FEINE SAHNE FISCHFILET

„Wasted in Jarmen“ auf Abstand soll es nicht geben

Es dürfte angesichts der Corona-Entwicklung kaum verwundern, dass es auch 2021 kein neues „Wasted in Jarmen” geben wird. Auf der faulen Haut liegen die Musiker von Feine Sahne Fischfilet aber nicht.
Aus Bild aus den Tagen vor Corona: Eine fünfte Auflage des Open-Air-Festivals „Wasted in Jarmen“ wird es auch
Aus Bild aus den Tagen vor Corona: Eine fünfte Auflage des Open-Air-Festivals „Wasted in Jarmen“ wird es auch 2021 nicht geben. Dabei liefen bereits erste Vorbereitungen, wie es von der Band „Feine Sahne Fischfilet“ hieß. Stefan Hoeft
Aus Bild aus den Tagen vor Corona: Eine fünfte Auflage des Open-Air-Festivals „Wasted in Jarmen” wird es auch
Aus Bild aus den Tagen vor Corona: Eine fünfte Auflage des Open-Air-Festivals „Wasted in Jarmen” wird es auch 2021 nicht geben. Dabei liefen bereits erste Vorbereitungen, wie es von der Band „Feine Sahne Fischfilet” hieß. Stefan Hoeft
Nach dem selbstgewählten Sabbatjahr 2020 hätten Bassist Kai Irrgang und seine Kollegen von „Feine Sahne Fischf
Nach dem selbstgewählten Sabbatjahr 2020 hätten Bassist Kai Irrgang und seine Kollegen von „Feine Sahne Fischfilet” durchaus wieder Bock auf die Bühnen dieser Welt. Doch nun zwingt ihnen die Pandemie eine Pause auf. Stefan Hoeft
Vor den Landtagswahlen 2016 in Mecklenburg-Vorpommern machten die Musiker mit ihrer Kampange „Noch nicht komplett im Ars
Vor den Landtagswahlen 2016 in Mecklenburg-Vorpommern machten die Musiker mit ihrer Kampange „Noch nicht komplett im Arsch” von sich reden, ein Höhepunkt war der Auftritt mit Rapper Marteria auf dem Platz vorm Anklamer Bahnhof. Stefan Sauer
Jarmen ·

Nachdem die Band „Feine Sahne Fischfilet“, deren Wurzeln am mittleren Peenetal liegen, für 2020 eine musikalische Schaffenspause und den weitgehenden Rückzug aus der Öffentlichkeit angekündigt hatte und wenig später die Corona-Pandemie Fahrt aufnahm, wirkte dieser Zeitpunkt fast schon zu perfekt gewählt. Sodass einige zumindest scherzhaft unkten, die Jungs hätten wohl vor allen anderen von dem geahnt, was auf uns zukommt. Oder sogar ihren Anteil daran.

Das weiß auch Bassist Kai Irrgang aus Loitz, kann darüber inzwischen aber nur noch bedingt schmunzeln: „Wenn wir dafür verantwortlich wären, dann hätten wir es schon längst wieder beendet“, äußerte er im Gespräch mit dem Nordkurier. Zumal die Truppe inzwischen durchaus wieder Bock auf neue Musik und Konzerte verspürt, das für diese Branche so wichtige Lebenselixier Fan-Kontakte vermisst. Und trotz Sparflamme bereits im Vorjahr im Hintergrund begonnen hatte, die Fäden für ein neues „Wasted in Jarmen“ zu ziehen.

„Ein Sitzplatzkonzert können wir uns nicht vorstellen”

Also jenes Festival, das die Akteure um den aus diesem Ort stammenden Frontmann und Sänger Jan „Monchi“ Gorkow als ihr „Dorffest“ bezeichnen und mit dem sie die Autobahnstadt weit über Vorpommerns und die deutschen Grenzen hinaus bekannt gemacht haben. Die erste Auflage auf und um den Motoballplatz gab es 2016, bei Nummer vier 2019 war das gesamte Areal bis einschließlich der Badeanstalt am Zarrenthiner Kiessee mit einbezogen, schauten schätzungsweise insgesamt um die fünftausend Besucher vorbei. Damals wurde über zwei volle Tage gefeiert, bekam das Ganze von vielen Teilnehmern und Beobachtern die Note „nahezu perfekt“. Zwar hielt FSF sich immer offen, dieses Format auch wieder zu beerdigen. „Doch wir wollten das schon jetzt gerne wiederholen“, machte Kai Irrgang klar.

