amtsgericht Neubrandenburg zu einer Geldstrafe in Höhe von 2100 Euro verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, gemeinsam mit zwei der Justiz unbekannten Mittätern einen 52-Jährigen zu Boden gerissen und ihm das Handy weggenommen zu haben.

Gesichter aus der rechten Szene erkannt

Das Opfer, ein Mitglied im Demminer Bündnis „8. Mai”, das regelmäßig Gegenkundgebungen zu rechtsgerichteten Demonstrationen organisiert. Er hatte Anfang Juni Teilnehmer eines sogenannten Montagsspaziergangs fotografiert und unter den Mitmarschierenden, die gegen Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung demonstrierten, bekannte Gesichter aus der rechten Szene erkannt, so der 52-Jährige.

Drei Teilnehmer, unter ihnen der Angeklagte, hätten ihn angegriffen und gefordert, die Fotos zu löschen, sagte der Zeuge. Dann hätten sie ihm das Handy weggenommen, mit dem man aber wegen dessen frühen Baujahrs keine Fotos machen kann. Bei dem Sturz habe er sich kleinere Abschürfungen zugezogen.

Richtern bejaht das Recht auf Fotografieren

Demonstrationsteilnehmer müssten sich als relative Personen der Zeitgeschichte gefallen lassen, abgelichtet zu werden, sagte Richterin Tanja Krüske. Der Verteidiger Thomas Schröder, Rechtsanwalt aus Neubrandenburg meinte hingegen, dass private Fotografen genau dies nicht tun sollten.

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

zur Homepage

Kommentare (7)

Komisch andersherum ist es für diese Mitläufer und Schlafschafe vollkommen ok Leute zu fotografieren. Die Doppelmoral der braun blauen Flaschengeister eben.

hast du klappspaten nicht wieder ehrenamtlich dienst in einer grundschule...oder holst du da etwas lernstoff nach

Die Richterin des AG hat nach meiner Auffassung eine seltsame Sicht der Dinge,was das ablichten von Personen bei einer Demo angeht. Normale Personen,die an einer Demo teilnehmen,sollen nach ihrer Auffassung Personen der Zeitgeschichte sein. Jeder PVB dagegen,der abgelichtet wird,kann verlangen das das Foto gelöscht wird. Hier sollte der RA noch einmal nachhaken.

Der Eine ist freiwillig in der Öffentlichkeit unterwegs. Da greift ohnehin Panoramafreiheit.
Der PVB beruflich, also gezwungenermaßen. Die Logik sagt einem, wer wohl weniger Lust hat, bei der Arbeit abgelichtet zu werden.
Egal ob Polizist, Verkäuferin, Prostituierte oder Strassenbauer.

"Er hatte am 20. Juni Teilnehmer eines sogenannten Montagsspaziergangs fotografiert...", mit einem fotounfähigem Handy, steht im NK-Artikel. Da wollte das Opfer wem Angst einjagen oder was sollte seine Show? Selbstverständlich ist die nachfolgende Selbstjustiz der Nicht-Fotografierten strafbar.

sollte unbedingt nachharken da gibt's was mit recht am persönlichen bild usw
wäre ja noch schöner wenn der ältere herr damit durchkommt und die fotos in linken schmierblätter verbreitet
viel erfolg dem ra

Ich wiederhole - einfach mal lesen …

als Antwort Gewalt in legaler Form findet sich da nicht - das bleibt zum Glück strafbar