In diesem Neubau hatte Alexandros Chalaitzidis seine erste Wohnung. Heute wohnt er in seinem eigenen Haus. Foto: Pablo Himmels
In diesem Neubau hatte Alexandros Chalaitzidis seine erste Wohnung. Heute wohnt er in seinem eigenen Haus. Foto: Pablo Himmelspach Pablo Himmelspach
Traum vom Eigenheim

Vom Plattenbau ins Einfamilienhaus

Alexandros Chalaitzidis hat sich seinen Traum vom Eigenheim erfüllt. Dennoch denkt er mit guten Erinnerungen an seine Zeit im Demminer Plattenbau zurück.
Demmin

Auf die Frage, was er im Neubau besonders geschätzt hat, gibt Alexandros Chalaitzidis eine klare Antwort: „Ich war froh, dass ich da meine Omis an der Seite hatte.“ In dem Plattenbau am Demminer Markt, an der Ecke zur Kahldenstraße, hatte der 28-Jährige seine erste eigene Wohnung. Und an die Zeit denkt Chalaitzidis mit guten Erinnerungen zurück. „Das war schon eine schöne Erfahrung“, sagt er. Viele Partys hätte er mit seinen Freunden dort gefeiert. Und wenn es einmal zu laut wurde, klopfte seine Nachbarin nur und sagte Bescheid. Im Gegenzug trug er ihr dann die Einkaufstüten hoch.

Doch für immer im Neubau zu bleiben, war für den jungen Mann nie das, was er sich unter seiner Zukunft vorstellte. „Ich wollte schon immer irgendwann etwas Eigenes haben“, sagt Chalaitzidis. Deshalb suchte er sich auch eine relativ günstige Wohnung – um sein Geld zu sparen. Dass er mit 18 Jahren in den Plattenbau am Markt zog, war jedoch keine bewusste Entscheidung. „Es war einfach groß genug und hat preislich gestimmt“, sagt Chalaitzidis. Und vor zwei Jahren hätte sich dann die Möglichkeit ergeben. Er kaufte ein Grundstück, fing an zu bauen und erfüllte sich seinen Traum vom eigenen Haus.

Durch Boxsport und Fußball bekannt

Während sich zu DDR-Zeiten noch viele junge Menschen nach einer Wohnung im Neubau sehnten und auch deshalb möglichst früh heirateten und Kinder bekamen, ist es heute anders. Der Traum vom Eigenheim hat den Wunsch nach einer Wohnung bei vielen längst abgelöst. Auch im Freundeskreis von Alexandros Chalaitzidis ist das so. „Viele meiner Freunde haben selbst gebaut, oder sich ein älteres Haus renoviert“, sagt er. Das bringe natürlich mehr Verantwortung mit sich, aber im gleichen Zuge auch deutlich größere Freiheiten. Dass das Leben in der Platte früher einen anderen Wert hatte, höre er aber oft durch die Erzählungen älterer Arbeitskollegen. „Früher hatten die Blocks auch irgendwie Kultstatus“, sagt Chalaitzidis.

Für ihn war es eine bewusste Entscheidung, sich in Demmin ein Grundstück zu suchen. Seine Familie habe er hier und durch den Boxsport und Fußball kenne er so gut wie alle jungen Leute. „Wir sind hier auf jeden Fall angekommen“, sagt er. Bevor die Familie 2004 nach Demmin kam, wohnten sie in verschiedenen anderen Städten, darunter auch Grimmen. Dort machten sie jedoch schlechte Erfahrungen mit Fremdenfeindlichkeit und zogen schließlich in die Hansestadt. Demmin ist seiner Ansicht nach ein guter Ort zum Leben, auch für Familien. Vor allem weil die Umgebung so schön ist und der Ort so übersichtlich. „Meine Mutter wusste früher immer, wo ich war und was ich gemacht habe“, erinnert er sich.

Zu wenig Arbeitsplätze in Demmin

Dass dennoch viele junge Leute die Stadt verlassen, könne er aber verstehen. „Wir haben hier zu wenig Arbeitsplätze. Es wäre schön, wenn sich da in Demmin etwas verändern würde“, sagt Chalaitzidis. Das Vorurteil, dass in Demmin nichts los sei, stimmt seiner Meinung nach aber nicht. „Spätestens am Wochenende schreibt irgendjemand, wo etwas geht, und wir treffen uns alle“, sagt Chalaitzidis. Zudem würden viele Leute irgendwann in ihre Heimatstadt zurückkehren.

Im neuen Haus wohnt er jetzt gemeinsam mit seiner Familie, in der Neubauwohnung lebte er hingegen allein. Aufgehoben habe er sich dort dennoch gefühlt, auch durch die Nachbarn. Doch eine richtige Hausgemeinschaft seien sie nicht gewesen. „Das wird ja oft erzählt, dass das Leben zu DDR-Zeiten gemeinschaftlicher war“, sagt er. Heute lebten hingegen alle mehr für sich. „Das merkt man schon. Es gibt nicht mehr so eine große Bereitschaft, einander zu helfen“, sagt Alexandros Chalaitzidis. Obwohl ihm seine Freunde beim Hausbau natürlich zur Seite standen, nachdem er sie gefragt hat.

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