DEMMINER MASSENSUIZID

Weiter Streit um Gedenkort für Opfer

1945 nahmen sich massenhaft Demminer aus Angst vor der Roten Armee das Leben. Ein neuer Gedenkplatz für dieses städtische Trauma sorgt aber weiterhin für heftige Diskussionen.
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Noch in dieser Woche will die fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe erneut über den neuen Gedenkplatz diskutieren. Da
Noch in dieser Woche will die fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe erneut über den neuen Gedenkplatz diskutieren. Dabei könnte es auch um eine Integration in das Tulpenfeld gehen. Denny Kleindienst
Demmin ·

Kommt der neue Gedenkplatz in Demmin – und wenn ja, wohin kommt er? Eine Frage, die schon Ende 2019 für Diskussionen gesorgt hat. Zwar besteht in der Sache grundsätzlich Einigkeit, allen Opfern der NS-Zeit und damit auch der Suizidopfer zu gedenken, die sich 1945 massenhaft das Leben nahmen aus Angst vor der Roten Armee. Vor einer friedlichen Debatte sind die Beteiligten jedoch ein gutes Stück entfernt.

„Kritik völlig deplatziert”

Jetzt äußerte sich Ernst Wellmer, Vorsitzender des Demminer Ortsverbandes im Volksbund Deutschen Kriegsgräberfürsorge zu dem von Wolfgang Holst angestoßenen Konflikt um den Standort. Holst, Mitglied des SPD-Ortsvereins, hatte die Wahl, auf der Grünfläche neben der Brücke zum Hanseviertel einen Gedenkort einzurichten, scharf kritisiert. Immerhin habe der Ort schon der NSDAP als Gedenkstätte gedient.

Altbürgermeister Wellmer sieht darin einen heftigen Angriff gegen die fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe. „Dieser eine ignorante Haltung bei der Wahl des Standortes vorzuhalten und ihr vorzuwerfen, ihre Mitglieder sollten wenigstens über einen minimalen historischen Hintergrund verfügen, ist nicht nur beleidigend, sondern auch völlig deplatziert!“, so Wellmer.

Geht Kritiker Holst unsensibel mit Massensuizid um?

Außerdem sei er erschrocken darüber, wie unsensibel dieses Thema zum Teil in der Öffentlichkeit diskutiert würde. „Der Speicherverein warnt vor einem überhasteten Gedenkort. Wolfgang Holst kritisiert die bisher fehlende vollständige Aufarbeitung des Massensuizids, die trotz mehrerer Symposien, Bücher und Filme wie "Über Leben in Demmin" meines Erachtens gar nicht möglich ist, sondern weiterhin nur versucht werden kann.“ Holst solle sich außerdem mit den lebenden Angehörigen und Bekannten zusammensetzen, wenn er der Meinung sei, dass „wer sich selbst tötet, kein Opfer sein könne“.

Auch den Vorwurf, dass der Arbeitskreis nicht genug tun würde, weist Wellmer zurück. Noch diese Woche soll der Standort erneut in dem Arbeitskreis diskutiert werden. Wellmer findet dabei den Vorschlag, den neuen Gedenkplatz mit dem „ResonanzFELLd“ zu verbinden, „durchaus überlegenswert“ und stellt klar: „Es gibt also keine brüllende Stille seitens unseres Verbandes, wie Wolfgang Holst im Internetauftritt des IVD verbreitet, sondern wir bemühen uns gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Gremiums um eine dem Anliegen entsprechende gute und akzeptable Lösung.“

 

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