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Vor den Bauarbeiten Schäden dokumentieren

Die Treptower Straße, ab Juni Großbaustelle mitten in der Altstadt. Häuser, die dadurch Schaden nehmen, haben ohne Beweissicherung wenig Chancen auf Ersatz. Die Ruine des Zille-Hauses (unten rechts) wohl sowieso nicht.
Die Treptower Straße, ab Juni Großbaustelle mitten in der Altstadt. Häuser, die dadurch Schaden nehmen, haben ohne Beweissicherung wenig Chancen auf Ersatz. Die Ruine des Zille-Hauses (unten rechts) wohl sowieso nicht.
Carsten Büttner

Wenn im Juni der Ausbau der Treptower Straße beginnt, steht manches Altstadt-Wohnhaus buchstäblich am Abgrund. Was tun, wenn sich plötzlich Risse im Putz zeigen, verursacht durch die Bauarbeiten? Wer da nicht vorher tätig wird, hat wohl schlechte Karten.

So tief hinein in den Keller der Demminer Altstadt hat sich schon lange niemand heruntergebuddelt wie es die Bauleute ab Juni in der Treptower Straße vorhaben. Grundhafter Ausbau, das meint nicht nur neuen Asphalt: Die e.dis will bei der Gelegenheit neue Stromkabel verlegen, die GKU ihre Wasserrohre austauschen und die Kanalisation modernisieren. Die Stadtwerke erwägen eine Fernwärmeleitung in den aufgegrabenen Straßenschacht zu versenken.

Mit anderen Worten: Das wird Tiefbau XXL. Und rechts und links Altstadthäuser, dicht an dicht. Was passiert eigentlich, wenn da etwas absackt oder sich etwa plötzlich Risse in einer Wand bilden? Bleiben die Hausbesitzer auf dem Schaden sitzen oder steht ihnen ein langer Rechtsstreit mit dem Straßenbauamt bevor? Ronald Normann kennt solche Sorgen und Fragen. Der Chef des bisherigen Straßenbau- und jetzigen Autobahnamtes Güstrow – noch zuständig für die Planungsphase der Sanierung der B 194 im Demminer Stadtgebiet – rät daher den Hausbesitzern und Mietern längs der Demminer Großbaustelle 2015/16 dringend zu einer vorherigen Beweissicherung. Und zwar vor Beginn der Bauarbeiten.

Gutachten keine Pflicht, aber ratsam

Man werde zu dem Zweck noch einen unabhängigen Bausachverständigen beauftragen, der die Gebäude im Bereich der Baustelle in ihrem Ist-Zustand begutachten und dokumentieren werde: „Das Ganze ist natürlich freiwillig, man muss den Gutachter nicht ins Haus oder die Wohnung lassen. Aber ich kann eigentlich jedem Betroffenen nur dazu raten, diese Beweissicherung vornehmen zu lassen. Denn im Fall des Falles hat man als Hausbesitzer ansonsten schlechte Karten.“

Soll wohl heißen: Wer ohne vorherige unabhängige Dokumentation durch einen Sachverständigen anschließend Bauschäden erkennt und diese dem Straßenbauamt in Rechnung stellen möchte, wird dann möglicherweise leer ausgehen. „Wir können aus naheliegenden Gründen nur die Beweissicherung akzeptieren“, sagt Normann. Sonst hätte seine Behörde in manchen Fällen nach dem Straßenbau wohl auch noch die Sanierung der angrenzenden Häuser bezahlt. Der Bauexperte wird sich laut Straßenbauamt in den nächsten Wochen in den betreffenden Häusern der Treptower Straße melden. Schwierig dürfte die Dokumentation des Bauzustandes in der Treptower Straße allerdings am Zille-Haus werden. Die Wohnhaus-Ruine an der Kreuzung Schillerstraße ist derart baufällig, dass sie demnächst von allein einzustürzen droht. Sollte die Wohnungsbaugesellschaft auf die Idee kommen, dort eine Beweissicherung vornehmen zu lassen, hat der Gutachter wohl einen harten Tag vor sich.