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Übergabe im Südosten Polens: Der aus Jarmen stammende Andreas Portugal hat für „Apotheker ohne Grenzen“ eine Hilfslieferung für die Ukraine bis kurz vor die Grenze gebracht. Auch die Koordinierung der Aktionen für das osteuropäische Land läuft über seinen Tisch. Stefan Hoeft
Der aus Jarmen stammende Andreas Portugal hat für „Apotheker ohne Grenzen” eine Hilfslieferung für die U
Der aus Jarmen stammende Andreas Portugal hat für „Apotheker ohne Grenzen” eine Hilfslieferung für die Ukraine bis kurz vor die Grenze gebracht. Stefan Hoeft
Immer wieder begegnen einem auf den Autobahnen in Polen Fahrzeuge, die offensichtlich Hilfe für die Ukraine und deren B&u
Immer wieder begegnen einem auf den Autobahnen in Polen Fahrzeuge, die offensichtlich Hilfe für die Ukraine und deren Bürger gen Osten bringen. Stefan Hoeft
„Solidariät mit der freien Ukraine“: An vielen Stellen in Polen wie hier auf einer Anzeigetafel über der
„Solidariät mit der freien Ukraine“: An vielen Stellen in Polen wie hier auf einer Anzeigetafel über der Autobahn nahe Krakau ist die Solidarität mit dem Nachbarland zu spüren und zu sehen. Stefan Hoeft
Auch Busse aus Spanien sind unterwegs, um Kriegsflüchtlinge abzuholen.
Auch Busse aus Spanien sind unterwegs, um Kriegsflüchtlinge abzuholen. Stefan Hoeft
Die Ukraine fast schon in Sichtweite: Der aus Greifswald aufgebrochene Hilfstransport rollte erst nach Jarosław, dann nach Pr
Die Ukraine fast schon in Sichtweite: Der aus Greifswald aufgebrochene Hilfstransport rollte erst nach Jarosław, dann nach Przemyśl. Von dort fuhr eine ukrainische Familie mit zurück. Stefan Hoeft
Rund zehn Kilometer von der ukrainischen Grenze: Hinter diesem Parkplatz im polnischen Przemyśl verbirgt sich ein große
Rund zehn Kilometer von der ukrainischen Grenze: Hinter diesem Parkplatz im polnischen Przemyśl verbirgt sich ein großes Aufnahmelager für Flüchtlinge. Fast pausenlos kommen neue hinzu, während immer wieder Transporte gen Westen organisiert werden. Stefan Hoeft
Hilfstransport

Vorpommerscher Apotheker bringt Hilfe für Ukrainer bis an die Grenze

Der Pharmazeut Andreas Portugal macht für „Apotheker ohne Grenzen“ die Koordinierung der Ukraine-Hilfe. Und jetzt selbst eine Lieferung bis dicht ans Kriegsgebiet gefahren.
Jarmen

Andreas Portugal hat schon eine Menge von der Welt gesehen, auch was humanitäre Krisen angeht. Denn der 48-Jährige, der in Jarmen aufgewachsen ist und in der Peenestadt bis 2021 eine Apotheke samt Filiale in Tutow betrieb, gehört zu den Gründungsmitgliedern und Aktivisten von „Apotheker ohne Grenzen“ (AoG). Einer im Juni 2000 in Leben gerufenen Organisation mit Sitz in München, die sich auf langfristige Entwicklungshilfe mit speziellen Projekten konzentriert, aber auch auf akute Einsätze in Katastrophengebieten. Getragen vor allem von Berufskollegen, die ihren Fachverstand vor Ort einsetzen und Spenden zugunsten von Arzneimitteln und Ausrüstung.