Auch wenn bisher öffentlich gar nichts dazu angekündigt wurde, gab es auf der Facebook-Seite der Band so etwas wie eine offizielle Absage zu dem für Anfang September anvisierten Termin. Denn ein ähnliches Open-Air wie üblich erscheint den Musikern gegenwärtig undenkbar. Doch eine Art „Wasted in Jarmen“-Light wollen sie nicht. „Selbstverständlich wären wir dazu bereit gewesen, verschiedenste Auflagen zu erfüllen. Von Anfang an arbeiteten wir an einem Hygienekonzept“, schreiben sie. „Aber: Ein Sitzplatzkonzert, ein Festival nur mit Abstand, mit Alkoholverbot, mit zig Auflagen, ohne Rock’n’ Roll ... wir können und wollen es uns nicht vorstellen. Und darauf würde es aus unserer Sicht in diesem Sommer definitiv hinauslaufen.“

Darüber hinaus sehen sich die jungen Männer auch in einer besonderen Verantwortung den Fans und der hiesigen Region gegenüber. Sie gehen nämlich davon aus, dass bis Anfang September längst nicht alle Menschen, die sich impfen lassen wollen, an die Reihe gekommen sind. Da möchten sie nicht Tausende Leute zusammenlocken und für eine mögliche Verbreitung des Virus sorgen, schon gar nicht die Inzidenzzahlen in ihrer Heimat in die Höhe treiben. Denn was Corona für Folgen haben kann, ist ihnen ziemlich bewusst.

Masken-Aktion für Bedürftige

Unter anderem deshalb starteten die Musiker im Februar eine ganz besondere Initiative: Angesichts des mangelnden Nachschubs von staatlicher und Händlerseite brachten sie selbst zertifzierte FFP2-Masken mit ihrem eigenen Aufdruck in ihren Online-Shop. Zwar preislich deutlich über dem sonst üblichen Durchschnitt, aber mit sozialem Kalkül. Schließlich finanzierte jedes verkaufte Exemplar ein zweites mit, das sie kostenlos an verschiedene Initiativen, Vereine und Bedürftige in Mecklenburg-Vorpommern spendeten – die allerdings ohne Logo.

Eine Idee, die wie eine Bombe einschlug, so dass wohl weit mehr als die vorsichtshalber nur 3000 georderten Stück unter die Leute hätten gebracht werden können, wie Kai Irrgang berichtete. Gerade mal ein Wochenende habe es gedauert, dann war alles ausverkauft. Inzwischen seien auch die kostenlosen Mund-Nase-Bedeckungen ausgeliefert. In Jarmen etwa waren es 500 zur weiteren Verteilung an die Kirchengemeinde.

In Arbeitsquarantäne wird an neuen Songs geprobt

Auf die im September anstehenden nächsten Bundes- und Landtagswahlen angesprochen, zeigte sich die Truppe hingegen noch ausgesprochen bedeckt. Immerhin hatte sie im Vorfeld der Abstimmung 2016 für das Parlament im Schweriner Schloss ihre Kampagne namens „Noch nicht komplett im Arsch“ auf die Beine gestellt, die sie mit verschiedensten Veranstaltungen durch ganz Mecklenburg-Vorpommern führte. Höhepunkte waren das Marteria-Konzert am Anklamer Bahnhof und eben das erste „Wasted in Jarmen“ als krönendes Finale.

Zumindest bestätigte der FSF-Bassist, dass er und seine Mitstreiter sich derzeit wieder mit ihrem gemeinsamen Metier beschäftigten, also am Texten, Musizieren und Proben für neue Songs sind. Dazu befinde sich die Band an einem Ort in der Region gemeinsam in Arbeitsquarantäne, inklusive jeder Menge Spaß. Ob und was dabei herauskommt, dürfte vermutlich weit vor dem nächsten „Wasted in Jarmen“ zu erfahren sein.

 

Der Demmin-Überblick per Mail

Was gibt's Neues im Demminer Land? Unsere Reporter fassen wöchentlich die wichtigsten Nachrichten und Geschichten für Sie in unserem kostenlosen Newsletter zusammen. Jetzt schnell anmelden!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Jarmen

zur Homepage

Kommentare (1)

Dass im Klassenkampf befindliche Deutschland nimmt linkspopulistische bzw. linksextremistische Kultur kaum noch differenziert wahr. Vorn weg der Bundespräsident. Der Rechtsstaat nimmt langsam Abschied.