NOTSICHERUNG

Wie geht es weiter mit Schloss Broock?

Bald sollen erneut die Bauarbeiter am Schloss Broock anrücken und den Rest der Notsicherung umsetzen. So die Hoffnung der Besitzer des bundesweit beachteten Gebäudeensembles.
Stefan Hoeft Stefan Hoeft
Seit Ende Januar ist das Notdach über der Schlossruine Broock komplett. Im Sommer soll die Notsicherung im Innern fortgesetzt werden, insbesondere mit neuen Geschossdecken.
Seit Ende Januar ist das Notdach über der Schlossruine Broock komplett. Im Sommer soll die Notsicherung im Innern fortgesetzt werden, insbesondere mit neuen Geschossdecken. Stefan Hoeft
Peter Wendt (vorne) und Ronny Dreblow von einer Spezialfirma aus Wismar entnahmen gestern im Keller des Schlosses Bohrkerne des Mauerwerks für weitere Untersuchungen.
Peter Wendt (vorne) und Ronny Dreblow von einer Spezialfirma aus Wismar entnahmen gestern im Keller des Schlosses Bohrkerne des Mauerwerks für weitere Untersuchungen. Stefan Hoeft
Broock.

Zwei Jahre lang hat ein NDR-Team die Bemühungen der neuen Besitzer und ihrer Mitstreiter begleitet, Schloss Broock neues Leben einzuhauchen. Zwei Jahre zwischen feierlicher Aufbruchsstimmung und harten Geduldsproben, zwischen Enthusiasmus und Pragmatismus, zwischen Stadt und Land.

In der Reihe „Die Reportage“ ist das halbstündige Ergebnis dieser Dreharbeiten unter dem Titel „Schloss oder Ruine – Ist Gutshaus Broock zu retten?“ nun beim NDR anzuschauen. Erster Sendetermin war Freitag, 10. Mai, um 21.15 Uhr. Wer das verpasst hatte, könnte die Wiederholung am folgenden Sonnabend um 8.30 Uhr einschalten. Sonst ist der Beitrag über Schloss Brock noch in der NDR-Mediathek verfügbar.

Das Interesse für die beiden Investoren aus Berlin zieht Aufmerksamkeit. Kein Wunder, denn immerhin gilt das Gebäudeensemble mit seinem Lenné-Park inzwischen offiziell als Denkmal von besonderer nationaler Bedeutung und soll in den nächsten Jahren zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum mit bis zu 5000 Besuchern umgewandelt werden. Was während der Bauphase und erst recht danach viele Arbeitsplätze schaffe und die ganze Gegend profitieren lasse, so die Voraussage der Besitzer. Verbunden mit dem Hinweis auf die besondere Anziehungskraft dieses Projektes durch seine landschaftlich besonders schöne Lage im Tollensetal.

Eigentümerpaar aus Berlin will Schloss Broock entwickeln

Das Aufbringen des Notdaches über dem einstigen Herrenhaus schien der vorerst letzte Akt in der Bauhistorie der Broocker Schlossanlage. Denn seither tut sich kaum noch etwas auf dem Gelände, mancher Skeptiker mutmaßte bereits über eine Scheitern der Pläne des Eigentümerpaares Monika und Stefan Klinkenberg aus Berlin.

Die Architekten wollen den Ort am Tollensetal mit seiner vielschichtigen Historie zu einem Kultur- und Veranstaltungszentrum samt Beherbergungsmöglichkeiten entwickeln. Und immerhin gehen die aktuellen Kostenschätzungen für das Gesamtprojekt von an die 30 Millionen Euro aus, alleine für die Fertigstellung des großen Gebäudes im Mittelpunkt sind fast die Hälfte davon veranschlagt.

Dem alten Gemäuer neue Stabilität verpassen

Dass die Notsicherung in Phase I gestoppt worden sei, hänge mit bautechnischen und strategischen Überlegungen zusammen, erläuterte Klinkenbergs Hauptverantwortlicher vor Ort, Christian Schmidt. Bei der erste Etappe sollten nämlich auch drei Geschossdecken ins „hohle“ Mittelrisalit eingezogen werden, um dem Gemäuer neue Stabilität zu verpassen. Ein Schritt, der dann in Phase II gleichfalls für die beiden langen Seitenflügel vorgesehen ist, samt anschließender Sanierung des Kellergewölbes.

