Verzögerungen

Was sagt die Gemeinde zur Privatschule in Wietzow?

Eigentlich sollte im Daberkower Ortsteil Wietzow längst eine neue Schule durchstarten. Doch erst jetzt befasst sich die Gemeinde mit der Stellungnahme dazu. Denn bisher fehlten ihr belastbare Fakten.
Ein „Schloss“ hat das kleine Wietzow bereits, jetzt will ein Verein am anderen Ende des Daberkower Ortsteiles eine
Ein „Schloss“ hat das kleine Wietzow bereits, jetzt will ein Verein am anderen Ende des Daberkower Ortsteiles eine Schule einrichten. Darüber soll am Montag in der Gemeindevertretung beraten werden. Stefan Hoeft
Wietzow

Wenn sich die Daberkower Gemeindevertretung am Montag, 7. September, um 19 Uhr zu einer Dringlichkeitssitzung trifft, dann ist das zwar vor allem ihren Spielplatz-Plänen geschuldet. Denn die entsprechende Auftragsvergabe muss schleunigst vollzogen werden, um die Förderfristen für das Vorhaben einhalten zu können. Doch viel mehr Bedeutung inklusive einiger Sprengkraft für die Kommune und den Amtsbereich Jarmen-Tutow dürfte ein Beratungspunkt aufweisen, der in diesem Zuge gleich mit auf die Tagesordnung rutschte: Stellungnahme der Gemeinde zum Vorhaben Privatschule in Wietzow.

Schließlich will der vergangenes Jahr in dem Ortsteil gegründete Verein „ZEITREIF“ dort eine für die Eltern kostenpflichtige „Kleine Dorfschule Vorpommern“ eröffnen. So jedenfalls kündigt er es auf seiner umfangreichen Internet-Präsentation an, verbunden mit einer entsprechenden Stellenanzeige für Schulleitung und LernbegleiterInnen. Demnach sollte der Betrieb mit voraussichtlich zehn Kindern im Alter von sechs bis acht Jahren bereits zum Schuljahr 2020/2021 starten, also mit dem 1. August. Perspektivisch ist von circa 30 Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren die Rede, einschließlich Orientierungsstufe. Doch aus dem Startschuss wurde vorerst nichts, sowohl das Genehmigungs- als auch das Baugenehmigungsverfahren dafür scheinen sich hinzuziehen.

Gefahr für bestehende Einrichtungen?

Wie und was genau da der Stand ist, weiß allerdings nicht mal Bürgermeister Olaf Hecht, wie er dem Nordkurier erklärte. „Ich habe da nach wie vor keine offiziellen Informationen zu.“ Denn seine Gemeinde sei an beiden Verfahren nicht beteiligt. Anders als die Nachbarkommunen Jarmen und Tutow, die vom Bildungsministerium um eine Stellungnahme gebeten wurden, weil sie Schulträger sind. Beide äußerten sich ebenso wie die Amtsverwaltung negativ zu den Vereinsplänen, weil sie angesichts der Schülerzahlen in der Region eine Gefährdung der bestehenden Bildungsstandorte befürchten und bereits genügend Auswahlmöglichkeiten für Familien vorhanden sehen.

Bei der Gemeinde Daberkow hingegen ist der Vorhabensträger lediglich seitens des Landkreises angehalten worden, sich mit ihr ins Benehmen zu setzen, so Hecht. Allerdings blieb „ZEITREIF“ dort bis zur jüngsten Abgeordnetentagung Ende Juli sozusagen gesichtslos. Denn bei der angeführten Telefonnummer für Kontakte und Anmeldungen gab es keinen dazu gehörigen Namen, außerdem scheiterten viele Anrufversuche dort. Auch die vom Nordkurier, selbst die Rückrufbitten auf der Mailbox blieben erfolglos. Und der Abgeordnete Raik Mulsow aus Wietzow, auf dessen Grundstück die Pläne wohl umgesetzt werden sollen, erklärte seinen „Kollegen“ bei dieser Gelegenheit, nicht mehr Mitglied in dem Verein zu sein.

Viele Unterschriften gegen Schul-Projekt

Gleichwohl wollte er die Runde zu einer umgehenden Stellungnahme zur Dorfschule veranlassen, nachdem die Vorstandsvorsitzende Gundula Tews bei diesem Juli-Termin erschienen war. Sie entschuldigte die schlechte Erreichbarkeit mit ihrem Vollzeitjob und musste sich nicht nur deshalb einige kritische Anmerkungen auch aus den Reihen der anwesenden Einwohner anhören. Von „integriert in das dörfliche Leben“, wie es auf der Internet-Präsentation heißt, kann bisher jedenfalls keine Rede sein, so die Quintessenz. Zumal es zwischenzeitlich im Ort sogar eine stark frequentierte Unterschriftensammlung gegen das Vorhaben gab, wie der ebenfalls aus Wietzow stammende Bürgermeister bestätigt.

Letztlich weigerten sich sogar Abgeordnete, die durchaus Sympathien für die Schul-Idee erkennen ließen, an diesem Abend eine Entscheidung zu treffen. Die Mehrheit forderte sich mehr Zeit ein, um die so kurzfristig vermittelten Details zu bewerten. Überdies möchten sie Aussagen zu einem Verkehrskonzept, da so eine Lehrstätte für das kleine Sackgassendorf deutlich mehr Fahrzeugbewegungen mit sich bringen dürfte als bisher.

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