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Jagd auf Katzen - ist das wirklich nötig?

„Fressen und gefressen werden“: Katzen sind nicht nur durch die Gesetze der Natur gefährdet. Auch der Mensch ist offenbar eine Bedrohung.
„Fressen und gefressen werden“: Katzen sind nicht nur durch die Gesetze der Natur gefährdet. Auch der Mensch ist offenbar eine Bedrohung.
Georg Wagner

Katzen abschießen – erlaubt ist das, ab 200 Metern vom Ortsrand entfernt. Nicht jeder Jäger drückt ab, wenn sich die Stubentiger auswärts bewegen. Andere Waidmänner haben weniger Skrupel. Eine kontroverse Debatte ist entbrannt.

Wenn Minka das Haus am Ortsrand verlässt, muss die schwarz-weiße Katze aufpassen, dass sie sich nicht zu weit vom Hof entfernt. Denn das könnte gefährlich werden. Laut Jagdgesetz des Landes darf die Mieze außerhalb der 200-Meter-Zone abgeschossen werden. Sie könnte ja wildern, also Schaden anrichten, so die Begründung. In Zahlen ausgedrückt: 400 wildernde Katzen werden im Durchschnitt pro Jahr in Mecklenburg-Vorpommern erlegt.

Für den Demminer Revierförster Ingo Riesop in der Wendeforst ist das jedoch kein Thema. „Damit befassen wir uns gar nicht“, sagt er. In seinem Umfeld habe noch niemand eine Katze geschossen. Die 200-Meter-Grenze, wie sie im Jagdgesetz steht, muss seiner Meinung nach nicht sein. Für ihn sei diese überflüssig. „Ich persönlich bin froh, wenn mich eine Katze besucht und die Mäuse fern hält. Die Katze ist nicht der Hauptfeind des Jägers“, stellt Riesop klar. Schwarzwild, also Wildschweine, würden viel größere Schäden anrichten. „Damit haben wir mehr zu tun.“ Kritischer als Katzen sehe er eher wildernde Hunde.

"Fressen und gefressen werden"

Auch Ottmar Rapsch kann der Katzen-Jagd nichts abgewinnen. Deshalb ärgert sich der Sarower Jäger auch über Aussagen von Tierschützern, dass die Dunkelziffer abgeschossener Katzen hoch sein soll. In seiner Jagdpächtergemeinschaft sei der Abschuss von Katzen bisher nie diskutiert worden. „Warum sollen wir uns gegen die Bevölkerung aufbringen?“, fragt er. „Man muss nicht als Jäger los gehen und Katzen tot schießen.“ Auf dem Land sei es normal, wenn Tiere ströpern gehen – weiter als 200 Meter. Wer weit weg gehe, fange nicht nur eine Feldmaus. Da könne auch mal ein Vogel dabei sein. Das sei ein ganz natürlicher Trieb. „Fressen und gefressen werden, das ist das Gesetz der Natur“, erklärt Rapsch.

Die Katze habe auch natürliche Feinde, den Fuchs, Habicht oder Kolkraben. Ottmar Rapsch sieht ein ganz anderes Problem. Katzenhalter sollten dafür sorgen, dass sich die Tiere nicht unkontrolliert vermehren. Jedem müsse die Verantwortung gegenüber der Kreatur bewusst sein. Dann würde es gar nicht zu solchen Auswüchsen kommen. Wenn alle rücksichtsvoll wären, würde man vom Abschuss von Katzen gar nicht reden.

"Ein anständiger Jäger macht das nicht"

Hannelore Rabe aus dem benachbarten Dargun indes sieht durchaus einen Sinn im Jagdgesetz. Selbst habe die Jägerin noch keine Samtpfote erlegt, jedoch sei sie dafür, wenn Miezen Feldhasen oder seltene Vögel rauben würden, dass die Flinte angesetzt werde. Es gebe zu wenig von diesen Arten und die müssten deshalb auch geschützt werden. Rabe ärgert sich, dass Leute auf dem Dorf oft Tiere einfach verwildern lassen. Die Katzen bekämen zweimal im Jahr Junge und hätten dann kein Zuhause mehr.

Samtpfoten einfach „abzuballern“, findet Tierschützerin Monika Gräser jedoch ganz schlimm. „Ein anständiger Jäger macht das nicht“, glaubt sie. Die gesetzliche 200-Meter-Grenze sei ohnehin umstritten. Man könne nur staunen, welchen Weg Katzen nehmen und wo sie sich herumtreiben. „Es gibt keine Art, die irgendwie von Katzen bedroht ist“, sagt sie.