Doch für den Ablauf und die Kostenoptimierung erschien es sinnvoller, sämtliche Betondecken nach und nach von unten nach oben einzuziehen, sprich die dafür nötigen Experten und ihr Gerät nicht zweimal anrücken zu lassen.

Vorher jedoch musste geklärt werden, wie dabei an jenen Bereichen der Giebel verfahren wird, an denen es noch fragmentarische Überreste der alten Decken gibt. Ansonsten sind die ja im ganzen Haus schon seit Jahrzehnten verschwunden – heraus gesägt beziehungsweise abgestürzt.

Schlechte Substanz und Schwamm-Befall

An einige Stellen kam man erst nach der Sicherung von oben heran, doch das nun vorliegende Urteil der Gutachter klingt ernüchternd: Die Substanz sei derart schlecht und vieles Holz so von Schwamm befallen, dass ein Erhalt nicht in Frage kommt, schilderte Schmidt dem Nordkurier. Tags zuvor waren die untere Denkmalbehörde und die Landesdenkmalpflege zum Lokaltermin in Broock, um über diese Probleme und das weitere Vorgehen zu fachsimpeln.

„Ein Wald ist in dem Haus verbaut worden”

Mit der Einigung, dass die Schlossherren zumindest in einem Zimmer die Decke mittels eines aufwändigen und teuren Verfahrens behandeln und dort so weiter bauen, dass dieser Teil zwar später nicht mehr zu sehen ist, jedoch für nachfolgende Generationen erhalten bleibt. Immerhin sei eine Vollholzdecke wie bei diesem herrschaftlichen Gebäude früher aus Kostengründen generell etwas Außergewöhnliches gewesen, in unserer Region für die damalige Zeit sogar eine einzigartige Konstruktion. „Hier ist mindestens ein Wald verbaut worden in dem Haus“, so der Projektleiter.

Nach den Absprachen mit den Denkmalpflegern sieht er gute Aussichten für die nächsten Fördermittel, denn erst mit den besagten Betondecken bekomme die Ruine wieder strukturellen Halt für den weiteren Ausbau. Das Antragsverfahren laufe bereits, noch im Sommer rechne er mit der Bewilligung und den folgenden nächsten umfangreichen Arbeiten.

Bis Ende des Jahres sollten sie auf allen drei Ebenen im Mittelrisalit erledigt sein, womit das provisorische Notdach dort hinfällig würde. Und wenn neben dem Wetter auch alles andere mitspiele, könnten 2019 womöglich sogar noch die Decken in den Seitenflügeln fertig werden, stellte Schmidt in Aussicht.

Teilbetrieb Ende 2022 als Ziel

Dann zeichnete er bereits die nächste Termin-Stafette vor: „Wir werden auf jeden Fall noch in diesem Jahr den Bauantrag für den Endausbau stellen. Sprich für sämtliche Schritte bis zur letzten Putzschicht. Inklusive Statik, Brandschutzplanungen und der Genehmigung für die künftige Nutzung. „Das Ziel ist, dass wir planen, vielleicht schon Ende 2022 in Teilbereichen des Schlosses den Betrieb aufnehmen zu können.“ Wohl wissend, dass so ein altes und gewaltiges Anwesen durchaus unliebsame Überraschungen bereithalten könnte.

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Kommentare (2)

Eine schöne Pointe, nur sehr fraglich, wie schön die Gegend bleibt, wenn erst einmal 5000 Feierwütige alles zumüllen und zudefäkieren, wie es auf Autobahnraststätten und Festivalgeländen oftmals zu sehen ist. Soll er renovieren und darin leben, damit werden die Einwohner der Gemeinde sicher noch einverstanden sein, alles andere ist ein Griff in den Lokus. Touristisch ist und bleibt das Gebiet unattraktiv, gesehen zur nahen Ostsee.

Machen Sie mal nicht alles madig. Da übernimmt einer die Initiative! Was aus seinen Träumen (im pos. Sinne) wird, wird sich zeigen. Das ist besser, als die Gebäude zerfallen zu lassen.