Der Brand im Sommer vor fünf Jahren gab dem Neu Plötzer Reihenhauskomplex den Rest, seither beschleunigte sich der Z
Der Brand im Sommer vor fünf Jahren gab dem Neu Plötzer Reihenhauskomplex den Rest, seither beschleunigte sich der Zerfall noch. Stefan Hoeft
Die Stadt Jarmen möchte lieber heute als morgen einen Besitzerwechsel für die Ruinenreihe an der Kreisstraße i
Die Stadt Jarmen möchte lieber heute als morgen einen Besitzerwechsel für die Ruinenreihe an der Kreisstraße in ihrem Ortsteil Neu Plötz. Stefan Hoeft
Schandfleck

Vorsichtiger Optimismus bei Neu Plötzer Ruinen

Zur berühmt-berüchtigten Ruinen-Reihe an der Kreisstraße durch Jarmens Ortsteil Neu Plötz sollen im kommenden Frühjahr „vorzeigbare Ergebnisse” vorliegen.
Neu Plötz

Einstmals dank des dort angesiedelten Volkseigenen Gutes (VEG) eine Art sozialistisches Vorzeigedorf, steht der Jarmener Ortsteil Neu Plötz heute vor allem für den demografischen Nachwende-Abschwung der vorpommerschen Provinz und den Zerfall alter Strukturen. Schon seit vielen Jahren prägen die Überreste ehemaliger Wohn- und Funktionsgebäude entlang der Kreisstraße das Bild. Und wäre das nicht des schlechten Rufs genug, verbindet sich nach dem Niederbrennen des unweit gelegenen Stallkomplexes der Schweinezucht Alt Tellin die nächste große Ruine mit dem Namen Neu Plötz.

Während die Peenestadt dort draußen völlig außen vor ist, weil das Areal in der Nachbargemarkung liegt, die dem Betrieb als Namenspate diente, kämpft sie im Dorf selbst seit vielen Jahren um eine Beseitigung des wohl längsten Schandflecks der Region. Was angesichts der Eigentumsverhältnisse allerdings lange wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel wirkte. Denn seit Anfang des Jahrtausends gehört das rund 1,4 Hektar umfassende Grundstück dem in Hessen ansässigen Verein „solidär e.V.“, einem im Nachhinein betrachtet eher zwielichtigen Gebilde mit einem dubios erscheinenden Chef. Er ließ das Areal zur illegalen Müllkippe und zum gefährlichen Abenteuerspielplatz verkommen, obendrein von einer Kreditbürgschaft belastet. Der Vereinsvorsitzende schien für die Kommune kaum erreichbar, eine Beräumung ließ sich nicht durchsetzen. Und dann starb der Mann auch noch und hinterließ eine völlig unklare Rechtslage.

Grundstücksverkauf und Abriss sind das Ziel

Weil die Angehörigen das Neu Plötzer „Erbe“ ausschlugen und „solidär e.V.“ selbst offensichtlich arbeitsunfähig war, initiierte die Jarmener Verwaltung im Frühjahr 2020 die Berufung eines sogenannten Notvorstandes, vorangetrieben über eine Greifswalder Kanzlei. Diese Funktion habe inzwischen der hiesige Anwalt Peter Warnke übernommen, berichtete Vizebürgermeister und Ordnungsamtsleiter Rainer Hardt der Stadtvertretung. Er sieht die Kommune damit ihrem Endziel ein deutliches Stück näher, auch weil die handelnden Personen nun vor Ort sind.

„Unser Ziel ist es, dass das Grundstück verkauft und dann abgerissen wird,“ so der Mann aus dem Rathaus. Um die dafür nötige Zwangsversteigerung anzuschieben, seien die eigenen finanziellen Forderungen an den Verein bei Gericht geltend gemacht worden. Insbesondere geht es dabei um nicht bezahlte Grundsteuern. „Wir sind jetzt guter Hoffnung, dass wir das in einem Jahr abgeschlossen haben. Optimistischer kann ich leider nicht sein“, erklärte Hardt mit Blick auf die bisherigen Erfahrungen. „Im Frühjahr dürften schon vorzeigbare Ergebnisse vorliegen.“

Schornstein zur Gefahrenabwehr abgerissen

Zuvor hatte der Linke-Abgeordnete Wilfried Zakertzewski nähere Auskünfte verlangt. „Das sieht da schlimm aus – wie nach dem Zweiten Weltkrieg“, so sein Kommentar zur Ruinenreihe. Wobei sein aus Plötz stammender CDU-Nebenmann Carl Hesse halb ironisch, halb sarkastisch anmerkte, dass sich dort mittlerweile ein so grünes Biotop entwickelt hat, dass hinter einem Abriss Fragezeichen ständen.

Gerade erst im Oktober allerdings sah die Kommune keine andere Wahl, als zumindest in jenem Teil der Bruchbuden-Landschaft, der einst eine beliebte Wohngegend war, schon mal mit Abrisstechnik einzugreifen – im Rahmen der Gefahrenabwehr. Dabei ging es um jenen Schornstein, der am Anfang der durch Brandfolgen und die Wettereinflüsse sich zunehmend zersetzenden Gebäudereste ziemlich frei in den Himmel ragte. Und bei einem Einsturz jederzeit den benachbarten Gehweg hätte treffen können, so der Ordnungsamtsleiter. Die Esse sei mittels Bagger heruntergenommen worden. Kosten übrigens, die wegen der Sicherheitsbelange vom Amt übernommen werden müssen und somit durch alle Gemeinden des Amtsbereich Jarmen-Tutow.

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