ÜBUNGSORT JARMENER MÜHLE

Wenn Mehlstaub zur Explosion führen würde

Die Lagebeschreibung klang dramatisch, als nach einem Übungsalarm mitten in der Dunkelheit ein Großaufgebot von Feuerwehrleuten an der Jarmener Mühle anrückte. Das Unternehmen gilt als einer der explosivsten Produktionsbetriebe in der Region.
Stefan Hoeft Stefan Hoeft
Insgesamt waren am Montagabend um die 30 Feuerwehrmänner und -frauen im Einsatz, sie rückten in sieben Blaulichtwagen an.
Insgesamt waren am Montagabend um die 30 Feuerwehrmänner und -frauen im Einsatz, sie rückten in sieben Blaulichtwagen an. Stefan Hoeft
Personen vermisst: Vorsichtshalber kam auch der eigene Krankentransportwagen der Jarmener Feuerwehr zum Einsatz.
Personen vermisst: Vorsichtshalber kam auch der eigene Krankentransportwagen der Jarmener Feuerwehr zum Einsatz. Stefan Hoeft
Zum Glück nur eine Übung: Im vierten Obergeschoss war ein Brand gemeldet.
Zum Glück nur eine Übung: Im vierten Obergeschoss war ein Brand gemeldet. Stefan Hoeft
Mehr als 110 Jahre produziert die Mühle in Jarmen bereits. So einiges hat sich seither verändert, vieles wurde moderner. Doch die Explosionsgefahr durch den Mehlstaub existiert nach wie vor.
Mehr als 110 Jahre produziert die Mühle in Jarmen bereits. So einiges hat sich seither verändert, vieles wurde moderner. Doch die Explosionsgefahr durch den Mehlstaub existiert nach wie vor. Stefan Hoeft
Jarmen.

Brand im vierten Obergeschoss und insgesamt drei im Gebäude vermisste Personen: Die Lagebeschreibung für die jüngste Übung der Jarmener Feuerwehr skizzierte alles andere als ein Kinderspiel. Zumal es sich beim Einsatzort um die sogenannte Kunstmühle am Hafen handelte, abgesehen von den benachbarten Speichern der größte „Wolkenkratzer“ der Peenestadt. Und vor allem einer der wohl explosivsten Produktionsbetriebe in der Region.

Seinen auch an der Fassade prangenden Zusatznamen bekam er bereits zur Gründung 1907, weil die damals dort verbauten Elektromotoren als neu und als Antrieb durch künstliche Energie galten. Inzwischen stellt Jarmen den einzigen Standort einer solchen Großmühle im Nordosten Deutschlands dar, die nächsten befinden sich erst in Hamburg und Berlin. Ihr Hauptprodukt, das Mehl, stellt indes auch den größten Risikofaktor in Sachen Sicherheit dar. Denn genau genommen handelt es sich um zu Staub zermahlenes Getreide. Und je feiner ein brennbarer Staub, desto größer seine Oberfläche, die bei einer Entzündung maßgeblich für das Ausmaß der Explosion ist. Sprich, im Extremfall bliebe vielleicht am Bollwerk nur noch ein großes Loch mit einem großen Schutthaufen drin übrig.

Sicherheitsvorschriften sind besonders streng

Genau deshalb unterliegen die Jarmener Mühle, ihr Personal und Produktionsablauf besonders strengen Sicherheitsvorschriften, hält der Betrieb seit Jahrzehnten eine enge Partnerschaft zur örtlichen Feuerwehr aufrecht. Ein Brandmelde- und Bekämpfungssystem samt Sprenkleranlagen soll Notfälle verhindern, hinzu kommt ein Alarmsystem bei den Angestellten, das auslöst, wenn sich ein Kollege in der Spät- oder Nachtschicht längere Zeit nicht mehr bewegt. Für die Betriebsgenehmigung muss die Firma überdies regelmäßige Übungen nachweisen, weiß Jarmens Wehrführer Gerhard Vockelmann. Der dies genau wie die Geschäftsführung als alles andere als eine lästige Pflicht ansieht.

Schließlich gehe es bei so einem Test wie am Montag gegen 20.30 Uhr nicht nur darum, die Zusammenarbeit der Kameraden insgesamt zu schulen, samt der Einbindung des Einsatzleitwagens ins Geschehen. Sondern nebenbei noch um Objektkunde, sprich seine Leute würden mit jedem Mal vertrauter mit der Mühle und deren Gegebenheiten, was im Ernstfall allen zugute komme. Mit dem späten Abend kam nun noch eine besonders schwierige Tageszeit hinzu. „Im Dunkeln ist ja doch alles ein bisschen anders.“

Personen aus verschiedenen Gebäudeteilen geborgen

Während ein Angriffstrupp aus Jarmen die Brandbekämpfung im vierten Stock übernahm und dort zu Übungszwecken eine Person barg, kümmerten sich die Kameraden der Löschgruppen Plötz und Daberkow an anderer Stelle des weitverzweigten Gebäudekomplexes um die Rettung einer Person aus dem Fahrstuhl. Die ebenfalls alarmierte Feuerwehr Völschow holte derweil jemanden aus der Werkstatt heraus, wo umgestürzte Argon-Flaschen die Lage laut Drehbuch verschärft hatten. Doch nach rund einer Dreiviertelstunde waren sämtliche Aufgaben gelöst.

„Im Großen und Ganzen hat das Zusammenspiel gut funktioniert“ lautet das offizielle Resümee Vockelmanns zu der Übung, an der insgesamt um die 30 Einsatzkräfte mit sieben Einsatzwagen teilnahmen. „Kleinigkeiten gibt es natürlich immer zu verbessern, etwa wenn mal vergessen wird, etwas mitzunehmen.“ Aber das alles sei noch umgehend am Gerätehaus ausgewertet worden. Sodass Gerhard Vockelmann schon auf die nächste Übung gespannt scheint.

 

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