Die Loitzer Hobby-Winzer stellten beim Abnehmen der Netze erschrocken fest, dass die Stare trotz des Schutzes viele Trauben ab
Die Loitzer Hobby-Winzer stellten beim Abnehmen der Netze erschrocken fest, dass die Stare trotz des Schutzes viele Trauben abgefressen hatten. Ulrike Rosenstädt
Christian Stoldt gehörte zu den Vereinsmitgliedern, die bei der Ernte ordentlich mit anpackten. Leider konnte er nur weni
Christian Stoldt gehörte zu den Vereinsmitgliedern, die bei der Ernte ordentlich mit anpackten. Leider konnte er nur wenige so volle Weinreben abnehmen. Ulrike Rosenstädt
Thomas Krakau, Vorsitzender des Vereins Peenewinzer Sophia Hedwig, prüfte das Mostgewicht der Trauben.
Thomas Krakau, Vorsitzender des Vereins Peenewinzer Sophia Hedwig, prüfte das Mostgewicht der Trauben. Ulrike Rosenstädt
An dieser Stelle soll Sophia Hedwig, pommersche Herzogin und Weinpatronin, ein Denkmal gesetzt werden.
An dieser Stelle soll Sophia Hedwig, pommersche Herzogin und Weinpatronin, ein Denkmal gesetzt werden. Ulrike Rosenstädt
Lese vermiest

Vögel fressen Loitzern die Wein-Ernte weg

Die Mitglieder des Loitzer Winzervereins sind schockiert. Stare haben ihnen von der diesjährigen Ernte nicht viel übrig gelassen – trotz Schutzmaßnahmen.
Loitz

Das hatten sie sich ganz anders vorgestellt. Die Vorfreude auf ihren eigenen Wein, Jahrgang 2021, war groß. Bis die Mitglieder des Loitzer Vereins Peenewinzer Sophia Hedwig die Netze von den Rebstöcken entfernten und mit Erschrecken feststellten: „Die Stare haben die Trauben in Größenordnungen weggefressen. Ich denke es handelt sich um drei Viertel der Ernte, die zerstört wurde“, sagte ein sichtlich enttäuschter Thomas Krakau.

Schon 2019 wurde den Loitzern die Lese vermiest.

Der Vereinsvorsitzende brauchte eine ganze Weile, bis er sich wieder gefangen hatte. Zum Glück wurde der Schock von einem positiven Gefühl durchbrochen: Es waren am zurückliegenden Wochenende viele Vereinsmitglieder auf das Anbaugebiet in Rustow gekommen, um gemeinsam bei der Ernte anzupacken. „Wir sind schon heute Vormittag an die 20 Leute, das ist wirklich gut“, konnte er sich am Tag der Weinernte dann doch noch über etwas freuen.

Trauben noch am Tag der Ernte an die Mosel gebracht

Allerdings ist er auf die Vögel überhaupt nicht gut zu sprechen. Die Stare, mehrere Hundert, wie Anwohner beobachten konnten, seien immer wieder von oben in die kleinen Lücken der Netze hineingeschlüpft. Dort, inmitten der Trauben, haben sie es sich ganz offensichtlich sehr gut gehen lassen. Mal ganz abgesehen davon, dass die Trauben, die noch übrig sind, lediglich für 500 bis 600 Flaschen und nicht wie ursprünglich geplant für 1500 bis 2000 Flaschen reichen, „ist es ja auch so schade, um die ganze Arbeit, die wir in den zurückliegenden Monaten hier geleistet haben“, sagte Thomas Krakau.

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Nun, wenn erst einmal die erste Flasche von dem aktuellen Cabernet Blanc auf dem Tisch steht, dann sind die Frauen und Männer mit dem Faible für ein in Norddeutschland eher untypisches Hobby, hoffentlich wieder etwas versöhnt.

Die guten, dicken, kräftigen Trauben, die die Stare nicht weggefuttert hatten, wurden noch am Tag der Ernte an die Mosel transportiert, dank der Unterstützung eines ortsansässigen Lebensmittelherstellers, der einen Transporter zur Verfügung stellte. Dort an der Mosel, im Betrieb der Familie Oster – in der Heimat von Winzer Walter Oster, der als Mentor und Freund des vorpommerschen Vereins agiert – werden die Früchte nun aufbereitet und schließlich zu dem gemacht, wofür sich die Arbeit am Ende doch gelohnt hat, nämlich zu einem guten Weißwein. Der verbreitet seine ganz eigene Note, schließlich steckt in ihm viel Vorpommern. Neben Luft und Erde auch viel Herz, das genau für diese Identität schlägt. Etwa bis April kommenden Jahres wird es dauern, bis die erste Flasche des aktuellen Weines geöffnet werden kann. „Wir sind immer gespannt. Die erste Verkostung ist ein ganz besonderer Moment“, weiß der Vereinsvorsitzende.

Neue Netze und eine Ablenkfütterung

Es ist bereits die fünfte Lese, bei der die Loitzer am zurückliegenden Sonntag anpackten. Zunächst wurden die Reben von den blauen Netzen befreit. Die haben nun wohl ausgedient, denn eines steht nach der schlechten Erfahrung fest: Neue Netze, die über die gesamten Rebstöcke gezogen werden können, müssen her. Möglich sei auch eine Art Ablenkfütterung anzubringen. Über all diese Entscheidungen werden die rund 45 Vereinsmitglieder in den nächsten Wochen entscheiden. „Nach der Ernte ist vor der Ernte“, dieses Motto gilt auch für die Hobby-Winzer.

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Und dann ist da ja auch noch das Denkmal-Projekt Sophia Hedwig, in Erinnerung an die pommersche Herzogin, die in Loitz wirkte und für die Winzer gleichzeitig als Weinpatronin gilt. Wie berichtet, hofft der Verein für die technische Vollendung der bildhauerischen Arbeit auf eine Förderung über das Leader-Programm. Gemeinsam mit dem Denkmal soll auf der Freifläche vor der Loitzer Destillerie eine lange Tafel geschaffen werden. Damit entsteht ein neuer kulinarisch-kultureller Treffpunkt.

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