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Viele Auslandseinsätze

Der mittlerweile in Greifswald wohnende Vorpommer sitzt trotz seines Rückzugs aus dem Geschäftsleben nach wie vor im AoG-Vorstand und bringt dort seine langjährige Erfahrung bei der Organisation von Auslandseinsätzen ein. Immerhin war Portugal beispielsweise Anfang 2001 nach einem schweren Erdbeben in Nordindien, später in Sri Lanka, das von dem gewaltigen Tsunami um die Weihnachtszeit 2004 betroffen war. Anfang 2010 diente seine Jarmener Apotheke als Schaltstelle bei der Hilfe für die Erdbebenopfer in Haiti, im November 2013 rückte er auf die von einem Taifun heimgesuchten Philippinen ab und nach einem Frühjahrshochwasser half er 2014 auf dem Balkan. Und nun läuft über seinen Tisch beziehungsweise Computer und Telefon die Ukraine-Hilfe des Vereins.

Hilfe ist auch rechtlich eine Herausforderung

Allerdings stellt dieses Engagement organisatorisch und emotional ihn und seine Mitstreiter vor teils völlig neue Herausforderungen. Denn bisher kümmerten sie sich um die Beseitigung beziehungsweise Linderung von Folgen verschiedenster Naturkatastrophen. Aber was da gerade in Osteuropa passiert, ist eine durch die Aggression Russlands gegen seinen Nachbarn menschengemachte Not und findet sozusagen fast direkt vor der eigenen Haustür statt. Für „AoG“ auch rechtlich eine Herausforderung, denn laut Satzung kann die Organisation keine Leute in Kriegsgebiete schicken. Deshalb wird die Ukraine-Hilfe vor allem über Polen und dort ansässige Partner realisiert, wie er dem Nordkurier erläuterte.

Medikamente und medizinische Ausrüstung

Schon kurz nach dem Ausbruch der Kampfhandlungen schickte Andreas Portugal auf diese Weise einen Konvoi mit Verbands- und Hilfsmitteln für ukrainische Krankenhäuser, der zu großen Teilen von AoG finanziert wurde, über die polnisch-ukrainische Grenze. Mehrere weitere, auch mit dringend benötigten Medikamenten und Ausrüstung, folgten inzwischen. Nun machte sich der Vorpommer auch persönlich auf den Weg, um mit einem Kleintransporter zwei Paletten voller Dinge, die von Medizinern aus Kiew angefordert worden waren, ins Nachbarland zu bringen.

Fahrzeuge aus ganz Europa

Die Tour führte ihn an Stettin vorbei samt einem nächtlichen Zwischenstopp in Breslau über Krakau bis ins mehr als tausend Kilometer entfernte Karpatenvorland im äußersten Südosten Polens. Und je näher das Ziel kam, um so präsenter wurde die Krisenlage: jede Menge polnisches Militär auf dem Weg gen Osten, zahlreiche öffentliche Solidaritätsbekundungen für die Ukraine und Hinweise auf Hilfsangebote für deren Staatsbürger sowie unzählige Busse, Lastwagen, Kleintransporter und Pkw aus ganz Europa, die offensichtlich Hilfsgüter an Bord hatten und/oder Mitfahrgelegenheiten gen Westen anboten.

Treffen mit Kontaktleuten

Andreas Portugal steuerte die rund 30 Kilometer Luftlinie von der Grenze befindliche Kleinstadt Jarosław neben der Europastraße 40 an, wo bereits eine mit seinen Kontaktleuten in Verbindung stehende polnische Familie wartete. Gemeinsam wurden die Spenden von Hand in deren Transporter umgeladen, wenig später machten sich diese Leute dann auf zur nächsten Etappe ins westukrainische Lwiw, das ein Dreh- und Angelpunkt für die Verteilung von Hilfsgütern ist. Ein offensichtlich gut funktionierendes System, denn bereits zwei Tage darauf erhielt der Apotheker Nachrichten und Bilder von der Ankunft der Sachen in der ukrainischen Hauptstadt. Versehen mit einem herzlichen Dankeschön.

