Pandemie

Weniger Demminer Geburten, mehr Abbrüche im zweiten Corona-Jahr

Von wegen Baby-Boom: Im vergangenen Pandemie-Jahr stellte das Kreiskrankenhaus weniger Geburten, aber einen deutlichen Anstieg an Schwangerschaftsabbrüchen fest.
Viele süße Babys sind auch in diesem Jahr schon im Demminer Kreiskrankenhaus geboren worden.
Viele süße Babys sind auch in diesem Jahr schon im Demminer Kreiskrankenhaus geboren worden. ZVG
Neujahrsbaby Lotte Schade war die erste, die in diesem Jahr im Demminer Kreiskrankenhaus zur Welt kam. Die Kleine wurde am 1.
Neujahrsbaby Lotte Schade war die erste, die in diesem Jahr im Demminer Kreiskrankenhaus zur Welt kam. Die Kleine wurde am 1. Januar um 8.16 Uhr geboren und wog 2784 Gramm. ZVG
Demmin

Mit dem vergangenen Jahr ist Katrin Volkmann, Leitende Oberärztin der Gynäkologie am Demminer Kreiskrankenhaus, angesichts der Umstände recht zufrieden. „Trotz der Pandemie und der damit verbundenen Unsicherheit der werdenden Mütter“ seien in der Klinik nur unwesentlich weniger Kinder als im Vorjahr geboren worden.

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467 Frauen waren 2020 entbunden worden, 2021 lediglich zehn weniger. Mit den fünf Zwillingspaaren macht das 462 Kinder, denen die Mitarbeiterinnen der Geburtsklinik im vergangenen Jahr auf die Welt halfen. Zwei weitere Babys hatten es besonders eilig und wurden noch vor Ankunft im Krankenhaus geboren.

Aus Existenzangst gegen Kind entschieden

Von einem durch die Pandemie ausgelösten Babyboom könne keine Rede sein, im Gegenteil. Die Klinik beobachtet einen statistisch signifikanten Anstieg an Schwangerschaftsabbrüchen um etwa 30 Prozent. 103 Abbrüche seien 2021 vorgenommen worden.

„Davor waren es insgesamt immer so um die 70, maximal 80“, erinnert sich die Ärztin. Im vergangenen Jahr hingegen habe sich etwa jede fünfte Schwangere im Bereich der Klinik für einen Abbruch entschieden. „Wir können uns diesen Anstieg nur dadurch erklären, dass sich viele Eltern wegen Existenzängsten und Zukunftssorgen dagegen entschieden haben, das Kind auszutragen.“

Die Gründe, die bei den entsprechenden Informationsgesprächen in der Klinik genannt würden, seien zwar sehr vielfältig. „Aber finanzielle Sorgen spielen bei fast allen eine Rolle“, weiß Katrin Volkmann. Unter anderem fließen auch Erfahrungen von Arbeitslosigkeit und langen Phasen im Home-office mit den Kindern nach Einschätzung der Ärztin mit ein.

Viele Kurse ausgefallen

„Aber trotz der gesunkenen Geburtenzahlen ist es uns gelungen, statistisch recht gut dazustehen“, meint sie. Und, wichtiger noch: „Wir hatten den Eindruck, dass die Mütter mit der guten Betreuung vor, während und nach der Geburt sehr zufrieden waren und sich bei uns gut aufgehoben gefühlt haben.“ Und das, obwohl die Bedingungen erneut widrig waren. Nicht nur die durch die Kontaktbeschränkungen ausgefallenen Geburtsvorbereitungskurse in Gruppen und die Elterninformationsabende, die durch verstärkte Einzelberatungen abgefangen wurden, fehlten vielen werdenden Eltern.

Trotz der umfassenden Betreuung durch Hebammen, Ärzte und Schwestern waren auch im zweiten Corona-Jahr zusätzliche Einschränkungen nötig: Zum Schutz vor Infektionen gelten bis heute strengere Besuchsregeln. Angehörige dürfen die Mütter demnach bei einem Kaiserschnitt nicht in den OP begleiten, wobei sich das Team hier für eine Lockerung einsetzt.

Besuchseinschränkungen belasten die Mütter

Bei einer natürlichen Geburt müssen Begleitpersonen einen negativen Test vorweisen. Nicht alle Väter schaffen es dadurch laut Katrin Volkmann rechtzeitig in den Kreißsaal. Nach der Geburt kann sich der Partner oder eine andere Begleitperson zwar stationär aufnehmen lassen. Hat die Familie aber bereits Kinder, könne das Angebot häufig nicht angenommen werden. Für viele Mütter ist das schwer, weiß die Ärztin, auch wenn die meisten die Klinik nicht lange nach der Geburt verlassen könnten.

Noch schwerer aber sei es, wenn die Mutter selbst positiv getestet werde. Für das Baby bestehe dann zwar keine Gefahr, doch beide müssten isoliert werden. „Die Mutter hat dann keine Erholungspause, weil sie das Kind nicht kurzzeitig ins Säuglingszimmer geben kann“, erklärt Katrin Volkmann. Zudem warteten zu Hause oft weitere Kinder. Allerdings seien bislang sehr wenige Mütter positiv getestet worden und die Gynäkologie trotz gelegentlicher Personalausfälle durch Ansteckungen dank einer Impfquote von fast 100 Prozent bislang recht gut durch die Pandemie gekommen.

14 Hebammen in großem Umkreis aktiv

Ohnehin sind die Kreißsäle nach Angaben der Leitenden Oberärztin personell gut besetzt. Die angestrebte 1:1-Betreuung könne laut Katrin Volkmann dadurch fast immer gewährleistet werden – einen Hebammenmangel habe die Klinik nicht zu beklagen. Da die 14 Hebammen nicht beim Kreiskrankenhaus angestellt und damit auch nicht ans Schichtsystem angegliedert sind, stehen sie recht flexibel zur Verfügung. „Wir sind auch sehr dankbar, dass unsere Hebammen in einem großen Umkreis Schwangerschaftsvor- und -nachsorge anbieten können“, so die Ärztin.

Weil die Geburtshelferinnen teilweise selbst von weither kommen, entschieden sich auch die von ihnen betreuten werdenden Mütter aus der Nähe von Greifswald, Neubrandenburg, Altentreptow, Grimmen oder Teterow häufig für eine Entbindung am Demminer Kreiskrankenhaus. Nur wenige der Kinder, die hier zur Welt kommen, sind „echte Demminer“.

 

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Kommentare (1)

Hierzulande muss man froh sein über jedes einzelne geborene deutsche Kind. Ganz einfach, weil die so selten geworden sind. Antibabypille, Zeugungsstreik, Abtreibungen und Geburtsstreik sind die deutschen Antworten auf den demographisch aggressiven Geburten-Dschihad der anderen.