Es rollen sogar Busse aus Spanien und Portugal an

Er selbst fuhr derweil mit dem nun leeren Wagen noch bis auf etwa zehn Kilometer an die Grenze heran – ins rund 60 000 Bürger zählende Przemyśl. In der direkt an der Transitroute und Bahnstrecke liegenden Stadt befindet sich ein großes Notaufnahmelager für Kriegsflüchtlinge, einer der ersten und wichtigsten Anlaufpunkte für die aus dem Nachbarland geflohenen Menschen. Mitunter fast im Minutentakt rollten auf den gegenüber liegenden Parkplätzen eines Super- und Baumarktes Pkw und Kleinbusse mit meist ukrainischen Kennzeichen an, um ihre Passagiere abzusetzen und neue zu holen. Das Gros davon alte Frauen und jüngere Mütter mit Kindern. Letztere häufig maximal mit einem kleinen Rucksack und einem Plüschtier, die Frauen mit einer überschaubar großen Reisetasche oder einem Koffer in der Hand – mehr ist ihnen nicht geblieben.

Alle werden registriert

Die Polen geben sich große Mühe, diesen Personen Hilfe zukommen zu lassen, auch mit Unterstützung vieler ausländischer Helfer. Aber die Masse der Menschen macht das alles andere als leicht. Die Verteilung der Flüchtlinge in andere Regionen Polens und ins Ausland stellt eine große Herausforderung dar, zum einen wegen sprachlicher Barrieren, zum anderen, weil die vielen unterschiedlichen Reisehoffnungen gen Westen längst nicht immer mit den Angeboten übereinstimmen. Selbst wenn dort sogar Busse aus Spanien und Portugal anrollen. Wobei diese „Chauffeure“ keinen direkten Zugang zur Unterkunft erhalten, um etwaigen Missbrauch oder Menschenhandel auszuschließen. Jeder Fahrer muss sich und sein Auto registrieren lassen und bekommt ein Armband, gleiches gilt für die dann zugeordnete Gruppe Ukrainer. Sprich später lässt sich genau nachverfolgen, wer wen mitgenommen hat. Ein gut durchdachtes System, befand Andreas Portugal, der die bei der Heimreise freie zweite Sitzreihe seines Transporters zur Verfügung stellte.

Kind, Mutter und Oma wollen nach Belgien

So ging es am späten Nachmittag mit einer Ukrainerin, ihrer dreijährigen Tochter und deren Oma zurück nach Deutschland. Das Trio kommt aus der südukrainischen Region Saporischschja, die am Dnepr liegt, hatte bereits eine tagelange Odyssee hinter sich. Und wollte nun unbedingt nach Belgien, wo Verwandte beziehungsweise Bekannte leben. Also wurde die ganze Nacht hindurch gefahren, um morgens gegen 4.30 Uhr in Greifswald zu sein. Wo es nicht nur ein Frühstück und etwas Zeit zum Aufwärmen gab, sondern auch die Klärung wichtiger Fragen in der Muttersprache der Ankömmlinge.

Familie aus dem Donbass wieder in Vorpommern

Schließlich ist bei Portugals seit Wochen die aus dem Donbass stammende Familie Shykolay einquartiert, die von 2015 bis 2017 in Jarmen ein Obdach gefunden hatte und dann die Bundesrepublik wieder verlassen musste (der Nordkurier berichtete). Inzwischen floh sie ein zweites Mal vor dem Krieg nach Vorpommern, demnächst soll der Umzug in eine eigene Wohnung in der Universitätsstadt erfolgen. Mutter Natalia übernahm das Übersetzen zwischen ihrem Gastgeber und den Landsleuten aus dem Lager Przemyśl, dann ging es noch am Morgen auf den Greifswalder Bahnhof, von wo wochentags eine Zugverbindung Richtung Brüssel besteht, die nur ein einziges Umsteigen in Köln erfordert. Bahnangestellte nahmen das Trio aus Saporischschja unter ihre Fittiche, sodass alles bestens klappte und sie sich bald zurückmeldeten, gut in Gent angekommen zu sein, der Provinzhauptstadt Ostflanderns.

 

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